Nach Wahlniederlage

Konservative müssen sich neu finden

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Der Posten des nächsten Parteivorsitzenden der Konservativen wird mit großer Wahrscheinlichkeit an eine Frau gehen. Dies belegt eine Umfrage des Schwedischen Rundfunks. Noch am Abend der herben Wahlniederlage hatte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt seinen Rücktritt nicht nur vom Posten des Regierungschefs sondern auch vom Parteivorsitz der Konservativen angekündigt. Dies sei ein große Fehler und voreilig gewesen, so jetzt die Kritik aus den eigenen Reihen. Derweil hat die Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden begonnen.

Reinfeldts Rückzug noch am Wahlabend sei ein großer Fehler gewesen. Dies schreibt der ehemalige Vorsitzende Ulf Adelsohn in der Tageszeitung Dagens Nyheter. Damit hätte Reinfeldt warten müssen bis der Reichstag ihm das Vertrauen entzieht, meint Adelsohn und verweist darauf, dass auch Herausforderer Stefan Löfven von den Sozialdemokraten ohne Mehrheit dasteht. Unter den Vorzeichen einer komplizierten Regierungsbildung stehe Schweden ohne Alternativen da, meint Adelsohn.

Doch Reinfeldt hat schon während des Wahlkampfes etwas amtsmüde gewirkt. Und mit ihm sind dann auch Finanzminister Anders Borg und Finanzmarktminister Peter Norman gegangen. Drei Schwergewichte der konservativen Politik der letzten acht Regierungsjahre. Die größte Partei der bürgerlichen Regierungsallianz hat schwer Federn lassen müssen und wirkt angeschlagen.

Wunsch nach einer Vorsitzenden

Während Sozialdemokrat Löfven die Möglichkeiten der Regierungsbildung auslotet, hat bei den Konservativen die Suche nach neuem Führungspersonal begonnen. Dabei scheint sich herauszukristallisieren, dass viele Parteimitglieder offenbar eine Frau an der Spitze sehen wollen. Dies hat eine Umfrage des Schwedischen Rundfunks ergeben.

So wünscht sich der Vorsitzende des Parteidistrikts Blekinge, Magnus Gärdebring, eine Vorsitzende. So sieht das auch Ulf Berg in Dalarna. „Wir haben viele tüchtige Frauen bei den Konservativen. Ich glaube wir haben sogar mehr Frauen als Männer, die für den Parteivorsitz in Frage kommen könnten“, so Berg im Schwedischen Rundfunk.

Elisabeth Unell von den Konservativen in Värmland weist darauf hin, dass die Partei noch nie zuvor von einer Frau angeführt wurde.

Viele der 26 Regionaldistrikte sprechen sich für eine Frau aus. Es gibt aber auch Distrikte wie etwa Uppsala oder Göteborg, die darauf hinweisen, dass das Geschlecht keine herausragende Rolle spielen solle.

Catharina Elmsäter Svärd häufig genannt

Dennoch fällt in dem Zusammenhang fast ausschließlich ein weiblicher Name: Es gebe viele gute Kandidaten, aber Carl Fredrik Graaf von den Konservativen in Halmstadt findet Catharina Elmsäter-Svärd als beste Wahl.

Das meint auch Bo Frank aus Växjö. Ola Karlsson aus Örebro fallen dagegen gleich zwei Namen ein.

„Wir sollte bei den sehr kompetenten Frauen suchen, die wir in unserer Partei haben. Wir hatten bisher auch noch keine Frau an der Spitze. Wenn ich Personen nennen soll, fallen mit Anna Kinberg Batra und Catharina Elmsäter-Svärd ein. 

Kinberg Batra ist seit 2010 Fraktionsvorsitzende der Konservativen im Reichstag, Elmsäter-Svärd hat als Infrastrukturministerin Regierungserfahrung. Wer auch immer im kommenden Frühjahr Fredrik Reinfeldt beerben wird, hat gewaltige Aufgaben zu bewältigen. Die Partei muss nach der Niederlage erst einmal wieder aufgerichtet werden. Gleichzeitig muss die bürgerliche Allianz mit Christdemokraten, Liberalen und Zentrum am Leben erhalten werden, damit Schweden möglichst bald wieder eine Regierungsalternative hat.

Erik Ridderstople/Dieter Weiand

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