500 junge Menschen leben in Schweden unter solchen Umständen (Foto: TT)
Hintergrund

Schweden will weg vom Folter-Image

"Das ist ein Fortschritt"
2:25 min

Der schwedische Strafvollzug will die Haftbedingung für Jugendliche in Einzelhaft verbessern, um einer erneuten Kritik durch den UN-Ausschuss gegen Folter zuvorzukommen. Die Häftlinge sollten zwei Stunden pro Tag Kontakt mit anderen Menschen haben, so eine Sprecherin des Strafvollzugs im Schwedischen Rundfunk.

Ende August dieses Jahres saßen in Schweden rund 500 Jugendliche unter besonderen Bedingungen in Haft. Darüber entscheidet ein Gericht, wenn die Staatsanwaltschaft befürchtet, dass sonst die Ermittlungen gefährdet sein könnten. Häufig ist den Häftlingen dann über Wochen und Monate der Umgang mit anderen Menschen nicht erlaubt und der Zugang zu Medien stark begrenzt. Sie sitzen dann allein in einer Zelle. Es gibt einen Lichtschalter, mit dem sie signalisieren können, wenn sie zur Toilette müssen oder mit einem Wärter sprechen wollen.

Diese Bedingungen zehrten an der Psyche der jungen Menschen, weiß Felicia Juselius. Sie arbeitet seit September dieses Jahres in der Haftanstalt Kronoberg in Stockholm: „Sie werden häufig depressiv, können sich schlecht motivieren, interessieren sich für kaum etwas, was außerhalb des Gefängnisses vor sich geht.“

Wiederholte Kritik

Der Ausschuss gegen Folter der Vereinten Nationen hatte in den vergangenen Jahren wiederholt die Haftbedingungen in Schweden kritisiert. Mehrmals wurde etwa festgestelltt, dass es keine Zeitgrenzen für Untersuchungshaft in Schweden gibt, oder die allgemeinen Haftbedingungen bemängelt. Zurzeit wird an einem neuen Bericht gearbeitet, der im kommenden Jahr vorgelegt wird.

Um allzu harscher Kritik zuvorzukommen, will die Justizvollzugsbehörde jetzt die Bedingungen verbessern. Unter anderem soll es allen Häftlingen erlaubt sein, zwei Stunden pro Tag Kontakt mit anderen Menschen zu haben. Das können Psychologen, Yogatrainer oder auch Vertreter von Hilfsorganisationen sein. Damit verfolgt die Justizvollzugsbehörde zwei Ziele, wie Projektleiterin Åsa Wallengren erklärt: „Zunächst geht es um das Humanitäre. Dass wir keine Verhältnisse haben, die der Folter gleichkommen. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Häftlinge spüren, dass dies einen Sinn macht.“

Die Tatsache, vom UN-Ausschuss gegen Folter kritisiert zu werden, zehrt am schwedischen Selbstverständnis. Ob die neuen Maßnahmen tatsächlich den Bedürfnissen der Häftlinge entgegenkommen, weiß Åsa Wallengren allerdings nicht: „Es genügt, um nicht mehr der Folter bezichtigt zu werden. Das ist ein Fortschritt gegenüber dem, was wir bisher überall im Land haben anbieten können.“

Ob die neuen Maßnahmen Schwedens in dem neuen Bericht der Vereinten Nationen berücksichtigt werden, ist bisher nicht bekannt.

Henrika Åkerman/Dieter Weiand

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