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Mats Selander, Mitgründer der Christlichen Wertepartei
Neue Partei in Schweden gegründet

Radikale Christen blasen zur Offensive

Neues Sammelbecken für Abtreibungsgegner
4:43 min

Pünktlich zum Beginn des Superwahljahres 2014 hat eine neue christliche Partei die politische Bühne betreten.

Die Christliche Wertepartei („Kristna Värdepartiet“) will mit radikalen Forderungen zu Abtreibung und Homo-Ehe Druck auf die etablierten Christdemokraten ausüben, die nach Ansicht der neuen Partei nicht mehr für ihren Glauben einstehen. Gleichzeitig liebäugelt man mit solchen Wählergruppen, die die Betonung traditioneller familiärer Werte bei den bürgerlichen Regierungsparteien vermissen und sich deshalb eher von einer anderen Partei vertreten fühlen, die auch für radikale Ansichten bekannt ist: der rechts-außen Partei der Schwedendemokraten.

Politische Ansichten, die sich bewusst gegen den Parteien-Mainstream stellen, scheinen derzeit einen guten Stand zu haben in Schweden. Dies beweisen allen voran die rechtspopulistischen Schwedendemokraten, die sich derzeit anschicken, sich bei der Parlamentswahl im kommenden Herbst als drittgrößte politische Kraft im Land zu etablieren.

Partei der Abtreibungsgegner

Kaum verwunderlich, dass auch andere Gruppierungen sich die Möglichkeit nicht entgegen lassen wollen, mit vom Mainstream abweichenden Forderungen zu provozieren und zu punkten. Die nun im sogenannten Bibelgürtel in der besonders kirchlich geprägten Region von Jönköping aus der Taufe gehobene Christliche Wertepartei hat sich dabei ein Leitmotiv auf die Fahnen geschrieben, mit dem man wie mit kaum einem anderen Thema in Schweden provozieren kann: Den Widerstand gegen Abtreibung.

„Dieses Thema ist für uns derart wichtig, dass alle anderen Fragen dahinter verblassen“, erklärt Mats Selander, einer der Gründer der Christlichen Wertepartei, im Schwedischen Rundfunk. „Es geht hier doch darum, dass kleine Menschen getötet werden, und dies ist absolut inakzeptabel. Für uns steht Abtreibung auf gleicher Ebene wie Sklavenhaltung, Apartheid und so weiter.“

Wunder Punkt der Christdemokraten

Im stark feministisch geprägten Schweden gibt es im Grunde genommen keinen etablierten Politiker, der ernsthaft das Recht auf Abtreibung öffentlich in Frage stellen würde. Die neue Christenpartei zielt damit bewusst auf einen wunden Punkt der etablierten Christdemokraten, die auch an der Regierungskoalition beteiligt sind. Die Partei versteht sich als Hauptanlaufpunkt für bekennende Christen in Schweden und kann damit nicht direkt mit der gleichnamigen deutschen Volkspartei verglichen werden. Mia Frisk von den Christdemokraten in Jönköping betont auch, dass es innerhalb der Partei keine schwerwiegenden Auseinandersetzungen mehr zum Thema Abtreibungen gebe. Die Partei befürwortet das Recht auf Abtreibung und setzt den Schwerpunkt stattdessen auf die Prävention ungewollter Schwangerschaften.

Mats Selander von der Christlichen Wertepartei macht auch keinen Hehl daraus, dass Druckausübung auf die Christdemokraten die Hauptmotivation für die Parteigründung ist. Die Regierungspartei soll aus Angst vor Wählerschwund gezwungen werden, sich Abtreibungsgegnern anzunähern:

„Was wir denken, wird bei uns nicht hinter vorgehaltener Hand gesagt. Und genau davor hat man bei den Christdemokraten Angst: Für abweichende Meinungen und Werte einzutreten, die ja schon im Parteinamen ausgedrückt werden. Klar besteht die Gefahr, dass wir Wähler abwerben und die Christdemokraten so unter die 4 Prozent-Hürde zum Parlament drücken. Aber genau das ist die Bedrohung, die von uns ausgeht: Kriegen wir 0,1 und die Christdemokraten 3,9 Prozent, so werden die Allianzparteien verstehen: Wer auf die Abtreibungsfrage pfeift, der fliegt raus.“

Flirt mit Rechtswählern

Die Christliche Wertepartei kann jedoch nicht als bloße Ein-Thema-Partei abgetan werden. Zur Homo-Ehe wird deutlich Stellung bezogen mit der Aussage, dass Eheschließung ausschließlich eine Verbindung zwischen Mann und Frau darstellt. Die Partei versucht, in den weitgehend leeren politischen Raum konservativer Grundwerte zu stoßen, in dem beispielsweise der Kernfamilie und traditionellen Rollenbildern von Mann und Frau große Bedeutung zugemessen wird. Bislang hielten im Grunde nur die rechtspopulistischen Schwedendemokraten diesen Raum besetzt, was deren Wählerklientel für Mats Selander und seine Wertepartei äußerst attraktiv macht:

„Die Sache ist doch die, dass die Schwedendemokraten nicht gewachsen sind, weil plötzlich viele Leute beschlossen haben, Nationalisten zu werden. Stattdessen gibt es zahlreiche Menschen mit wertekonservativer Haltung, darunter auch Christen, die keine bessere Alternative zu den Schwedendemokraten finden können. Und das sind genau die Wählerstimmen, die wir uns holen werden.“

Politologe glaubt nicht an Erfolg

Trotz dieser Ambitionen glauben Politikwissenschaftler allerdings nicht, dass die Christliche Wertepartei große Aussichten auf Erfolg hat – weder in Bezug auf die Christdemokraten, noch auf die Wähler der nationalistischen Schwedendemokraten:

„Die Unterstützung für eine Partei mit diesen radikalen Ansichten wird äußerst gering sein“, sagte der Politologe Magnus Hagevi im Schwedischen Rundfunk. „Sie hoffen als eine Art Erpresserpartei die Christdemokraten dazu zu bringen, sich ihnen in manchen Fragen anzunähern um so zu verhindern, dass Wähler zu der neuen Wertepartei abspringen. Ich glaube aber, dass sie nicht genügend Stimmen für sich gewinnen können, um die Christdemokraten zu beeindrucken und somit in eine neue politische Richtungen zu drängen.“

Um im Herbst bei der Parlamentswahl überhaupt antreten zu können, muss die Christliche Wertepartei bis Ende Februar 1.500 Unterschriften gesammelt haben. Bei dieser Aufgabe wird man zumindest im Bibelgürtel von Jönköping auf Unterstützung hoffen können: Als der Lokalfunk in der südschwedischen Stadt auf seiner Homepage fragte, ob man sich vorstellen könnte, die neue Partei zu wählen, antworteten knapp 1.000 Hörer. Ein Drittel davon mit Ja.

Hansjörg Kissel / P4 Jönköping

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