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Katarina Pirak Sikku mit einem Kraniometer ausgestellt im Bildmuseet im Umeå (Foto: Katarina Pirak Sikku, beschnitten)
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Ein reissender Gebirgsbach, Låddejåhkå, eines der Motive der Ausstellung Nammaláhpán. Das Foto ist leicht beschnitten (Foto: Katarina Pirak Sikku)
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Die Installation aus zerbrochenem Glas heisst Guorosvuođa ája / Dálveluonddu. Das Foto ist leicht beschnitten. (Künstlerin: Katarina Pirak Sikku, Foto: Polly Yassin / Bildmuseet)
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„Kvinna I Änonjalme“ (beschnitten) von Katarina Pirak Sikku
Nammaláhpán

Nackte samische Geschichte

4:19 min

Trotz aller Begeisterung mit der das Kulturjahr in Umeå eingeläutet wird, die Veranstaltungen beschäftigen sich nicht ausschließlich mit schwedischen Erbaulichkeiten.

Nacktfotos und Schädelmessungen, die das Rassenbiologische Institut von den Ureinwohnern Skandinaviens gemacht hat, sind das Thema einer neuen Ausstellung von Katarina Pirak Sikku.

„Das hier ist eine Liste, ganz oben sieht man, welche Kategorien sie aufführt. Es sind Sami. Woher sie kommen, wo sie wohnen, welche Berufe sie haben, wo sie geboren sind, wie groß sie sind, wie groß ihr Kopf ist, welche Farbe ihre Augenbrauen und die Augen haben. Und so weiter. Diese Liste mit den Namen und Daten aller erfasster Personen war öffentlich!“

Die nordschwedische Künstlerin Katarina Pirak Sikku führt den Schwedischen Rundfunk durch ihre Ausstellung „Nammaláhpán“. Sie wird an diesem Wochenende im Bildmuseum von Umeå eröffnet und gehört zum europäischen Kulturjahr.

Die große Studie

Die Ausstellung hat ihren Ausgangspunkt im Material des heute höchst anrüchigen Rasbiologiska Institutet (Staatlichen Institut für Rassenbiologie). Es wurde 1922 in Uppsala gegründet. Es war weltweit die erste Einrichtung dieser Art. Bereits im Gründungsjahr veröffentlichte das Institut Schautafeln mit Beschreibungen der „rein schwedischen Rasse". Dieses Material wurde später als Grundlage für Beschlüsse zur Zwangssterilisierung benutzt. Doch die Forscher studierten auch andere Menschen eingehend, sagt Pirak Sikku und deutet wieder auf die ausgestellte Liste:

„Diese Liste wurde in den Dreißigerjahren publiziert, vom Rassenbiologischen Institut. Seine Hauptaufgabe war ja, die schwedische Rase zu dokumentieren. Aber die Wissenschaftler glaubten, die Sami seien ein aussterbendes Volk. Deshalb richteten sie einen ansehnlichen Teil ihrer Forschung auf die Sami – und machten diese große sogenannte Lappen-Studie.“

Kraniometer

 

Die Ausstellung enthält Gemälde, Zeichnungen, Installationen, Texte und Fotos. Auf einem wird der Schädel der Künstlerin vermessen.

„Dieses Werk habe ich im Frühling 2005 gemacht. Wir waren im Forschungsarchiv hier in Umeå und fanden diese Dokumente. Wir wussten, dass die Messinstrumente dort verwahrt wurden. Und da habe ich das Messgerät ausprobiert, um zu erfahren, wie es ist, vermessen zu werden. Ich weiß ja, dass es an Sami benutzt wurde“, sagt Katarina Pirak Sikku. „Ich habe das Archivmaterial wirklich genau untersucht, es mitgenommen, mit anderen diskutiert und mich hineinversetzt. Was erweckt das in mir und warum? Aber ich hätte damals nicht geglaubt, dass ich mich so sehr mit Rassenbiologie beschäftigen würde.“

Eine persönliche Belastung

Bei der künstlerischen Verwendung der Bilder ist Katarina Pirak Sikku sehr vorsichtig zu Werke gegangen, erzählt sie. Sie habe mit den Menschen gesprochen, die in den Dreißigerjahren vermessen worden waren. Manche wollten nicht darüber reden, aber sie habe gespürt, wie sehr diese Dokumentation die Personen auch Jahrzehnte später noch belastete.

Die alten Schwarz-weiß-Fotografien mochte Pirak Sikku nicht als Arbeitsmaterial benutzen, obgleich sie glaubt, dass ihre Ausstellung durch die Originale ausdrucksvoller geworden wäre. Stattdessen benutzte sie sich selbst als Objekt, nahm die neun Positionen ein, in denen die untersuchten Sami im Namen der Wissenschaft nackt abgelichtet wurden, und drückte auf den Kameraauslöser. Über ihren eigenen Körper kann sie ja selbst bestimmen. Das Werk heißt „Bestulen Nakenhet“ (bestohlene Blöße)

„Diese Abbildungen sind Zeichnungen von den neun Positionen. Ich habe mich gefragt, warum die Menschen diese Positionen einnehmen. Ich habe versucht, die Originalfotos zu zeichnen. Aber das fiel mir ungeheuer schwer. Wollte die abgebildete Frau wirklich so nackt auf einem Foto auftauchen? Zum Schluss habe ich Fotos von mir selbst in den neun Positionen gemacht und die gezeichnet.“

Kerstin Berggren / Sybille Neveling

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