Ein Herz für Samen? (Foto: Umeå 2014)
Kritik an Kulturhauptstadt Umeå

Weniger Folklore – mehr echte Probleme

"Das wird Spuren hinterlassen"
4:53 min

Der Schwerpunkt der europäischen Kulturhauptstadt Umeå auf die Kultur der Samen lenkt zu sehr von den eigentlichen Problemen der Urbevölkerung Nordschwedens ab. So werde die Bedrohung der Samen durch den Bergbau-Boom in Nordschweden nicht ausreichend thematisiert. Mit dieser Kritik richtet sich die Gesellschaft für bedrohte Völker an die Orgainsatoren in der nordschwedischen Stadt. Die Veranstalter sind dagegen der Meinung, das Thema sei sehr wohl repräsentiert.

Das nordschwedische Umeå ist europäische Kulturhauptstadt 2014 und hat sich für sein Programm die samische Kultur auf die Fahnen geschrieben. Doch schon vor der offiziellen Eröffnung am letzten Januar-Wochenende gibt es Kritik. Es sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, dass die Kultur der Samen gewürdigt werde, so die Gesellschaft für bedrohte Völker in Berlin. Die Europareferentin der Menschenrechtsorganisation, Sarah Reinke, erklärt jedoch gleichzeitig gegenüber Radio Schweden, dass dies allein nicht ausreiche:

„Wir befürchten wir, dass im Zuge der Veranstaltung eher Wert gelegt wird auf Kultur und Folklore, und dass die Schwierigkeiten, mit denen die Samen hier auch zu kämpfen haben, über die auch international schon viel berichtet wurde, wie eben die Folgen des Bergbaus, zu kurz kommen. Dass da nicht offensiv darauf aufmerksam gemacht wird, dass diese Kultur immer wieder in Gefahr ist.“

Es geht um mehrere Bergbauprojekte in Nordschweden, gegen die Umweltschützer und Samen im vergangenen Sommer protestiert hatten. Der Minenboom mit dem geplanten Abbau von Eisenerz und Nickel gefährde die Existenz der Rentierzüchter, da traditionelle Weidegebiete in großem Stil zerstört würden.

Zerstörung der Welt der Samen

Der Bergbau – und mit ihm der Bau von Straßen und Bahnlinien, die Abholzung von Wäldern, die Trockenlegung von Seen sowie die Ansiedlung von Arbeitern -  stellt in vielen Augen eine akute Bedrohung für die Umwelt und Lebensweise der Samen da. Ganze Samendörfer sind betroffen, weil die Wanderwege der Rentiere empfindlich gestört werden. Genau diese Problematik werde von der Kulturhauptstadt vernachlässigt, meint Sarah Reinke:

„Ich denke es wäre schön, wenn Veranstaltungen auch die Öffnung der Bergwerke, aber auch den Widerstand der Samen, der auch von vielen anderen Menschen in Schweden unterstützt wird, thematisieren könnten. Dass man zeigt, was jenseits von Kultur, Kleidung und Sprache in Gefahr gerät.“

Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert die Veranstalter in Umeå auf, auch Kontakt zu den Protestgruppen gegen die Bergbauvorhaben aufzunehmen.

Umeå verweist auf Programm

Dies sei bereits geschehen, meint Nils-Henrik Sikku, der Produzent für Samikultur in der Kulturhauptstadt Umeå. „Ich kann eine ganze Reihe von Projekten nennen, die Umeå 2014 unterstützt. Da ist zum Beispiel das Kunstkollektiv Konzentrat aus Kiruna. Bei deren Projekt geht es um die Bodennutzung durch Gruben- und Forstindustrie, was die Samen sehr beunruhigt. Es wird acht separate Ausstellungen geben, die sich der Problematik von einer künstlerischen Perspektive nähern. Es wird auch eine Serie von Seminaren an der Universität von Umeå geben.“

Während Nils-Henrik Sikku seine Aufzählungen von Veranstaltungen mit dieser Thematik  fortführt, fällt auf, dass sich davon auf der Webseite von Umeå 2014 nur wenig auf den ersten Blick wiederfindet – noch nicht.

Sikku ist sich jedoch sicher, dass das Programm der Kulturhauptstadt dem Anliegen der Samen mehr Gehör verschaffen wird: „Umeå wird das Zentrum für die Aktivitäten der Samen sein. Es handelt sich um eines der größten Ereignisse für die Kultur der Samen in diesem Land. Da wird es auch Aktivitäten außerhalb des offiziellen Programmes geben, wo die Samen ihr Bild wiedergeben können. Das können Demonstrationen oder Aktionen sein. Das wird beachtet werden und Spuren hinterlassen. Davon bin ich überzeugt.“  

UN weist Regierung zurecht

Derweil laufen die Genehmgungsverfahren für zahlreiche Minenprojekte. Immerhin konnte die Gesellschaft für bedrohte Völker zur Kenntnis nehmen, dass das UN-Komitee zur Abschaffung von Rassismus die Regierung in Schweden aufgerufen hat, alle Aktivitäten um eine Nickelmine in der Provinz Västerbotten zu stoppen. Dazu Sarah Reinke:

„Das ist international ein Erfolg gewesen, dass sich dieses UN-Komitee dazu geäußert hat. Und wir warten jetzt zusammen mit den Samen auf die Antwort der schwedischen Regierung, die während des Monats Januar erfolgen soll, um zu sehen: Wie argumentiert Schweden eigentlich im Hinblick auf die Öffnung der Minen im Norden?“

Dieter Weiand

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