Der Fall der Griechin Juliana Demo wird nun juristisch verfolgt. Foto: SvT
Einwandern aus Europa

Ausländische Krankenschwestern warten auf Zulassung

"Viele wollen arbeiten, dürfen aber nicht"
3:27 min

Wer sich aus dem Ausland um eine Stelle im schwedischen Gesundheitswesen bewirbt, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. Bis die Behörden ausländische Papiere anerkannt haben, vergehen vielfach weit mehr als die erlaubten drei Monate. Dabei wird medizinisches Personal in Schweden händeringend gesucht.

Während die Patienten im schwedischen Wartezimmer Schlange stehen, wartet die ausländische Fachkraft auf Antwort von der Behörde. Und das kann dauern. 

Ein Jahr und drei Monate benötigten die Behörden, bis Eva-Maria Thiel in der nordschwedischen Gemeinde Kalix endlich als Krankenschwester anerkannt wurde. In der Zwischenzeit arbeitete die Deutsche aus dem Ruhrgebiet zwar als Gesundheits- und Krankenpflegehelferin – ihrem Ausbildungsniveau und ihrer 15 Jahre langen Arbeitserfahrung entsprach das aber nicht. 

„Ich habe dabei Geld verloren“, erzählt Eva-Maria Thiel im Schwedischen Fernsehen in einwandfreiem Schwedisch, wenngleich mit deutlichem deutschen Akzent. „Eine Krankenpflegehelferin, zumal nur eine Aushilfskraft, verdient ja weniger als eine Krankenschwester.“ 

Putzen statt Heilen 

Um Einkünfte betrogen fühlt sich auch Juliana Demo. Als die ausgebildete Krankenschwester vom Personalmangel in Schweden erfuhr, lernte die Griechin in Windeseile Schwedisch, packte ihre Sachen und wollte in einem schwedischen Krankenhaus beginnen. Doch daraus wurde zunächst nichts. Um ihre Familie zu ernähren, arbeitete Juliana Demo als Putzhilfe. 

„Acht Monate hat die Bearbeitung gedauert. In der Zeit hätte ich ja gerne in meinem Beruf gearbeitet, aber das ging eben nicht.“ 

Nun hilft den beiden Krankenschwestern die unabhängige Stiftung „Zentrum für Gerechtigkeit“, den entgangenen Lohn über die Justizkanzlei vom Staat zurückzufordern. Das Gesetz nämlich besagt, dass die Anerkennung von Papieren anderer EU-Bürger höchstens drei Monate in Anspruch nehmen darf. 

„Viele Menschen sind in Schweden arbeitslos, obwohl sie in Berufen ausgebildet sind, die hier dringend benötigt werden“, bedauert Aschtar Yakob, Juristin bei der Stiftung. „Und das alles nur, weil sich die zuständige Behörde nicht an die Regeln hält.“ 

Umständlichkeit schreckt ab 

Wie anders das Berufsleben aussieht, sobald man die richtigen Papiere hat, können sowohl Eva-Maria Thiel als auch Juliana Demo bestätigen. Für beide verging gerade einmal ein Tag, dann hatten sie neue, besser bezahlte Jobs. Die junge Griechin ist inzwischen bei der Herzklinik in Södertälje südlich von Stockholm fest angestellt. Der Klinikchef hat bereits signalisiert, weitere Krankenschwestern aus Griechenland anstellen zu wollen. Die Umständlichkeit der Bürokratie steht dem jedoch im Wege, weiß Juliana Demo aus eigener Erfahrung. 

Beim Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen weist man die Kritik von sich. Sicher habe es im vergangenen Jahr zeitweise Probleme gegeben, diese seien mittlerweile aber beseitigt, sagt Abteilungsleiterin Pernilla Ek. 

„Es ist aber wichtig, bei der Bearbeitung der Akten nicht nur auf Schnelligkeit zu achten, sondern auch die Papiere korrekt zu kontrollieren. Dass das Personal tatsächlich auch eine Ausbildung vorweisen kann, wie gefordert, ist schließlich eine wichtige Frage der Patientensicherheit.“ 

Eva-Maria Thiel findet es enttäuschend, dass Arbeitswillige regelrecht vom Arbeiten abgehalten werden. 

„Ich denke die ganze Zeit, dass wir hier in Schweden einen Krankenschwestermangel haben und die Angestellten ständig Überstunden machen. Gleichzeitig sitzen Krankenschwestern zu Hause herum, wollen arbeiten, dürfen aber nicht. Da ist es nur gut, dass das Zentrum für Gerechtigkeit da jetzt ein bisschen nachhilft.“

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