Gestatten? Filou (Foto: Nordens Ark)
Bedrohte Arten

Hoffnung auf Leoparden-Nachwuchs

"Er ist ein unkomplizierter Typ"
4:26 min

Er heißt Filou, ist im besten Teenager-Alter und, wenn alles läuft wie geplant, vielleicht schon bald glücklicher Vater: Ein Leopard aus Deutschland ist die neue Attraktion im Tierpark Nordens ark („Arche des Nordens“) an der schwedischen Westküste. Oberstes Ziel des Parks ist die Rettung bedrohter Tierarten. Der im Zoo Hannover geborene  Persische Leopard soll an diesem Plan mitwirken.

Noch zeigt sich Filou den Besuchern nicht. Erst im Juni soll er ein nagelneues Gehege beziehen, bis dahin wohnt er in der Quarantäne-Abteilung des Tierparks. Die Reise von Hannover nach Schweden hat der Persische Leopard, von dessen Art es weltweit schätzungsweise nur noch weniger als 1500 Exemplare gibt, gut weggesteckt, berichtet Zoologin Ewa Wikberg im Gespräch mit Radio Schweden. „Er scheint ein recht unkomplizierter Typ zu sein und er macht den Eindruck, in sich zu ruhen – soweit man das von einem anderthalbjährigen Leoparden erwarten kann. Er ist ja sozusagen ein Teenager, der gerade von zu Hause ausgezogen ist. Jedenfalls kommt er, wenn man ihn ruft, er isst seit seiner Ankunft mit großem Appetit, er erforscht mit Bedacht sein neues Revier. Dass er ein bisschen skeptisch ist und sich zum Beispiel am liebsten in der Dämmerung bewegt, ist völlig in Ordnung. Er benimmt sich genauso, wie es für einen Leoparden seine Richtigkeit hat.“

Liebe geht durch den Magen

Zu Filous undramatischer Eingewöhnung dürfte die Sorgfalt beigetragen haben, mit der Ewa Wikberg und ihre Kollegen den Umzug vorbereiteten. Vor Ort in Hannover registrierten sie die Beschaffenheit seines Geheges, erkundigten sich nach seinen Interessen und Vorlieben, zum Beispiel im Gourmet-Bereich: Punkte machen kann man bei Filou beispielsweise, indem man ihm eine gediegene Kaninchen-Mahlzeit serviert. Freilich können die Mitarbeiter von Nordens ark nicht mit lebender Beute dienen. Tiere in Gefangenschaft zu halten, sei eben auch in dieser Hinsicht und grundsätzlich nur die zweitbeste Möglichkeit, so Ewa Wikberg. Zum einen versuche man, den natürlichen Bedürfnissen so weit wie möglich entgegenzukommen – bei Filou beispielsweise mit gezieltem Bewegungstraining und der Simulation von Jagd-Erlebnissen. „Zum anderen geht es uns ja darum, dazu beizutragen, dass bedrohte Tiere wieder in der Natur Fuß fassen, und diesem Fall: den persischen Leoparden zu retten.“ So ist Filou, dessen wilde Artgenossen vor allem in Vorderasien leben, denn auch ein potenziell wichtiger Akteur im Rahmen des gemeinsamen Programms zur Rettung bedrohter Tiere, EEP. Betrieben wird es von einer reihe europäischer Länder und Russland mit dem Ziel, in Gefangenschaft gezeugte Nachkommen letztlich wieder in freier Wildbahn aussetzen zu können.

Gezielte Kuppelei

Die angeschlossenen Parks tauschen sich über die genetischen Daten aus, die für jedes Tier akribisch in einer Art Steckbrief festgehalten sind, und agieren auf dieser Grundlage als Partnervermittlung. Für Filous Nachkommen hat man als neue Heimat Russland in Sicht, und in aller Stille und hinter seinem Rücken haben ihm die Zoologen auch schon ein weibliches Pendant zugedacht: eine junge Leopardendame aus dem Zoo in Chemnitz, mit Filou weder verwandt noch verschwägert und also bestens geeignet, mit ihm gemeinsam kräftige und nicht von Inzucht angekränkelte Kinder zu produzieren. Ein genetischer Volltreffer also. Allerdings: „Auch wenn es auf dem Papier perfekt passt, ist es nicht so einfach, dass man sagen kann: Wir nehmen jetzt ein Leopardenmädchen und einen Leopardenjungen, stecken sie in einen Käfig und dann werden sie einander schon mögen“, sagt Ewa Wikberg. „Es kann auch sein, dass sie sich überhaupt nicht leiden können.“

In diesem Fall werde man zunächst versuchen, mit mehr oder weniger dezenter Kuppelei bei den Jugendlichen die gegenseitigen Sympathien vielleicht doch in Gang zu bringen. Wenn das nichts nützt, müssen die Zoologen in Filous Auftrag aber wohl oder übel erneut auf Brautschau gehen. Doch Ewa Wikberg ist guter Hoffnung. Voraussichtlich noch vor dem Sommer trifft Filous Braut aus Chemnitz ein.

Anne Rentzsch

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