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Göran Hägglund
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Roma-Siedlung in Högdalen am Rande Stockholms
Roma in Schweden

Schweden will Rumänien zur Kasse bitten

"Rumänien muss Verantwortung übernehmen"
3:17 min

Wer bezahlt die Rechnung, wenn mittellose EU-Migranten ohne Krankenversicherung in ihrem Gastland den Arzt aufsuchen müssen? Eine Frage, die sich mit dem wachsenden Zustrom von Roma aus Rumänien auch in Schweden immer dringlicher stellt. Nun setzt die Regierung in Stockholm ein Zeichen: Die Verantwortung für die prekäre Lage der Betroffenen weist sie unmissverständlich Rumänien zu. Sozialminister Göran Hägglund hat die Botschafterin des osteuropäischen Landes einbestellt.

„Hier gilt es, Klarheit zu schaffen: Rumänien muss für seine Bürger Verantwortung übernehmen“, so der Minister im Schwedischen Fernsehen. Es sei nicht akzeptabel, dass einzelne Menschen aufgrund unübersichtlicher Verhältnisse in die Klemme gerieten.

So wie Simona und Dragos. Gerade noch freute sich junge Paar, das in einer Wohnwagen am Stockholmer Stadtrand lebt, auf das gemeinsame erste Kind. Dann: eine Fehlgeburt. „Ich kam mit Simona zur Notaufnahme“, berichtet Dragos. Als seine Frau dort keine Krankenkarte vorweisen konnte, sei das Personal nervös und abweisend geworden. „Es geht nicht, sagten sie, wir brauchen einen Ausweis. Ich habe sie angefleht: Das ist ein Notfall, Simona blutet so stark. Sie fragten, wer die Rechnung über 11.000 Kronen bezahlt, und ich antwortete: Ich weiß es nicht.“

„Die EU-Abkommen funktionieren sehr gut“

Schließlich konnte Simona aber doch für eine Nacht bleiben – allerdings erst nach dem beherzten Eingreifen einer Sozialarbeiterin. Offen bleibt vorerst, wer dem Krankenhaus die umgerechnet 1300 Euro für die Behandlung erstatten wird. Insgesamt eine unhaltbare Situation für alle Beteiligten, betont  Göran Hägglund. Gleichzeitig weist der Minister Stimmen zurück, das Dilemma sei der EU und deren Freizügigkeitsprinzip geschuldet. „Wenn wir Schweden ins Ausland reisen, können wir uns dort gegen Vorlage unserer Krankenkarte behandeln lassen, und das gleiche sollte für Menschen aus Rumänien gelten. Die Abkommen, die die Mitgliedsstaaten zur Situation der  EU-Migranten geschlossen haben, funktionieren gut, und wenn sie das nicht tun, liegt das in der Regel an dem Land, aus dem der betreffende Bürger stammt.“


Versicherungssystem mit Lücken

Seit 1997 hat Rumänien ein Krankenversicherungssystem, das alle in Rumänien ansässigen Bürger umfasst – zumindest theoretisch. Vielen Roma fehlen nämlich Geburtsurkunden und Personaldokumente, die für die Aufnahme in die Krankenversicherung Voraussetzung sind. Unabhängig davon, inwieweit es letztlich dem einzelnen Roma obliegt, sich um die nötigen Dokumente zu bemühen, nimmt Sozialminister Hägglund nun also den rumänischen Staat in die Pflicht: „Offenkundig versieht Rumänien seine Bürger nicht mit der Krankenkarte, die wir in Schweden brauchen, um die uns entstandenen Kosten zurückzubekommen“, so der Minister. Beim Geld, so die unmissverständliche Botschaft an Rumänien, hört die europäische Freundschaft auf.

SVT/Anne Rentzsch

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