Schwedens Wirtschaft läuft noch nicht wieder unter Volldampf
Durchwachsene Aussichten, aber hohe Dividenden

Schwedens Großkonzerne bleiben vorsichtig

"Die Gewinne sind recht ordentlich"
4:17 min

Mehrere schwedische Großkonzerne haben am Donnerstag ihre neuesten Quartalszahlen vorgestellt. 

Unter anderem der Moderiese H&M, der Elektronikhersteller Ericsson und das Telekommunikationsunternehmen TeliaSonera konnten hohe Gewinne vorweisen, verfehlten jedoch die noch höher gesteckten Erwartungen der Börsenanalysten. Viele der derzeit Bilanz ziehenden Firmen wollen die Dividenden für ihre Aktionäre erhöhen, blicken gleichzeitig aber nur vorsichtig in die Zukunft.

Kein richtiger Boom

"Es läuft okay. Die Gewinne sind recht ordentlich, es geht nur nicht richtig vorwärts. Man kann erkennen, dass es eine Art Zuversicht gibt, da die meisten Unternehmen ja mehr Geld an ihre Aktionäre ausschütten wollen. Man blickt positiv auf die Zukunft - aber es ist unsicher, wann dieser Schub nach vorn kommt, auf den alle hoffen", fasst die Wirtschaftsjournalistin Pia Gripenberg von der Zeitung Dagens Nyheter die aktuelle Lage zusammen.

Das Bild, das die schwedische Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2014 bietet, ist zwiegespalten. Einerseits Gewinne, höhere Dividenden und ein steigender Konjunkturindex. Andererseits defensive Prognosen, Einsparungen und eine geringe Nachfrage nach Krediten. Ein richtiger Boom oder wirklicher Optimismus sehen anders aus.

Schwergewichte ziehen Börse nach unten

An der Stockholmer Börse ging es am Donnerstag dann auch erst einmal bergab, nachdem mehrere Börsenschwergewichte aktuelle Zahlen vorgelegt hatten. Der Bekleidungskonzern H&M konnte beispielsweise für das vierte Quartal 2013 einen Gewinn in Höhe von knapp 834 Millionen Euro verbuchen, immerhin fast 80 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Dennoch hatten die Analysten mit mehr gerechnet und straften die Aktie ab.

Ähnlich auch der Fall beim schwedisch-finnischen Telekommunikationsunternehmen TeliaSonera. Hier hatten die Börsenexperten zwar schon mit einem deutlich niedrigeren Gewinn als im Vorjahr gerechnet, das vorgestellte Quartalsergebnis in Höhe von gut 434 Millionen Euro lag dann aber noch einmal darunter. Außerdem erwartet der Konzern für 2014 nur ein äußerst geringes Wachstum. Auch für diese Aktie ging es deutlich bergab.

Durchwachsene Zahlen

Ericsson und der Industriekonzern AtlasCopco konnten die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen, obwohl auch sie Hunderte Millionen Euro Gewinn einfuhren. Bereits in den Tagen zuvor hatten die Großbanken Nordea und Swedbank durchwachsene Zahlen vorgelegt und ihrerseits gar neue Einsparungen und Entlassungen angekündigt. Außerdem wiesen die Geldinstitute darauf hin, dass die schwedischen Unternehmen derzeit nur wenige Kredite nachfragten, was auf eine allgemein geringe Bereitschaft zu Investitionen hindeutet.

"Es ist ja im Grunde gut, wenn ein Unternehmen nicht unnötigerweise eine Menge Geld ausgibt. Da ist es ja besser, man gibt das Geld an die Aktionäre weiter, sodass diese selbst entscheiden können, was sie damit machen wollen. Aber andererseits wäre es schade, wenn es so ist, dass die Ideen fehlen oder man sich nicht traut, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, weil man unsicher geworden ist. Während der Finanzkrise wurde es wahrscheinlich etwas zu unheimlich und da ist man jetzt ein wenig vorsichtiger als man vielleicht sein sollte", schätzt Pia Gripenberg.

Kaum Investitionen 

Der Volkswirtschaftler Stefan de Vylder pflichtet ihr bei: "Ich bin selbst der Ansicht, dass viele Firmen, die hohe Gewinne erwirtschaften, in die Zukunft investieren sollten. Aber man ist vielleicht etwas pessimistisch und in dieser Situation schüttet man lieber mehr an die Aktionäre aus, die auch in den letzten Jahren schon ungeheuer viel verdient haben."

Beide weisen auf die, trotz der durchwachsenen Gesamtlage, vielfach steigenden Dividenden hin. Nordea, Swedbank, Ericsson, TeliaSonera und auch der Baukonzern NCC wollen alle in diesem Jahr mehr Geld an ihre Eigentümer ausschütten als im Jahr zuvor. H&M und AtlasCopco belassen die Dividende immerhin auf dem gleichen Niveau wie 2012.

Gestiegenes Vertrauen in die Weltwirtschaft

"Die Jahre nach der Finanzkrise waren ja richtig ungemütlich, als das gesamte Bankensystem zu kollabieren drohte und der Euro in der Krise steckte. Da sind die Unternehmen natürlich sehr vorsichtig geworden. In der Zeit haben sie Gewinne aufgebaut und ihr Geld zusammengehalten. Jetzt ist man aber der Ansicht, dass es im Ausland wieder stabil aussieht und die europäische Wirtschaft in Gang kommt. Da kann man dann auch mehr Geld verteilen", erklärt Pia Gripenberg.

Doch was bedeuten die höheren Gewinnausschüttungen für die Volkswirtschaft Schweden? Stefan de Vylder warnt vor einer sich weitenden Schere zwischen Arm und Reich, vor allem wenn die Unternehmen trotz Gewinnen Mitarbeiter entlassen und die Arbeitslosigkeit so auf einem höheren Niveau bleibt. Auch Pia Gripenberg betont, dass vor allem die Großeigentümer der Konzerne wie die Familie Wallenberg oder H&M-Aufsichtsratschef Stefan Persson an den höheren Dividenden verdienen werden. Diese seien aber nicht die einzigen Profiteure:

"Viel Geld fließt ja auch zu Alecta, AMF und in die Fonds der Banken. Wir alle, die private Rentenversicherungen abgeschlossen oder auf eine betriebliche Altersvorsorge Anspruch haben - wir bekommen ja auch einen Teil dieser Gewinne ab."

Frank Luthardt

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