Psychologin verweigerte „hen“

2:39 min

Das noch sehr junge schwedische Pronomen „hen“ hat einer Psychologin eine Anzeige wegen Diskriminierung eingebracht.

Wie der Schwedische Rundfunk berichtet, hatte die Psychologin ihren transsexuellen Klienten in den Akten gegen dessen Wunsch als „sie“ bezeichnet.

2012 war ein Krisenjahr für Robin, der seinen richtigen Namen lieber nicht nennen möchte. Unter Suizidgedanken leidend habe sich Robin schließlich bei einer Psychologin Hilfe holen wollen, doch schon bald gab es Streit. Robin hatte darum gebeten, als „er“ (Schwedisch „han“) bezeichnet zu werden oder eben neutral als „hen“. 

„Aber sie hat sich einfach geweigert“, erzählt Robin enttäuscht. „Sie konnte nicht verstehen, wie ich etwas anderes als eine Frau sein konnte. Unser langes Gespräch handelte dann stattdessen davon. Mir ging es sehr schlecht, und ich habe mich von ihrem Verhalten gekränkt gefühlt. Sehr gekränkt.“

„Hen“ ist hip 

Das Pronomen „hen“, eine Mischform aus den Wörtern „han“ (er) und „hon“ (sie), hält derzeit einen regelrechten Siegeszug in der schwedischen Sprache. Nicht zuletzt von deutschen Medien als Eintagsfliege verlacht, erweist es sich im Schwedischen, das kein Maskulinum und Femininum kennt, als überaus praktisch. Wer zum Beispiel nicht sagen möchte, ob es sich beim Betreffenden um eine Frau oder einen Mann handelt, kann auf das neue Pronomen zurückgreifen. Im Falle von Verbrechensopfern etwa kann dies sogar notwendig sein.

Die vom Schwedischen Rundfunk interviewte Transgenderperson Robin nun wollte keineswegs als eine „sie“ bezeichnet werden und steuerte einen Wechsel zu einem Psychologen an, der sich in Bezug auf Transsexuelle auskennt. Doch Fehlanzeige: Die Praxis in der Region Västra Göraland hat überhaupt keine Mitarbeiter mit entsprechender Kompetenz. 

Siegel für würdige Behandlung Transsexueller? 

Erik Mägi vertritt Robin in dieser Angelegenheit: „Das wäre so, als würde ein Psychologe sagen: ‚Sie behaupten zwar Schwede zu sein, aber weil sie so dunkelhäutig sind, werde ich Sie als Ausländer betrachten. Und weil wir leider auf dem Gebiet nicht kompetent sind, können wir Sie auch nicht behandeln.‘" 

Robin hat nun die Region Västra Götaland werden Diskriminierung verklagt. Der Chef der Psychatrie hat sich bereits schriftlich entschuldigt, doch Robin schwebt mehr vor: „Ich fände es gut, wenn sich die Region um eine hbtq-Zertifizierung bemühen würde.“ Ein Siegel also, dass sich auch Homo-, bi-, trans- und queer- Personen angemessen behandeln lassen können. „Es gibt sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten für das Personal. Damit ließen sich Situationen wie die jetzt vermeiden.“

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista