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Verteidigungsministerin Karin Enström auf der Sicherheitskonferenz Folk och Försvar in Sälen (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Fredrik Bynander, Krisenexperte an der Universität der Streitkräfte in Stockholm (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Verteidigungsministerin stellt klar

Nur gemeinsam gegen Cyber-Bedrohungen

"Schweden hat viele Hacker exportiert"
3:34 min

Die schwedischen Streitkräfte müssen bei der Bekämpfung und Vorbeugung von Cyber-Angriffen stärker mit zivilen Kräften zusammenarbeiten.

Dies machte Verteidigungsministerin Karin Enström auf der nationalen Sicherheitskonferenz „Folk och Försvar“ in Sälen deutlich. Die Bedrohungen im Cyberspace seien vielfältig, und ebenso vielfältig müssten die Reaktionen und Kooperationen aussehen. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass ausländische Geheimdienste die Computersysteme mehrerer Behörden gehackt haben. Mit einer umfassenden nationalen Strategie soll nun geprüft werden, wie gesellschaftliche und staatliche Kräfte gemeinsam Schwedens IT-Systeme sicherer machen können.

Nationale Strategie

„Einerseits geht es hier um allgemeine Informationssicherheit. Für diesen Bereich hat die Regierung eine Untersuchung eingeleitet, um eine nationale Strategie zu erarbeiten“, sagte Verteidigungsministerin Karin Enström gegenüber Radio Schweden. „Hier geht es auch darum, Lösungen für robustere Systeme zu schaffen, um die Verwundbarkeit im privaten und öffentlichen Raum zu verringern. Letztlich soll auch untersucht werden, wie sich die Streitkräfte selbst besser schützen können. Es ist wichtig, dass wir unsere Aufmerksamkeit in Sachen Cyber-Sicherheit erhöhen und die IT-Systeme robuster gestalten.“

Bereits in den 1990er Jahren kamen neue Begriffe wie Cyber-Krieg und Cyber-Wettrüsten auf – damals noch mit einem gewissen Beigeschmack von Science-Fiction. Spätestens der Hacker-Großangriff auf Estland 2007 – von dem Regierung, Parlament, Medien und Banken betroffen waren – sowie der berüchtigte Computerwurm Stuxnet, der 2010 gegen iranische Atomanlagen eingesetzt wurde, haben vor Augen geführt, dass Cybersicherheit mittlerweile zu den zentralen Schutzaufgaben des Staates gehört.

Hacker-Kultur weniger Sache des Staates

Besonders in Sachen Hacker-Kultur ist nur, dass eben nicht der Staat und seine Streitkräfte, sondern zivile Einrichtungen und private Unternehmen über die größten Kompetenzen verfügen. Untersuchungen zeigen, dass in Ländern wie Russland oder China, in denen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stark miteinander verknüpft sind, die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Hackern stark ausgeprägt ist. In Schweden hingegen nimmt der Staat noch immer zu viel Raum ein, sagte Fredrik Bynander im Interview mit Radio Schweden. Der Politikwissenschaftler ist Leiter des Forschungsprogramms „Crismart“ an der Universität der Streitkräfte, das neue Lösungen für das Krisenmanagement untersucht.

„Auch nach innen sind die einzelnen Teile des Staates nicht genügend koordiniert. Die Verantwortung für Cyber-Fragen ist zu stark aufgesplittert, wobei ein großer Teil bei den Streitkräften liegt. Problematisch ist auch, dass Fragen, die den zivilen Raum betreffen, von Sicherheitsfragen getrennt betrachtet werden.“

Militär und Gesellschaft müssen gemeinsame Sache mache

Eine Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und gesellschaftlichen Akteuren sei absolut notwendig, um die modernen Bedrohungen im Cyberspace erfassen zu können, so Bynander. Die jetzige Situation sei nicht zeitgemäß: „Unsere Herangehensweise an den Cyberspace ist noch immer etwas unbeholfen. Verteidigungsministerin Enström machte auch deutlich, dass es zwar eine starke militärische Dimension in Cyber-Fragen gibt, die aber unmöglich isoliert stehen kann. Es muss eine gemeinsame, nationale Strategie geben. Gesellschaft und Militär können hier nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Diese Zeiten sind wirklich vorbei.“

Reichhaltige Hacker-Kompetenz in Schweden

Krisenexperte Fredrik Bynander macht auch deutlich, dass die schwedische Gesellschaft mit ihrer fortgeschrittenen Internet- und IT-Kultur über einen großen Schatz an Kompetenzen verfügt: „Schweden hat viele Hacker und damit auch viele Probleme in die internationale Arena der Informationssicherheit exportiert. Dies bedeutet auch, dass wir über ein reichhaltiges Wissen über die antagonistischen Bedrohungen, die es da draußen gibt, verfügen. Schweden hat sich gezwungenermaßen seit Langem schon mit solchen Problemen befasst.“

Hansjörg Kissel

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