Tödlicher Krankenhauskeim
Einzigartiges EU-Projekt gegen Multiresistenz

Uppsala forscht an neuem Antibiotikum

1:42 min

Die Universität Uppsala wird federführend bei einem einzigartigen EU-Projekt zur Entwicklung eines neuen Antibiotikums. Wie der Schwedische Rundfunk berichtet, will die EU in den kommenden sechs Jahren umgerechnet 85 Millionen Euro in den Kampf gegen multiresistente Bakterien investieren.

Die Jagd nach einem neuen Molekyl für ein neues Antibiotikum hat begonnen. Arzneimittelchemiker Johan Gising steht in seinem Labor in Uppsala vor einer Mikrowelle, allerdings ohne Fenster. An der Seite hat das Gerät einen zehn Zentimeter hohen Metallbehälter. In diesem sollen Moleküle erwärmt und neu zusammengesetzt werden. 

„Die Maschine hält viel aus, weil ja der Druck sehr hoch werden kann“, erklärt Chemiker Gising im Schwedischen Rundfunk. „Manche Reaktionen entwickeln Gas, das Gerät ist also explosionsgeschützt.“ 

Hauptproblem: gramnegative Bakterien 

Die Versuche werden in absehbarer Zeit in der Entwicklung eines neuen Antibiotikums münden, hofft der Forscher. Die größte Herausforderung für die Wissenschaftler sind die so genannten gramnegativen Bakterien, darunter E.coli, Klebsiella, Pseudomonas und Acinetobacter, die alle Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika aufweisen. Vor allem in Krankenhäusern, in Schweden ebenso wie in der gesamten EU, wird dies zunehmend zum Problem. Die gramnegativen Bakterien sind im Gegensatz zu den grampositiven durch eine Zellwand und eine Zellmembran geschützt, was die Behandlung erschwert. 

Lediglich zwei Typen Antibiotika sind in den vergangenen 40 Jahren auf den Markt gekommen. Das EU-Projekt IMI, Innovative Medicines Initiative, in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie soll nun mit Hilfe der 85 Millionen Euro Abhilfe schaffen. 

Professor Anders Karlén erklärt im Schwedischen Rundfunk: „Hiermit werden wir in der Lage sein, eine Kompetenz im Bereich der Antibiotikaforschung aufzubauen, die durch viele Jahre der Vernachlässigung abhanden gekommen ist.“

Liv Heidbüchel/Annika Östman

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