1 av 5
Dass Biber beliebt sind, zeigen auch die Figuren des "Bibermärchens" im Schwedischen Kinderprogramm (Foto: SVT Bild Illustration: Kristina Pérez/Sveriges Radio)
2 av 5
Ein erwachsener Biber kann in einer Nacht einen Baumstam bis zu 50 cm Dicke durchnagen (Foto: Al Hartmann/TT)
3 av 5
Kein Winterschlaf sondern nagende Aktivität auch gleich in der Nähe von Schloss Drottningholm im Mälarsee. (Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)
4 av 5
Biber sind Vegetarier und ausgezeichnete Schwimmer (Foto: Al Hartmann/Scanpix)
5 av 5
Die Spaziergänger fragen einander, wie es den Bibern geht (Foto: Sybille Neveling / Radio Schweden)
Biber breiten sich aus

Burgenbau in Stockholmer City untersagt

"Spaziergänger schauen wie der Biberbau fortschreitet"
3:23 min

Darüber, dass sich Wildschweine und Rehe in Stockholm ausbreiten, wird häufig gesprochen. Unterdessen feiert eine weitere Tierart klammheimlich ihr Comeback: Die Biber vermehren sich massiv in der schwedischen Hauptstadt.

Biberforscher Göran Hartman von der Schwedischen Landwirtschaftsuniversität SLU beobachtet schon länger, was auch Spaziergängern in der Hauptstadt immer öfter auffällt: „In der Umgebung von Stockholm gibt es seit geraumer Zeit eine ganze Menge Biber. Dass sie sich jetzt so stark ausbreiten, ist also nicht weiter erstaunlich. Vermutlich werden sie sich noch weiter vermehren. Sie sind ja nicht besonders menschenscheu.“

Neu im Revier

In der Stockholmer Randgemeinde Danderyd blockiert ein großer Reisighaufen den Spazierweg am Wasser. Abgenagte Baumstämme sind ein Zeichen für fleißige nächtliche Aktivitäten der Biber.

„Viele Spaziergänger schauen, wie der Burgbau am Ufer fortschreitet“, erzählt Peter Forssman dem Schwedischen Fernsehen.

Im November entdeckten Spaziergänger, dass eine neue Art von Einwohner sich in ihrer Gemeinde niedergelassen hat. Einige sind so begeistert, dass sie den Nagetieren einen eigenen Briefkasten gebaut haben. Aus Holz – versteht sich. Auf dem Deckel steht Herr Bäver (Herr Biber). Die gesammelte Post ist von den Biberfreunden offenbar liebevoll zusammengetragen. Sie besteht aus Zeichnungen von Kindern, einem Weihnachtsgruß und einem nicht adressierten Briefumschlag vom Finanzamt.

„Wir finden es schön, wenn ein wildes Tier sich hier ansiedelt“, sagt Peter Forssman. „Die Kinder in der Nachbarschaft verfolgen das mit Spannung.“

Offenbar ist dieser Biber in Danderyd sehr willkommen. Er errichtet die erste ansehnliche Biberburg der Gemeinde seit mindestens 150 Jahren.

Weit verbreitet in der Umgebung

Aber nicht nur dort wird nächtens genagt und gebaut. Die Artgenossen erobern den Mälarsee, die City und die Schären. Denn der Lebensraum des Bibers sind Gewässer und Uferbereiche, und Stockholm ist auf Inseln gebaut.

Früher Biber wurden wegen ihres essbaren Fleisches und ihres warmen Fells in Schweden viel gejagt und vor 100 Jahren völlig ausgerottet. In den zwanziger Jahren wurden vereinzelte norwegische Exemplare in der nordschwedischen Region Jämtland ausgewildert. Erst in den siebziger Jahren vermehrten sie sich kräftig. Heute gibt es mindestens 100.000 Biberkolonien in Schweden.

Natürlich am Wasser

Der zuständige Beamte für wilde Tiere in Stockholm ist von der Ausbreitung der Biber in seinem Verantwortungsbereich nicht begeistert. Er möchte nicht in den Medien in Erscheinung treten, weil er häufig bedroht werde, teilt er mit. Aber er macht deutlich, dass Stockholm keine Biber im Stadtgebiet duldet. Angenagte Bäume stellen eine Gefahr für Menschen dar, wenn sie umfallen. Biber, die die Hauptstadt besiedeln, werden gejagt.

Biberexperte Göran Hartman hält allerdings ein biberfreies Stockholm für unrealistisch: „Solange wir Biber in den angrenzenden Gebieten haben, werden neue Tiere immer wieder versuchen, in der zu Stadt sieden.“

Die Biberfreunde in der Randgemeinde Danderyd versichern, dass eine Jagd auf den Biber zu Protesten führen würde: „Das gäbe einen Aufschrei der Empörung! Also wenn man sich hier auf dem Wanderweg begegnet, fragt man: ‚Hallo, wie geht’s dem Biber?‘ Und falls der Biber den Spazierweg mit seinem Bau versperren sollte, dann muss der Weg eben drum herum führen!“

Charlotte Permell /Sybille Neveling

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".