Viele Nichtwähler unter Migranten

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Immer weniger Migranten nehmen an der Wahl zu den Gemeindeparlamenten teil. Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich die Anzahl der Wähler dieser Gruppe nahezu halbiert.

Die Gemeinden suchen kurz vor den Wahlen am 14. September nach Lösungen, wie der Wählerschwund zu stoppen ist. Eskilstuna in Mittelschweden macht vor, wie es geht.

Nasra Hassan Ali kam vor sieben Jahren von Somalia nach Schweden. Die Kleinstadt Eskilstuna mit ihren 65.000 Einwohnern ist seitdem ihre neue Heimat. Bei der Wahl vor vier Jahren durfte Nasra Hassan Ali das erste Mal in Schweden wählen gehen, doch ohne die Überzeugungskraft ihrer Landsleute wäre sie am Wahltag wohl zu Hause geblieben. So stimmte sie damals für einen somalischen Kandidaten. Wo sie diesmal ihr Kreuzchen machen will, weiß die junge Somalierin noch nicht, erklärt sie Radio Schweden. 

„Ich werde dieses Mal nur wählen, wenn ich wirklich verstanden habe, worum es bei der Wahl geht. Ansonsten lasse ich meine Stimme lieber verfallen.“ 

Politiker in der Pflicht 

Eine gewisse Unlust wählen zu gehen, aber auch Unkenntnis und Uninformiertheit sind dafür verantwortlich, dass viele Migranten auf ihr Wahlrecht verzichten. Um auch ohne schwedische Staatsbürgerschaft an den Wahlen zu den Provinzialregierungen und Gemeinderäten teilzunehmen, muss man drei Jahre in Schweden gemeldet gewesen sein. Doch nur ein Drittel der Wahlberechtigten nutzt ihr Recht auch. 

Mitte der 1970er Jahre waren es noch doppelt so viele Einwanderer wie heute, die sich aktiv an den Wahlen beteiligten. Magnus Dahlstedt, Soziologie-Professor mit Schwerpunkt Ethnizität an der Universität Linköping, sieht die Politiker in der Pflicht. 

„Offensichtlich war man bisher nicht in der Lage, die Wähler entsprechend zu motivieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.“ 

Junge Leute informieren in anderen Sprachen 

Allein in der Kommune Stockholm geht es um 64.000 Stimmen, zwei Drittel davon entgehen den Parteien derzeit. 

Eskilstuna steht vor einem ähnlichen Problem und hat deshalb ein besonderes Wahl-Team zusammengestellt, erklärt Helena Andersson Tsiamanis von der Gemeinde. 

„Wir haben acht junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren angestellt, die in insgesamt 14 Sprachen über die Wahlen informieren können. Die schicken wir in die Bezirke mit der geringsten Wahlbeteiligung, wo sie sich vor allem mit den Jungwählern unterhalten sollen.“ 

Gezieltes Informieren zeigt Erfolge

Diese Methode, Einwanderer gezielt anzusprechen und zu informieren, hat sich bereits bei der Wahl vor vier Jahren als erfolgreich erwiesen. In manchen Bezirken stieg die Wahlbeteiligung um fast zehn Prozentpunkte. Auch bei der anstehenden Wahl will Simon Ali Dirie, selbst gebürtiger Somalier, wieder so viele Landsleute an die Urnen bringen wie nur möglich. 

„Ich informiere darüber, welchen Einfluss man nehmen kann. Manche fragen, an welcher Wahl sie überhaupt teilnehmen dürfen, dann erkläre ich, dass man für die Reichstagswahl schwedischer Staatsbürger sein muss. Ich versuche zu erklären, dass man bei der Wahl mitentscheidet, wie man es in Schweden haben möchte, zum Beispiel im Bereich Gesundheitswesen, und wie wichtig das ist.“