Kampf um die beste Vorsorge

„Impfstoff muss schneller kommen"

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Wenn es ums Impfen geht, kann es den Schweden gar nicht schnell und umfassend genug gehen. Mehrere Provinziallandtage nehmen nun die Freigabe von Seren selbst in die Hand und bieten Impfungen an, die über das nationale Impfprogramm hinausgehen. Hintergrund ist dem Schwedischen Rundfunk zufolge, dass die Aufsichtsbehörde für Soziales und Gesundheit den Landtagen zu langsam arbeitet.

Bei dem jüngsten Vorstoß der Provinziallandtage, darunter Stockholm und Jönköping, geht es um das Impfen gegen Rotaviren. Die Viruserkrankung führt zu Erbrechen, hohem Fieber und Durchfall, was wegen der Austrocknungsgefahr für Babys tödlich sein kann. Eine Million Kinder sterben jedes Jahr weltweit an einer Erkrankung mit Rotaviren. In Schweden müssen 1.500 Kinder jährlich im Krankenhaus behandelt werden.

In Stockholm müssen Eltern für die Impfung gegen Rotaviren nicht extra bezahlen, erklärt Birgitta Rydberg, Abgeordnete der Liberalen im Provinziallandtag, im Schwedischen Rundfunk.

„Unser Mediziner für Seuchenschutzfragen ist zu dem Schluss gekommen, dass es für die Familien positiv wäre, wenn die kleinsten Kinder um eine Infektion mit dem Rotavirus herumkommen könnten. Die Impfung gewährleistet einen 90-prozentigen Schutz gegen diese Art von Magen-Darm-Krankheit."

Umfassendes Impfprogramm

In Schweden umfasst das nationale Impfprogramm bereits neun Krankheiten, darunter die klassischen Kinderkrankheiten wie etwa Polio, Mumps und Röteln. Mädchen können sich zudem zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr gegen Papillomviren impfen lassen. Das Impfprogramm ist zwar freiwillig, dennoch sind rund 90% der Kinder in Schweden geimpft.

Hierzulande ist die Aufsichtsbehörde für Soziales und Gesundheit (Socialstyrelsen) für die Genehmigung von neuen Impfstoffen zuständig. Bis ein neuer Impfstoff für Kinder im Impfprogramm aufgenommen wird, vergehen mindestens zwei Jahre. Zu lange, beklagt sich die Liberalenpolitikerin für Gesundheitsfragen in Stockholm, Birgitta Rydberg.

„Es ist bedauerlich, dass die Aufsichtsbehörde so viel Zeit für ihre Gutachten braucht. Wir sehen ja, dass eine Impfung für die Kinder und ihre Familien in unserer Region von großem Vorteil ist. Auch für unsere Kliniken ist es vorteilhaft, wenn wir die Kinder vor einer Erkrankung schützen können."

Gutachten brauchen Zeit

Agneta Holmström von der Aufsichtsbehörde für Soziales und Gesundheit hat Verständnis für den Frust. „Ich verstehe, dass man voran gehen will, denn natürlich dauert es, bis wir einen Beschluss über einen neuen Impfstoff gefasst haben. Gleichzeitig ist diese Zeitspanne notwendig, weil wir alle Fakten beisammen haben müssen und uns auch des Rückhalts bei den Provinziallandtagen und der Bevölkerung gewiss sein wollen."

In der Region Västra Götaland will man allen denselben kostenfreien Impfschutz anbieten können und wartet daher geduldig auf die Empfehlung der Aufsichtsbehörde - noch.

„Wir haben auch Anträge auf Impfung zum Beispiel gegen humane Rotaviren behandelt, diese aber bislang immer abgewiesen", erklärt die oberste Verwaltungsbeamtin für Gesundheitsfragen in Västra Götaland, Ann Söderström. „Alles hängt aber von der Geduld der Bevölkerung und der Politiker ab, wie lange sie auf die nationalen Empfehlungen warten können."

Massenimpfung mit Folgen

Vergessen scheinen in der allgemeinen Impf-Begeisterung die teilweise doch verheerenden Nebenwirkungen des Schweinegrippe-Impfstoffes Pandemrix. Als 2009 die Angst vor einer Pandemie umging, kämpfte Schweden an vorderster Front: Mit sechs Millionen Geimpften, das sind zwei Drittel der Bevölkerung, führt Schweden die Statistik der Impfwilligen in Europa an.

Kehrseite der Medaille: Von den später diagnostizierten Fällen von Schlafkrankheit (Narkolepsie) weist Schweden die weitaus meisten auf. In der Folge hatte das Impf-Interesse für den Schutz gegen die saisonale Grippe selbst bei den Risikogruppen stark abgenommen.

Liv Heidbüchel

Nationales Impfprogramm

Umfasst sind die Krankheiten: Diphterie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Polio, Masern, Mumps und Röteln. Weiter gibt es Impfungen gegen Infektionen hervorgerufen durch Haemophilus influenzae vom Typ b (Hib) und Pneumokokken.

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