Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien sind in der EU nicht überall willkommen
Mehr Steuereinnahmen als Ausgaben

Rumänen und Bulgaren ein Gewinn für Schweden

Einnahmen 30 Prozent höher als Ausgaben
3:10 min

Die vielen Rumänen und Bulgaren, die nach dem EU-Beitritt ihrer Heimatländer 2007 nach Schweden gekommen sind, um hier längere Zeit zu leben, zu arbeiten oder einer Ausbildung nachzugehen, kommen in der politischen Debatte nur selten vor. 

Eine neue Studie der Universität Göteborg ist nun der Frage nachgegangen, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen diese Einwanderung für Schweden gehabt hat. Von Sozialtourismus, vor dem zahlreiche Politiker in anderen EU-Staaten in letzter Zeit gewarnt haben, kann hierzulande jedenfalls keine Rede sein.

Nettogewinn: 3.400 Euro pro Einwanderer

"Im Durchschnitt beträgt der Nettogewinn etwa 30.000 Kronen (cirka 3.400 Euro) pro Einwanderer. Die Einnahmen für den Staat liegen ungefähr 30 Prozent über den Ausgaben", erklärt der Volkswirt Joakim Ruist von der Universität Göteborg, der die Untersuchung durchgeführt hat.

Ruist hat dazu offizielle Zahlen aus den Datenbanken schwedischer Behörden miteinander verglichen. Wie viele Kronen haben die Einwanderer, die zwischen 2007 und 2010 aus Rumänien oder Bulgarien nach Schweden gekommen sind und auch 2011 noch hierzulande gemeldet waren, an Steuern und anderen Abgaben in die Staatskassen eingezahlt? Und wie viel haben sie in Form von Sozialleistungen und anderen öffentlichen Ausgaben wieder zurückerhalten? Bei dieser Rechnung steht unter dem Strich also ein dickes Plus.

Niedriger Altersdurchschnitt begrenzt die Kosten

"Es gibt einen großen Faktor, der dies bewirkt: dass die Einwanderer jung sind. Es sind Menschen im arbeitsfähigen Alter. Die meisten von ihnen gehören sogar in die unteren Altersgruppen der im Arbeitsleben stehenden Bevölkerung. Viele von ihnen sind ja unter 40, und das führt letztlich dazu, dass die Kosten sehr niedrig bleiben", erklärt der Nationalökonom.

Nach dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien im Jahr 2007 war Schweden eines von insgesamt nur zwei EU-Ländern gewesen, die für die Bürger der neuen Mitgliedsstaaten keine Restriktionen eingeführt hatten, was die Niederlassungsfreiheit und den Zugang zu Arbeitsmarkt und Sozialsystemen angeht. Neun Staaten, darunter auch Deutschland, haben diese Hindernisse, nach Ende der von der Union erlaubten Übergangsfrist, erst Anfang 2014 beseitigt.

Übertriebene Ängste in anderen Ländern

Im Zusammenhang damit hatten Politiker in mehreren Ländern davor gewarnt, dass nun erhebliche Kosten auf die Sozialsysteme der reicheren EU-Länder zukommen könnten. Schwedische Spitzenpolitiker hatten diese Bedenken mehrfach als übertrieben zurückgewiesen. Wie die Studie nun bestätigt, hat man hierzulande gegenteilige Erfahrungen gemacht - und laut Joakim Ruist können auch andere Länder von der Einwanderung aus Rumänien und Bulgarien profitieren.

Besonders dort, wo eine weit verbreitete Sprache gesprochen wird und die Sozialsysteme vergleichsweise schwach ausgebaut sind, dürfte die volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung ein Plus ergeben, erklärt der Wissenschaftler. "Wenn man beide Faktoren zusammennimmt, gibt es vor allem zwei Länder, in denen ein noch positiveres Ergebnis als in Schweden zu erwarten ist: Großbritannien und Irland. Dort spricht man eine Sprache, die viele beherrschen, und der öffentliche Sektor ist vergleichsweise klein."

Positiver Effekt für deutschsprachige Länder

Auch für Deutschland und Österreich geht Ruist von einem positiven Ergebnis aus. Dadurch, dass einige Migranten schon Deutschkenntnisse mitbringen dürften, sollten sie schnell auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen und so für den Staat "Gewinn einbringen" können.

In der politischen Debatte in Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern scheinen die Zahlen aus Schweden und frühere Vergleichsstudien zum Thema allerdings noch nicht angekommen zu sein. Auch die mediale Berichterstattung konzentriere sich oft auf Einzelfälle und gebe nicht die Gesamtsituation wieder, kritisiert Joakim Ruist. "Man nimmt die Informationen aus diesen Forschungsergebnissen einfach nicht auf. Woran das liegt, kann ich aber nicht beantworten."

Frank Luthardt

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