Im Mai und September wird in Schweden gewählt, Umeå ist Kulturhauptstadt und Prinzessin Madeleine erwartet eine Tochter (Foto: Jessica Gow/Sebastian Davidsson/Fredrik Sandberg/TT. Montage: Radio Schweden)

Wahlkampf, Kultur und eine kleine Prinzessin

5:39 min

2014 wird in Schweden in vielerlei Hinsicht ein spannendes Jahr. Auf sämtlichen politischen Ebenen stehen Wahlen an, die Streitkräfte werden aus Afghanistan abgezogen, das nordschwedische Umeå ist europäische Kulturhauptstadt und Prinzessin Madeleine erwartet ihre erste Tochter.

2014 wird wohl als das erste Superwahljahr in die schwedische Geschichte eingehen. Noch nie zuvor haben hierzulande so viele Wahlen in ein und demselben Jahr stattgefunden. Dass über das nationale Parlament, die Provinzialversammlungen und die Stadt- und Gemeinderäte am gleichen Tag abgestimmt wird, sind die Schweden bereits seit vielen Jahren gewöhnt. Doch diesmal werden sie bereits im Mai ein erstes Mal an die Urnen gerufen, wenn es darum geht, über die 20 schwedischen Abgeordneten im Europaparlament zu entscheiden.

Europawahl als Stimmungstest

Seit dem EU-Beitritt Schwedens vor 19 Jahren hat diese Abstimmung noch nie im gleichen Jahr wie die nationalen Wahlen stattgefunden. Für Regierung und Opposition dürfte die Europawahl daher ein wichtiger Stimmungstest vor dem 14. September werden. In den nationalen Umfragen haben derzeit die Oppositionsparteien aus dem linken Lager, Sozialdemokraten, Grüne und Linkspartei, einen haushohen Vorsprung vor der regierenden bürgerlichen Allianz. Die spannende Frage wird sein, ob sie diesen Vorsprung auch noch bis zum September behalten können, oder ob sich der politische Wind, wie vor den letzten Wahlen 2010, noch einmal dreht.

Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hatte seine Anhänger auf dem Parteitag der Konservativen im Herbst vergangenen Jahres bereits auf einen langen und intensiven Wahlkampf eingestimmt. Auf der Gegenseite gibt man sich derzeit siegessicher. Für den Fall, dass es nach der Wahl aber doch nicht für eine eigene Mehrheit reichen sollte, halten sich zumindest die Sozialdemokraten alle Türen offen, was die Zusammenarbeit mit anderen Parteien angeht. Lediglich eine Kooperation mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten hat man von vornherein ausgeschlossen.

Schwedendemokraten zuversichtlich

Gerade die blicken aber durchaus mit Zuversicht auf das neu angebrochene Jahr. Trotz zahlreicher Skandale steht die Partei in den nationalen Umfragen glänzend da und könnte erstmals auch den Einzug ins Europaparlament schaffen. Gelingt dies, wollen die Schwedendemokraten möglicherweise mit anderen europakritischen und nationalistischen Parteien wie dem französischen Front National oder der niederländischen Freiheitspartei eine Fraktion bilden, um sich dort mehr Einfluss zu verschaffen.

Was die politischen Inhalte angeht, dürften 2014 weiter die Bildungspolitik, die sozialen Sicherungssysteme und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt stehen. Laut aktueller Prognose der schwedischen Arbeitsagentur soll die Arbeitslosenquote im Laufe des Jahres von derzeit 8,1 auf 7,8 Prozent sinken. Vor allem Migranten und Jugendliche werden den Erwartungen zufolge von diesem kleinen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt profitieren können. Ob das Wirtschaftswachstum tatsächlich anspringt, wird aber wohl vor allem von der Entwicklung im Rest der Welt abhängen.

