Carl Bildt
"Fuck the EU"

Brüssel empört - Bildt bleibt gelassen

2:33 min

Die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den USA im Hinblick auf die Ukraine wird keinen Schaden nehmen. Das hat Außenminister Carl Bildt betont, nachdem eine führende Mitarbeiterin des US-Außenministeriums mit einem verbalen Ausrutscher in Europa für Empörung gesorgt hatte.

Politisches Intrigantentum, das man nicht allzu ernst nehmen sollte. So bewertet Bildt die Tatsache, dass am Donnerstag auf der Online-Plattform Youtube ein Telefonmitschnitt pikanten Inhalts auftauchte. „Fuck the EU“ – Mit diesen Worten fasst darin die Europa-Beauftragte von US-Außenminister John Kerry, Victoria Nuland, gegenüber dem amerikanischen Botschafter in Kiew ihre Sicht auf Europas Rolle in der Ukraine-Krise zusammen. „Telefone werden abgehört, und man nutzt sehr sorgfältig ausgewählte Teile der Gespräche, um ein politisches Spiel zu betreiben“, betont Bildt im Schwedischen Rundfunk.

Spiel hinter den Kulissen

Dass die Welt nun erfahren hat, dass Frau Nuland die europäischen Partner zum Teufel wünscht, werde denn auch kaum Konsequenzen haben – außer einer: „Dass wir uns stärker des politischen Spiels bewusst werden, das da läuft“, so der schwedische Außenminister. „Es ist nicht sonderlich schwer, sich auszurechnen, wer die Mitschnitte gemacht, wer sie redigiert und wer sie schließlich veröffentlicht hat, um ein ganz bestimmtes politisches Ziel zu erreichen. Unter anderem geht es darum, Zwietracht zwischen den USA und Europa zu säen.“ Darüber, wer das Gespräch mitgeschnitten hat, mag Bildt nicht öffentlich spekulieren. „Na, jedenfalls ist es nach Moskau durchgesickert“, stellt er lakonisch fest.

Ferngesteuert?

In Europa hat der peinliche Youtube-Clip für Aufregung und Zorn gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Äußerung der amerikanischen Europa-Beauftragten als „absolut unakzeptabel“. Laut kritischen Stimmen in Brüssel illustriert das abgehörte Telefonat das Bemühen der USA, die Entwicklung in der Ukraine zu steuern und die Europäer zurückzudrängen. Auch hier wiegelt Bildt ab. Zum einen könne es in vertraulichen Gesprächen beispielsweise zwischen schwedischen Diplomaten ebenfalls ab und an hoch hergehen. Zum anderen, betonte Bildt im Schwedischen Fernsehen, hätten schließlich auch er und die EU Gespräche mit der ukrainischen Opposition geführt. Auch wenn einige es so darstellen wollten, bedeute dies aber noch lange nicht, dass die Opposition ein Werkzeug des Auslands sei.

SR/Anne Rentzsch

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