Plagegeister in Värmland

Demonstration gegen Mückenplage

4:27 min

Erzürnte Bewohner der Ortschaft Deje der Provinz Värmland haben gegen die Mückenplage in diesem Sommer demonstriert.

Jahr für Jahr leiden die Anwohner in der für Stechmücken berüchtigten Gegend; die Gemeindeverwaltung soll das Mückenproblem endlich in den Griff kriegen, so die Forderung.

„Die Leute hier sind zornig und fühlen sich im Stich gelassen“, so Mikaela Fallgren gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Fallgren wohnt in Deje, einer kleineren Ortschaft mit knapp 3.000 Einwohnern, und hat die Anti-Mücken-Demonstration mitorganisiert. „Unsere Kinder können nicht im Freien spielen, wir können weder draußen grillen noch uns sonnen. Die Gemeinde nimmt uns einfach nicht ernst mit diesem Problem. Im gesamten Juni und den halben Juli über war es einfach unerträglich. Freunde kommen uns nicht mehr in Deje besuchen, wir sitzen den Sommer über alleine Zuhause.“

Nichts hilft gegen die kleinen Biester

Die Ortschaft Deje im westschwedischen Värmland liegt an beiden Ufern von Schwedens größtem Fluss, dem Klarälven.Die Stechmücken in dieser wasserreichen Gegend sind berüchtigt, weder dicke Kleidung noch Insektenmittel hilft gegen die zig-millionen Plagegeister, die jeden Sommer Tieren und Menschen auf den Leib rücken. Die Gemeinde versucht alljährlich, die Mückenschwärme durch Chemiefallen und Unterholzbeseitigung zurückzudrängen. Überschwemmungen zum Sommerbeginn haben die Insekteninvasion dieses Jahr weiter verschärft. Hinzu kam, dass eine deckende Insektenbekämpfung aus der Luft mit Hubschraubern nicht stattfinden konnte: Die amtliche Genehmigung war erst eingetroffen, als die Mückenlarven bereits geschlüpft waren.

Demonstration vor dem Rathaus

Die Wut der zerstochenen Bewohner von Deje schäumt seitdem über. Die Mückenplage wird eine der wichtigsten Fragen bei der Kommunalwahl am kommenden Wochenende. So mancher Anwohner wollte es auch nicht auf  wütenden Kommentare in sozialen Medien wie Facebook belassen – am Donnerstag versammelten sich etwa 50 Demonstranten vor der Gemeindeverwaltung im Zentralort Forshaga und hielten Plakate hoch mit Bildern zerstochener Kinderarme und -gesichter.

„Die Kinder waren der eigentliche Grund, warum ich diese Demonstration auf die Beine gestellt habe“, so Mikaela Fallgren. „Die Kinder gehen das ganze Jahr über in die Schule und sehnen sich nach den Sommerferien, wollen kurze Hosen und Kleider anziehen, wollen im Freien spielen und baden. Und dann, sitzt man bei der Schulabschlussfeier und kann nur noch daran denken, dass bald die Mücken kommen. Die Kinder kratzen sich die Stiche blutig, und es geht hier ja nicht nur um einzelne Stiche pro Tag: Mein Sohn ist an einem Morgen diesen Sommer mit 36 Mückenstichen auf nur einem einzigen Arm aufgewacht. So darf das nicht sein, das muss doch irgendwann einmal enden.“  

Immobilienpreise ein ernstes Problem

Unterstützung erhalten die Demonstranten vom Schwedischen Zentralverband der Hausbesitzer. Dass die Gegend von Deje alljährlich unter einer Mückeninvasionen leidet, ist kein Geheimnis – niedrige Immobilienpreise lassen die Anwohner auch in den mückenfreien Wintern an die Plagegeister denken.

„Wir können auch nicht einfach hier wegziehen“, sagt Fallgren. „Die Preise sind so stark gesunken, seit dieses Problem im ganzen Land bekannt geworden ist. Wir sitzen hier also fest mit unseren Häusern.“

Eine Forderung der Demonstranten ist, dass die Gemeinde endlich Hilfe von außen anfordern soll. Experten sollen kommen, die wirksame Methoden gegen die Mückenplage entwickeln können. Außerdem soll die Provinzialregierung von Värmland einen zentralen Koordinator stellen, der die übergeordnete Verantwortung übernehmen kann.

Gemeinde sieht keinen größeren Handlungsbedarf

Seitens der Gemeinde ist man jedoch der Ansicht, dass der Kampf gegen die Stechmückeninvasion auch in diesem schweren Sommer in vielerlei Hinsicht erfolgreich war: „Wir haben über 21 Millionen weibliche Mücken vernichtet und damit die Eier, die diese gelegt hätten, stark reduziert“, sagte Britt-Marie Olsson von der Gemeinde bereits im August. „Es gab nach der großen Überschwemmung diesen Sommer unglaublich viele Insekten. Wenn man dies in Betracht zieht, hat die Mückenbekämpfung eigentlich recht gut funktioniert. Natürlich wäre es gut gewesen, wenn wir einen Hubschrauber eingesetzt hätten. Aber wir müssen die Anweisungen die Chemieinspektion und der Umweltbehörde befolgen, so ist das nun einmal.“