Sind sich einig: Fredrik Reinfeldt (Konservative), Jan Björklund (Liberale), Annie Lööf (Zentrum) und Göran Hägglund (Christdemokraten). )Foto: Bertil Enevåg Ericson/TT)
Nach Pisa-Pleite

Regierung will zehnjährige Schulpflicht

"Die Arbeit mit den Schülern braucht mehr Zeit"
3:18 min

Nach dem katastrophalen Abschneiden schwedischer Schüler beim jüngsten Pisa-Test drängt die Regierung jetzt zu drastischen Maßnahmen. In einem gemeinsamen Auftritt am Mittwoch haben die Chefs der vier bürgerlichen Koalitionsparteien vorgeschlagen, die derzeit neunjährige Grundschulpflicht um ein Jahr zu verlängern. Eingeschult werden sollen die Kinder künftig mit sechs statt mit sieben Jahren.

Seit Veröffentlichung der Ergebnisse der internationalen Pisa-Studie im Dezember sitzt der Schock in Schweden tief. Kaum ein Tag vergeht ohne Diskussionen über die möglichen Gründe dafür, dass hiesige Schüler in den letzten Jahren markant abgesackt sind und inzwischen unter dem OECD-Durchschnitt liegen - beim Lesen ebenso wie in Mathematik und den Naturwissenschaften. Mit der Verlängerung der Schulpflicht auf zehn Jahre will die Regierung nun den Stier bei den Hörnern packen.

„Wir brauchen mehr Zeit"

„Die Arbeit mit den Schülern braucht mehr Zeit", betont Bildungsminister Jan Björklund. In fast allen OECD-Ländern beginne die Schulpflicht früher als in Schweden. Zudem gingen die Kinder dort fast überall zehn Jahre zur Schule. „Schweden ist also ein Land, in dem die Schule am spätesten beginnt und in dem die Schulpflicht kürzer ist als anderswo."

Auch in Schweden soll der obligatorische Besuch der Grundschule künftig also zehn Jahre dauern. Auf noch längeres Schulbankdrücken muss sich die wachsende Zahl jener Schüler einstellen, die das Ziel der neunten Klasse im ersten Anlauf nicht erreichen. Sie können den Stoff laut dem Vorschlag in den Sommerferien nachholen. Alternativ wird die Schulpflicht für sie um ein weiteres Jahr auf elf Jahre verlängert.

Lehrer spenden Beifall

Von den Lehrern erhält die Regierung Beifall. Es sei nützlich, das obligatorische Schuleintrittsalter auf sechs Jahre zu senken, so die Vorsitzende des Lehrerverbandes, Eva-Lis Sirén. Zwar besuche das Gros der schwedischen Sechsjährigen schon jetzt eine Vorschule, so Sirén. Die Reform werde aber vor allem der kleinen Gruppe jener Kinder zu Gute kommen, die bisher von dieser Aktivität ausgeschlossen seien, beispielsweise wegen schwieriger Verhältnisse daheim oder aufgrund von Sprachproblemen.

Eine Verlängerung der Schulpflicht wollen auch die oppositionellen Sozialdemokraten. Ihnen geht der Regierungsvorschlag allerdings nicht weit genug. „Wir haben ja selbst eine Verlängerung angeregt, weil wir dies für einen guten Schritt halten", so der bildungspolitische Sprecher der Partei, Ibrahim Baylan. „Um die besorgniserregende Entwicklung der schwedischen Schule wieder zum Positiven zu wenden, wird das aber nicht reichen. Ich hatte erwartet, dass die Regierung die Schule durch Maßnahmen wie die Verkleinerung von Klassen und den Einsatz von mehr Spezialpädagogen stärken will. Aber statt in die Schule zu investieren, zieht sie offenbar weiter Steuersenkungen vor", so Baylan mit einem Seitenhieb auf die Einkommenssteuersenkungen, die als Paradedisziplin der Regierung unter Fredrik Reinfeldt gelten.

Die angestrebten Veränderungen würden nun noch Zeit brauchen, hieß es von Seiten der Koalition. In Kraft treten sollen die neuen Regeln zum Ende der kommenden Legislaturperiode, also 2017, oder in der Legislaturperiode danach.

Anne Rentzsch

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