Stressiger Arbeitsplatz
Misere in Schwedens Krankenhäusern

Studie: Wenig Personal erhöht Patientenrisiko

3:17 min

Die Überbelastung von Krankenschwestern bringt Patienten in Lebensgefahr. Diesen Schluss lässt eine umfassende europäische Studie in neun Ländern zu. Demnach steigt das Risiko für Patienten, an den Folgen einer OP zu sterben, mit der Arbeitsbelastung der Schwestern und Pfleger - eine hochaktuelle Studie für schwedische Krankenhäuser, in denen vielerorts der Personalabbau um sich greift.

Es ist die größte Untersuchung ihrer Art, die nun in der angesehenen Medizin-Zeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde. Die Forscher haben die Arbeit von mehr als 26.000 Krankenschwestern und Operationen bei mehr als 400.000 Patienten untersucht. Das Ergebnis: Patienten, die von weniger und schlechter ausgebildetem Personal betreut werden, laufen ein erhöhtes Risiko, an den Folgen ihrer Operation zu sterben. Dies gilt selbst für Routine-OPs am Knie oder Hüftgelenk.

Die schwedische Krankenschwester Lisa Smeds Alenius war an der Arbeit zur Studie beteiligt und erkennt viele Probleme aus der Praxis wieder. Im Schwedischen Rundfunk sagte sie: „Mit jedem weiteren Patient, um den sich eine Krankenschwester kümmern muss, steigt das Sterberisiko um sieben Prozent. Wenn die Arbeitsbelastung zu stark steigt, muss man Prioritäten setzen. Da kann es sein, dass man nicht noch einmal extra nach einem Patienten schaut oder nachfragt, wie es ihm nach dem chirurgischen Eingriff geht."

Wieder Stellenstreichungen

Gerade die Zeit für einfaches Nachfragen und Vergewissern macht sich bezahlt, weiß Krankenschwester Smeds Alenius. Mit mehr Personal lassen sich zum Beispiel Blutungen und Blutvergiftungen früher erkennen und entsprechend behandeln.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ergebnisse im Lancet kommt eine Hiobsbotschaft aus dem Süden: In den drei Krankenhäusern im Nordwesten der Provinz Skåne sollen 100 Stellen gestrichen werden. Die Kliniken wollen die Einschnitte durch bessere Zusammenarbeit kompensieren. Zudem sollen ältere Patienten nach Abschluss der Behandlung schneller nach Hause geschickt werden.

Mehr Personal gefordert

In Schweden ist eine Krankenschwester tagsüber im Schnitt für 3,3 Patienten zuständig, nachts dagegen für 24,5. Von Gewerkschaftsseite fordert man seit Langem eine dichtere Personaldecke in den Krankenhäusern. Åsa Bertilsson ist die Hauptverantwortliche für Fragen des Arbeitsumfelds am Södra-Älvsborgs-Krankenhaus in Borås. Die Situation in der Klinik sei angespannt, als Patient brauche man dennoch keine Angst zu haben, betont Bertilsson im Schwedischen Rundfunk.

„Man gibt sein Äußerstes, damit den Patienten nichts passiert. Man verzichtet auf die Pause, geht nicht auf die Toilette und in vielen Fällen auch nicht nach Hause. Man setzt eher seine eigene Gesundheit aufs Spiel als die Patienten zu gefährden. Gleichzeitig ist die medizinische Versorgung viel komplizierter geworden. Das erfordert mehr Personal."

Attraktiver Nachbar

Das Personal wandert aber vielfach zum Nachbarn Norwegen ab, weil dort die Arbeitsbedingungen erheblich besser sind. Der Tageszeitung Dagens Nyheter zufolge ist das Einstiegsgehalt mit umgerechnet fast 4.500 Euro doppelt so hoch wie in Schweden. Reisen aus und nach Schweden werden vielfach vom Arbeitgeber übernommen, genauso wie die Übernachtungskosten.

Auch beim Thema Arbeitsbelastung schneidet Norwegen mit Abstand am besten ab: In Schweden muss sich eine Krankenschwester im Schnitt um mindestens zwei Patienten mehr kümmern als die Kollegen in Norwegen.

Liv Heidbüchel

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