Norska flaggor i tusental framför slottet i Oslo. Foto: Vegard Grøtt/Scanpix.
Nationaltagsfeiern in Norwegen am 17. Mai (Foto: Vegard Grøtt/Scanpix)
Geburtsstunde des modernen Nordeuropas

200 Jahre Kieler Frieden: Ein unbekannter Jubilar wird gefeiert

"Das gesamte moderne Nordeuropa wurde hier geschaffen"
4:21 min

Der Kieler Frieden aus dem Jahr 1814 führt im Kreis der historischen Großereignisse ein Schattendasein. Doch er hat Besseres verdient, legte er doch den Grundstein für das moderne Nordeuropa –  Anlass genug, den Friedensschluss zu feiern:

„Heute vor 200 Jahren wurde entscheidende schwedische Geschichte geschrieben. In der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 1814 wurde in Kiel ein Friedensvertrag zwischen Dänemark und Schweden unterzeichnet und seitdem haben wir 200 friedliche Jahre in Schweden gehabt.“ Per Westerberg, Präsident des schwedischen Parlaments, betonte am Dienstag bei einer Gedenkzeremonie im Reichstag in Stockholm die Bedeutung des Friedensschlusses für sein Land. 200 Jahre ohne Krieg – das macht in Europa den Schweden so schnell wohl keiner nach.  

Ende der Großmacht Dänemark

Was geschah also im Jahr 1814? Europa war gezeichnet von den napoleonischen Kriegen. Dänemark kämpfte auf Napoleons Seite, Schweden auf der gegnerischen. Im eiskalten Winter des Jahres 1814 sah sich kurz vor Weihnachten das damals noch dänische Kiel plötzlich einer übermächtigen schwedischen Armee gegenüber. 7000 Kieler Einwohner gegen 8000 schwedische Soldaten. Kiel, oder besser gesagt Dänemark, kapitulierte, und der Friede von Kiel wurde besiegelt. Die Folge: Dänemark, zu dem damals auch Norwegen gehörte, verlor seinen Großmachtstatus. Es musste Norwegen an Schweden abtreten. Für Nordeuropa waren damit im Gegensatz zum Rest Europas die napoleonischen Kriege beendet.

„Annus mirabilis“ für Norwegen

Der Friedensschluss, so Torbjörn Nilsson, Geschichtsprofessor an der Universität Södertorn in Stockholm, sei das Ende einer dramatischen Entwicklung gewesen: „Das gesamte moderne Nordeuropa wurde hier geschaffen.“

Der Kieler Frieden war nämlich auch für Norwegen der erste Schritt auf dem Weg zur Selbständigkeit. „ 1814 ist das große Jahr; bei uns wird das heute noch Annus mirabilis genannt, das Jahr des Wunders“, sagt Ruth Hemstad von der Nationalbibliothek Oslo.

Doch natürlich feiern die Norweger nicht den Übergang von der Bevormundung durch Dänemark zu der durch Schweden. Nein, sie feiern die kurze Zeitspanne dazwischen, in der das Land für ein paar Monate unabhängig war. In dieser kurzen Zeit gelang es den Norwegern ihre erste eigene Verfassung aufzustellen.

Schwedisches Königshaus sorgt für Verstimmung

Deren 200-jähriges Jubiläum wird dieses Jahr mit großem Pomp in ganz Norwegen gefeiert.  Und dabei zeigte sich – mal wieder -, dass der Kieler Frieden zwar eine 200-jährige Periode ohne Kriege einleitete, doch  Spannungen gibt es nach wie vor.

„Das schwedische Königshaus kommt nicht zu den Feiern des Grundgesetzjubiläums am 17. Mai in Norwegen,“ berichteten die Hauptnachrichten des norwegischen Rundfunks Anfang Januar. König Carl Gustaf hatte die Einladung mit dem Hinweis ausgeschlagen, er reise grundsätzlich nicht zu Nationaltagsfeiern.

„Dumme Entscheidung“ Carl Gustafs

Das Unverständnis war groß – in Norwegen, aber auch in Schweden. Jan Guillou, schwedischer Schriftsteller historischer Romane und selten um ein deutliches Wort verlegen, sagte im Schwedischen Fernsehen zur Entscheidung des Königs: ”Das ist nicht böswillig, es gibt auf der schwedischen Seite leider vielmehr eine peinlich große historische Unkenntnis. Und nachdem das Bildungsniveau unseres Königs wohl kaum über dem schwedischen Durchschnitt liegt, ist er dementsprechend geprägt und hat ganz einfach eine dumme Entscheidung getroffen.“

Mittlerweile hat der König die laut Guillou „dumme Entscheidung“ übrigens revidiert. Er und Königin Silvia werden nun doch am 17. Mai nach Oslo reisen, um die Geburt der norwegischen Verfassung zu feiern. Es herrscht also wieder Friede.

Karin Bock-Häggmark/ Vetenskapsradio

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