Afghanistan-Einsatz endet

Für die schwedischen Streitkräfte und die schwedische Rüstungsindustrie wird 2014 ebenfalls ein entscheidendes Jahr. Mit dem Ende des Isaf-Einsatzes der Nato wird auch Schweden seine Truppen vom Hindukusch abziehen. Ob man sich danach wieder mehr auf die Verteidigung des eigenen Staatsgebiets und die nähere Umgebung konzentrieren sollte, dürfte im Wahlkampf eifrig diskutiert werden. In diese Debatte um die Zukunft der schwedischen Streitkräfte könnten sich zudem noch die Schweizer Wähler einmischen. Frühestens im Mai werden diese darüber abstimmen, ob ihr Land 22 neu entwickelte schwedische Kampfjets kaufen soll. Lehnen die Eidgenossen ab, dürfte das Projekt, mit dem Schweden seine Luftwaffe modernisieren will und dem kürzlich auch Brasilien beigetreten war, erneut auf der Kippe stehen.

Nun aber von der Politik zur Kultur - denn eine Wahl für 2014 ist schon lange entschieden: Neben der lettischen Hauptstadt Riga ist das nordschwedische Umeå Europas Kulturhauptstadt des Jahres. Ende Januar wird das Kulturhauptstadtjahr mit einem großen Einweihungsfest eröffnet. Bis zum Jahresende werden dann unzählige Veranstaltungen, von Ausstellungen über Theatervorstellungen und Konzerten bis hin zu großen genreübergreifenden Events, Besucher nach Umeå locken.

Sami-Kultur in Umeå im Fokus

Im Mittelpunkt steht dabei das kulturelle Erbe der samischen Urbevölkerung. Die acht Jahreszeiten der Sami werden das Programm prägen und zu jedem Jahreszeitenwechsel sind Konzerte und eine Umgestaltung des zentralen Rathausplatzes vorgesehen. Bürgermeister Lennart Holmlund glaubt, dass Umeå vom Kulturhauptstadtjahr auch wirtschaftlich profitieren können wird. Neben einigen Bauprojekten sieht er den Kultursektor als Wachstumsbranche für seine Stadt.

Im Sport fiebert Schweden in diesem Jahr vor allem den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi entgegen, die in einem Monat beginnen. Langläufer wie 50-km-Weltmeister Johan Olsson, Skirennläufer wie André Myhrer und die Eishockey- und Curling-Mannschaften gehören zu den großen schwedischen Medaillenhoffnungen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Brasilien wird man dagegen andere Teams anfeuern müssen, da sich die schwedische Mannschaft nicht qualifizieren konnte.

Madeleine erwartet Nachwuchs

Für das Königshaus steht 2014 vor allem die Geburt der ersten Tochter von Prinzessin Madeleine im Mittelpunkt, die für Anfang März erwartet wird. Nach dem ereignisreichen Jahr 2013 mit Hochzeit, Thronjubiläum und 70. Geburtstag der Königin kann man am Hof jetzt erst mal wieder etwas durchschnaufen und sich dem Alltagsgeschäft widmen.

Dazu gehört im Mai unter anderem auch ein Besuch der südschwedischen Stadt Kristianstad, wo in diesem Jahr 400 Jahre Stadtgründung gefeiert werden. Weitere Jubiläen und Gedenktage, an die in Schweden in diesem Jahr mehr oder weniger intensiv erinnert werden wird, sind der 100. Geburtstag der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson, der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und der 10. Jahrestag des verheerenden Tsunamis im Indischen Ozean, bei dem 2004 etwa 230.000 Menschen, darunter auch über 500 Schweden, ums Leben gekommen waren.

Wettervorhersage wird genauer

Und das Wetter? Das wird sicher auch 2014 machen, was es will. Mithilfe eines neuen "Supercomputers" will der schwedische Wetterdienst aber ab dem kommenden Frühjahr verlässlichere und genauere Prognosen liefern - sodass die Schweden wissen, ob sie zum Stimme-Abgeben, Kultur-Gucken oder Prinzessin-Bejubeln den Regenschirm einpacken oder lieber die Sonnencreme nicht vergessen sollten.

Frank Luthardt

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