Medien- und Informationswoche

Kritisches Denken beim Surfen fördern

"Kinder brauchen online mehr kritisches Denken"
2:23 min

Mädchen mit Schmollmund, Jungs mit versteinerten Minen – wenn sich schwedische Kinder und Jugendliche in sozialen Medien präsentieren, sind Rollenklischees nach wie vor an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Staatlichen Medienrates. Gleichzeitig richtet der Medienrat eine Medien- und Informationswoche aus, während der vor allem Erwachsene lernen sollen, wie sie junge Menschen beim täglichen Umgang mit dem Internet unterstützen können.

Schwedische Kinder sind im Schnitt gerade einmal drei Jahre alt, wenn sie die Welt des Internets für sich entdecken. Dass dies den Einzelnen, aber auch die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt, hat auch der Medienrat erkannt. Er konzentriert sich bei seiner Medien- und Informationswoche vor allem auf Eltern, Lehrer, Pädagogen und Bibliothekare. Kinder und Jugendliche brauchen beim Surfen die Fähigkeit zum kritischen Denken und Hinterfragen, erklärt Martina Wagner vom Medienrat gegenüber Radio Schweden. 

„Es geht darum zu begreifen, welche Rolle die Medien in der Gesellschaft haben. Man braucht die Fähigkeit, Informationen zu finden, zu analysieren und einzuordnen. Man muss auch wissen, wie man sich selbst in verschiedenen Medien ausdrückt. Es geht also um den kritischen Umgang mit Bildern, Quellen und Inhalten.” 

„Duckface“ vs „Stoneface“ 

In sozialen Medien stellen sich schwedische Mädchen und Jungen grundsätzlich extrem unterschiedlich und in altbekannten Rollenklischees dar, wie der jüngste Bericht des Medienrates zum Thema zeigt. Unter dem Titel „Duckface/Stoneface“ („Enten-/Steingesicht“) greift der Bericht auf, dass Geschlechtercodes auch online eine große Rolle spielen oder gar noch verstärken. 

Demnach posieren die untersuchten zehn- und 13-jährigen Mädchen gern mit typischem Schmollmund („duckface“) und ändern häufig ihr Profilbild oder prahlen mit Handy-Sucht. Die Jungen aus der 4. beziehungsweise 7. Klasse dagegen zeigen sich vorzugsweise unberührt („stoneface“) und gleichzeitig tatkräftig. Gerade auch Kritikfähigkeit gegenüber der eigenen Darstellung, die für immer im Internet bleibt, will der Medienrat fördern.

Frage der Demokratie 

An diesem Dienstag findet in ganz Europa der Safer Internet Day 2014 (Tag für mehr Sicherheit im Internet) mit dem Thema „Zusammen für ein besseres Internet” statt. Dabei geht es darum, die Stärken des Netzes zu verbessern und gleichzeitig Risiken vorzubeugen. Für Martina Wagner vom Medienrat ist das letztlich eine Frage der Demokratie. 

„Nun haben wir diese Werkzeuge und ihr enormes Potenzial, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft. Man kann sich Gehör verschaffen, am Geschehen teilnehmen und somit ein aktiver Bürger sein. Aber wenn das funktionieren soll, müssen wir für eine bewusste Nutzung des Internets besser gerüstet sein.“

Liv Heidbüchel/Talib Yass

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