Wurde "Bestes Bild": John Arthur Ekebert, "Järngänget" (Stockholms Läns Museum, Samtidsbild)
Fotoausstellung

Stockholm ohne Selfie

3:41 min

Was macht das Stockholm von hier und heute aus? Welches Bild vom Leben in der schwedischen Hauptstadt zu Beginn des 3. Jahrtausends wollen die Einwohner an kommende Generationen weitergeben? Antworten darauf finden sich in Stockholms Läns Museum, dem Museum für die Region Stockholm. Es präsentiert eine aktuelle Foto-Ausstellung, erstellt von den Stockholmern selbst.

Seit ein paar Tagen ist die Ausstellung „Samtidsbild“ (Gegenwarts-Bild) zu sehen, mit Fotos von Menschen, deren Alltag in Stockholm und Umgebung spielt. 2011 hatte man die Einwohner gebeten, die Digitalkamera zu zücken und Fotos einzuschicken, die das Museum für die Nachwelt bewahren sollte. „Schon damals dachten wir über eine Ausstellung der Bilder nach“, so Ausstellungsgestalterin Annelie Kurttila, „und im vergangenen Herbst riefen wir dann offiziell einen Wettbewerb mit drei Schwerpunktthemen aus: Kommunikation, Alltagsleben und gesellschaftliche Trends.“ 

Insgesamt 1300 Digitalfotos gingen daraufhin bei dem Museum ein, aufgenommen von 123 Fotografen zwischen 14 und 80 Jahren. Alle 1300 Bilder sind in der Ausstellung zu sehen, in der Annelie Kurttila neben ganz speziellen, persönlichen Betrachtungen eine Reihe übergreifender Trends ausmacht:

Pendler und Kräne

„Viele haben Bilder von Baukränen geschickt. Das liegt daran, dass hier in der Region im Moment enorm viel gebaut wird, vor allem wegen der großen Nachfrage nach Wohnungen. Eine Menge Bilder haben wir auch vom öffentlichen Nahverkehr bekommen. Schließlich pendeln viele Menschen jeden Tag über weite Strecken, und  das beeinflusst natürlich den Alltag“, sagt die Ausstellungsgestalterin im Gespräch mit Radio Schweden. „Daneben gibt´s aber natürlich auch eine Menge Fotos aus der Natur; Boote in den Schären, Wälder, Bäume, Tiere. Und viele Fotos zeigen Bettler und Obdachlose.“ Schließlich sind die Letztgenannten seit einigen Jahren aus dem Bild Stockholms nicht mehr wegzudenken. Eine Gruppe von Bettlern, die eher fröhliches Selbstbewusstsein denn die dem Betrachter wohl geläufigere Demut ausstrahlen, ist auch auf dem Foto (siehe oben) zu sehen, das am vergangenen Wochenende von einer Jury zum "Besten Bild" gekürt wurde.

Nicht allzu privat

„Selfies“, also Fotos, die man von sich selbst mithilfe des Smartphones macht, glänzen in der Sammlung mit Abwesenheit. Es seien schlicht keine eingeschickt worden, sagt Annelie Kurttila. „Das ist schon seltsam, wenn man bedenkt, wie viele Menschen ständig Selfies zum Beispiel auf Facebook und Instagram veröffentlichen. Stattdessen haben wir aber viele Bilder bekommen, bei denen Menschen ihre Füße zeigen statt ihrer Gesichter. Wir glauben, das hängt damit zusammen, dass die Leute sich bewusst sind: Dies hier wird für die Nachwelt festgehalten. Da ist ein Gesicht vielleicht doch zu persönlich. Man möchte schon etwas von sich hinterlassen, aber eben nicht seine privateste Seite zeigen.“ Und das Museum macht ernst: „Ja, wir wollen die Bilder für die Ewigkeit bewahren. Wir werden sie auf einem Server speichern, damit kommende Generationen sie dereinst ansehen können.“

Vorerst sind die Schnappschüsse aus dem Stockholmer Alltag vor Ort im Museum im Stadtteil Nacka sowie auf der Homepage in Augenschein zu nehmen. Die Ausstellung läuft noch bis Anfang Oktober - der Eintritt ist frei.

Anne Rentzsch

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