Ericsson-Schmiergelder für Griechenland-Deal

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Der schwedische Technologiekonzern Ericsson steht im Verdacht der Bestechung großen Stils.

Er soll über einen Mittelsmann 13 Millionen Euro an Griechenland gezahlt haben. Damit sollte der Verkauf des  Radarsystems Erieye besiegelt werden.

Griechenland war zur Zeit der Schmiergeldaffäre im Jahr 2000 das erste Nato-Land, das an dem Radarsystem Erieye Interesse angemeldet hatte. Umgerechnet 450 Millionen Euro war der Deal wert, berichtet der Schwedische Rundfunk. Der Zweck heiligte dabei offenbar die Mittel. Ein früherer Angestellter hat nun ausgepackt. 

Die Schmiergelder in Höhe von rund 13 Millionen Euro liefen über Monaco, berichtet Ex-Mitarbeiter Liss Olof Nenzell: „Das waren Schmiergelder, die über einen Strohmann in Monaco an gewisse Personen verteilt werden sollten, die natürlich unerkannt bleiben wollten. Das waren Personen des griechischen Etablissements: Politiker, Generäle, Staatsbeamte.“ 

„Null Toleranz“ bei Ericsson 

Die griechische Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben des Rundfunks derzeit in einem umfassenden Fall von Korruption, bei dem die Wege auch nach Schweden führen. Bei der Schmiergeldsumme von verschiedenen Waffenherstellern in mehrstelliger Millionenhöhe sollen auch Gelder von Ericssons Mittelsmann stammen. Der damals zuständige Finanzchef Yngve Broberg war zwar nachweislich in Kontakt mit dem Strohmann des schwedischen Unternehmens, behauptet aber, nicht zu wissen, wohin die Geld geflossen seien. 

Nina Macpherson, Juristin bei Ericsson, betont im Schwedischen Rundfunk, dass im Unternehmen beim Thema Bestechung das Prinzip Null Toleranz gelte. 

„Sollten wirklich Schmiergelder geflossen sein, so haben wir davon nichts gewusst“, beteuert sie. Aus der Presseabteilung hieß es, man nehme alle Hinweise auf Korruption ernst, unabhängig davon, wann die Bestechung stattgefunden habe. 

Klare Regeln? 

Es habe schon im Jahr 2000 deutliche Korruptionsregeln gegeben, so der Pressechef gegenüber der Nachrichtenagentur TT. Ob sich der Mittelsmann allerdings daran gehalten habe, sei so viele Jahre später nur schwer nachzuvollziehen. Schon länger war dem Unternehmen die Unkontrollierbarkeit dieser Handelsagenten offenbar ein Dorn im Auge: Seit 2001 werden keine Vermittler mehr beschäftigt - eben wegen mangelnder Transparenz. 

Beim Anti-Bestechungs-Institut, einer privaten Organisation der schwedischen Wirtschaftsunternehmen, will man den Fall Ericsson und Griechenland nicht im Detail kommentieren. Gegenüber TT räumte die Generalsekretärin Helena Sundén aber ein, dass Korruption in vielen Ländern zum Alltag gehöre – und dies unweigerlich Einfluss auf die dort aktiven schwedischen Unternehmen habe. Gleichzeitig sei das Thema Korruption jetzt stärker ins allgemeine Bewusstsein gerückt. Noch vor wenigen Jahren habe der Grundsatz „andere Länder, andere Sitten“ gegolten.

Liv Heidbüchel