Erste Hilfe muss innerhalb von Minuten kommen (Foto: Lise Åserud/TT)

SMS hilft bei Herzstillstand

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Wer einen plötzlichen Herzstillstand überleben will, braucht schnell Hilfe. In Stockholm stellen sich seit vier Jahren ehrenamtlich private Herz-Lungen-Retter zur Verfügung, bei einer Notruf-SMS unverzüglich zu Hilfe zu eilen.

Rund 10.000 Menschen haben sich dem Projekt inzwischen angeschlossen – mit Erfolg, wie eine erste Auswertung zeigt.

10.000 Menschen pro Jahr versagt in Schweden plötzlich das Herz. Nur 500 von ihnen überleben. Es könnten weit mehr sein, meint der hiesige Herz-Lungen-Fonds, eine ideelle Organisation, die sich unter anderem für mehr Herzstarter am Arbeitsplatz stark macht. In Stockholm sieht die Statistik inzwischen leicht besser aus: Statt einer Überlebenschance von 5 Prozent lag die Rate in der Hauptstadt im vergangenen Jahr bei immerhin 11 Prozent. 

Das Herz-Netzwerk wächst 

Wer im Großraum Stockholm erfolgreich einen Kurs in Herz-Lungen-Wiederbelebung belegt hat, kann sich wie Amanda Degerman dem Freiwilligen-Netzwerk zur Soforthilfe bei plötzlichem Herzstillstand anschließen. 

„Man bekommt erst einen automatischen Anruf“, erzählt sie im Schwedischen Rundfunk, „dann weiß man schon mal, dass in der Nähe jemand mit Herzstillstand liegt. Dann kommt eine SMS mit der Ortsangabe.“ 

Erst einmal musste Amanda Degerman bei der Arbeit alles stehen und liegen lassen und zu einer älteren Frau eilen, die 300 Meter entfernt zusammengebrochen war. Obwohl gleich mehrere Helfer schnell vor Ort waren, starb die Frau. Amanda Degerman steigt trotzdem nicht aus dem Netzwerk aus. 

„Natürlich bleibe ich dabei. Ich finde das total wichtig. Es wäre doch gut, wenn alle, die Herz-Lungen-Wiederbelebung können, sich dem Netzwerk anschließen würden.“ 

Schnelle Hilfe für 150 Menschen mehr im Jahr 

Laut Mattias Ringh, Forscher am Karolinska Institut, haben dank des Freiwilligen-Netzwerkes jährlich 150 Menschen nach einem plötzlichen Herzversagen Soforthilfe bekommen, die sonst weit länger auf Rettung hätten warten müssen. Ein klarer Erfolg, meint der Forscher: „Durch das System mit der mobilen Ortserkennung und SMS-Benachrichtigung steigt die Zahl derjenigen, denen schnell geholfen werden kann, um 30 Prozent.“ 

Durch den Erfolg hofft Mattias Ringh, dass das Projekt der freiwilligen Soforthilfe bei plötzlichem Herzversagen auch landesweit Anhänger findet. Mehrere der für Gesundheitsfragen zuständigen Provinziallandtage haben sich bereits beim Karolinska Institut nach Unterstützung erkundigt. 

Nähe zum Herzstarter wichtig 

Das SMS-System ist Ringh zufolge aber noch ausbaufähig. So solle die Alarm-SMS künftig auch Infos darüber enthalten, wo sich der nächstgelegene Herzstarter befindet. Denn herkömmliche Herz-Lungen-Wiederbelebung hilft in den meisten Fällen nur, Gehirnschäden zu verhindern, bis ärztliche Hilfe vor Ort ist oder eben das Herz durch einen Elektroschock des Herzstarters wieder in Gang gebracht ist. 

„Mit Hilfe dieser Defibrillatoren können wir ernsthaft die Überlebenschancen nach einem plötzlichen Herzversagen beeinflussen“, so Forscher Ringh im Schwedischen Rundfunk.

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