Rentierzucht ist der samischen Urbevölkerung vorbehalten
Minderheitenrechte

Schwedendemokraten: Rentierzucht nicht nur für Samen

Rentierzucht für jedermann?
2:46 min

Die Schwedendemokraten haben sich erneut für eine Lockerung der Gesetzgebung zur Rentierzucht stark gemacht. Dieser Wirtschaftszweig solle nicht mehr nur der samischen Urbevölkerung vorbehalten sein, sondern allen Interessierten offen stehen. Bei den Samen stößt der Vorschlag erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe.

Thema des diesjährigen Samen-Marktes im nordschwedischen Jokkmokk ist das Rentier, und passend dazu wagen sich die Schwedendemokraten an ein heißes Eisen: die Rentierzucht. Laut schwedischem Gesetz ist die Rentierzucht den Samen vorbehalten. Ein Recht, das mit den Regeln der freien Marktwirtschaft kollidieren mag, sich aber auf jahrhundertealte Traditionen stützt. Die Schwedendemokraten beeindruckt dies wenig. 

„Diese Begrenzung ist genauso unangemessen als würde man die Almwirtschaft nur ethnischen Schweden aus gewissen Familien erlauben“, beschwert sich der Parteisprecher für Minderheitenfragen, Mattias Karlsson, im Schwedischen Rundfunk. „Dass der Staat per Gesetz einen ganzen Wirtschaftszweig mit gewissen Privilegien für Mitglieder einer ethnischen Gruppe reserviert, steht im Widerspruch zu allen Rechtsprinzipien, die ansonsten in der Gesellschaft herrschen.“ 

Lizenzsystem für alle

Der Vorstoß der Schwedendemokraten ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren verlangten sie vom Parlament, das Gesetz zur Rentierzucht einer Revision zu unterziehen. Auch jetzt machen sie wieder geltend, dass das Gesetz längst nicht allen Samen zugute komme und somit diskriminierend sei. Der Partei schwebt eine Art Lizenzsystem für alle Rentierzüchter vor, unabhängig von Herkunft und Ethnie. Es gehe ums Prinzip, verdeutlicht Mattias Karlsson gegenüber Radio Schweden. 

Keine andere im schwedischen Parlament vertretene Partei unterstützt jedoch diesen Vorschlag. Ein derartiger Schritt würde der samischen Kultur und ihrem Kulturerbe erheblich schaden, so die einhellige Meinung. Auch bei den Betroffenen selbst reagiert man mit Unverständnis. Im Schwedischen Rundfunk betonte Rentierzüchterin Helena Omma: „Die Rentierzucht ist ein Grundpfeiler der samischen Kultur. Egal ob man nun mit Rentieren zu tun hat oder nicht, ist doch das gesamte samische Volk davon abhängig, dass es die Rentierzucht gibt. Andernfalls verschwindet unsere Kultur ganz.“ 

Blick nach Finnland 

Eine solche Entwicklung zeichnet sich Omma zufolge schon beim Nachbarn Finnland ab, wo die Rentierzucht zumindest in den nördlichsten Gegenden des Landes inzwischen jedermann offen steht. Dort werde die samische Kultur von der finnischen überlagert, kritisiert die Rentierzüchterin. Mattias Karlsson von den Schwedendemokraten dagegen hält Finnland für ein interessantes Modell, das Schweden sich genauer ansehen sollte. 

Dem steht allerdings im Wege, dass die Rentierzucht durch den Status der Samen als Urbevölkerung auch im Beitrittsabkommen mit der EU geschützt ist. Zudem erinnert die Union Schweden regelmäßig daran, die Rechte der Urbevölkerung und Minderheiten zu achten. Die Rechte der Samen einzuschränken, dürfte auch in Brüssel entsprechend wenig Zustimmung finden.

Liv Heidbüchel/Nils Eklund

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