Papa kommt gleich!
Umfrage unter Arbeitnehmern

Eltern verbinden Arbeit mit der Krankenversorgung

3:37 min

Die Zahl der Eltern, die sich für die Arbeit auf Abruf halten, obwohl sie zu Hause ihr krankes Kind betreuen, ist gestiegen. Das geht aus einer Umfrage der Angestelltengewerkschaft Unionen hervor. Demnach stehen die Arbeitnehmer zunehmend unter Druck.

Zu Hause arbeiten oder zumindest in Dauerbereitschaft zu sein, egal, ob das Kind fiebert oder spuckt - das wird in Schweden immer mehr zum Normalfall. Wie die Umfrage zeigt, sind vier von fünf Arbeitnehmer für ihren Arbeitgeber in Bereitschaft, obwohl sie Geld von der staatlichen Krankenkasse bekommen. Dies betrifft vor allem Chefs und Top-Verdiener.

Eine von ihnen ist Sara Huss Kleimer: „Ich habe das auch schon gemacht und ich muss sagen, dass die Lösung für niemanden wirklich optimal ist", erzählt sie im Schwedischen Fernsehen. „Am liebsten möchte man das Handy einfach ausmachen und nicht erreichbar sein, aber das geht leider nicht immer."

Technische Entwicklung fördert Arbeit von zu Hause

Wie die Gewerkschaft Unionen herausfand, arbeitet eine Mehrzahl der Eltern von kranken Kindern von zu Hause aus weiter, weil die Arbeitslast ihnen sonst über den Kopf wachsen würde. Zwei von drei geben an, dass sie ihre Arbeitsaufgaben nicht delegieren können, Tendenz steigend, erklärt der stellvertretende Vorsitzende, Peter Hellberg: „Zum einen macht es die technische Entwicklung heute möglich, von zu Hause aus zu arbeiten, zum anderen ist es in verschlankten Organisationen inzwischen so, dass ein Arbeitnehmer nicht so ohne weiteres zu ersetzen ist. Dann beobachte ich noch den Trend, dass man sich stärker für seine Arbeitsaufgaben verantwortlich fühlt."

Was vielen Arbeitnehmern nicht klar zu seinen scheint: Wenn sie Krankengeld von der staatlichen Krankenkasse beziehen und sich gleichzeitig zu Hause bereit halten, bewegen sie sich im Grenzbereich zum Strafbaren. Die Regeln der Krankenkasse sind unmissverständlich, betont der zuständige Sprecher Niklas Löfgren gegenüber Radio Schweden.

„Wenn man von zu Hause aus arbeitet und gleichzeitig ein krankes Kind betreut, muss man das als Lohn abrechnen. Dies gilt es jeweils mit dem Arbeitgeber abzusprechen, damit haben wir als Krankenkasse dann nichts zu tun."

Bereithalten als solches und auch mal ans Telefon gehen ist Niklas Löfgren zufolge kein Problem, aber sobald es um umfänglichere Aufträge geht, gilt dies als Arbeit und fällt nicht unter Anspruch auf Krankengeld für die Betreuung eines Kindes. Bei der Krankenkasse kann man genau angeben, wie viele Stunden am Tag man der Arbeit und wie viele der Kindsversorgung gewidmet hat. Dennoch wählen 92 Prozent der Antragsteller ganze Tage, die die Krankenkasse bezahlen soll, so Löfgren.

Kaum Betrug

Um Sozialhilfebetrug vorzubeugen, führt die Krankenkasse regelmäßig Kontrollen durch. Im vergangenen Jahr gingen drei Millionen Anträge auf finanzielle Kompensation für Eltern kranker Kinder ein, immerhin 160.000 davon schauten sich die Kassenmitarbeiter genauer an, etwa durch Nachfragen beim Arbeitgeber oder beim Kindergarten.

Laut Niklas Löfgren kommt es lediglich bei ungefähr einem halben Prozent der kontrollierten Anträge, also rund 800, zu einer Anzeige und eventuell einem Gerichtsverfahren.

Dass Eltern jedoch in großem Stil doppelt kassieren würden, ist nicht belegt, begrüßt Löfgren die Ergebnisse der jüngsten Umfrage. „Für die Legitimität der Versicherung ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass man nicht Geld für die Betreuung eines Kindes und gleichzeitig Gehalt bezieht. Diese Kombination ist nicht in Ordnung. Der Sinn der Versicherung würde dann komplett ausgehöhlt, das wäre keine gute Entwicklung."

Liv Heidbüchel

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