Foto: Charles Krupa/TT
Hintergrund

Milchkrieg verunsichert Verbraucher

„In Maßen genossen ein sehr gutes Lebensmittel“
4:36 min

„Viel Milch kann das Leben verkürzen“ - diese Hiobsbotschaft kam am Mittwochmorgen aus Uppsala. Ein Forschungsteam der dortigen Universität hat eine Studie vorgelegt, die Milchtrinker nachdenklich stimmen könnte.

Diese Studie erscheint – zufällig oder auch nicht zufällig - genau gleichzeitig mit einem derzeit laufenden Streit zwischen einem Meiereiunternehmen und einem Hersteller von Alternativmilch aus Hafer. Michael Harmann mit den Einzelheiten.

Milch – in den schwedischen Medien und dem täglichen Leben der Bevölkerung ein selbstverständlicher Bestandteil. Milch in jeder Form, ob als Öko-Variante, laktosefrei, als Sojaprodukt oder – auf Haferbasis, man liebt Milch als gesundes Grundnahrungsmittel. Immer mal wieder auftretende Zweifel daran wurden stets durch die Bereitstellung alternativer Varianten - zum Beispiel als laktosefrei – entschärft.

Der Milchkrieg tobt

Der Milchmarkt in Schweden ist hart, die Erzeuger stöhnen unter dem Preisdruck, Konkurrenten mit Soja- und Haferprodukten drängen in den Markt. „It’s like Milk, but made for Humans!“ - Eine besonders aggressive Werbekampagne des Hafermilchherstellers Oatly sorgt derzeit für Aufsehen, weil der Zentralverband der schwedischen Landwirte Wettbewerbsklage erhebt. Der sogenannte „Milchkrieg“ wird auch in den sozialen Medien geführt, wo sich die beiden Kontrahenten mit massenhaften gegenseitigen Kommentaren befehden.

Forscherstudie - just in Time

Und genau zu diesem Zeitpunkt erscheint nun in der britischen Fachzeitschrift BMJ eine Studie, die den Kuhmilchkontrahenten – gewollt oder ungewollt – ungeahnten Aufschwung verleiht.  Ein Forschungsteam aus Uppsala hatte in verschiedenen Bezirken Schwedens eine Untersuchung an Männern und Frauen mittleren und gehobenen Alters durchgeführt. Die Studie beschäftigte sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen des Milchkonsums. Unter der Leitung von Professor Karl Michaëlsson kamen die Forscher dabei Ergebnissen, die Milchproduzenten wie Verbraucher beunruhigen.

So sei der gesundheitliche Effekt regelmäßigen Milchtrinkens der Studie nach nämlich negativ. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen hohem Milchkonsum und einer Neigung zu Herz- und Kreislauferkrankungen. Verdächtigt werden Milchbestandteile wie Laktose. Dieser Verdacht ist nicht neu, und bestätigt bereits bestehende Annahmen zur Gefährlichkeit von Laktose und Milchzucker in Lebensmitteln.

Ist Milch gefährlich - oder doch nicht?

Dass ein hoher Milchkonsum als Ursache für eine erhöhte Todesrate gelten kann, wird in der Studie zwar angedeutet, gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass andere Faktoren, die gar nicht untersucht worden seien, ebenfalls für die erhöhten Risiken der Milchtrinker verantwortlich sein könnten. So wird darauf hingewiesen, dass noch weitere, ergänzende Forschung nötig sei, um festzustellen, wie gesund oder ungesund Milch denn nun wirklich ist.

Professor Karl Michaëlsson, der angibt, im Verlauf seiner Studie das Milchtrinken aufgehört zu haben, bezeichnet die traditionellen amtlichen Ratschläge als „Milchpropaganda“, die nicht mehr zeitgemäß sei.

Obendrein belegt die Studie, dass die landläufige Annahme, Milch sei durch ihren Kalziumgehalt gut für den Knochenbau, nicht zutrifft: Bei den über 100.000 untersuchten Menschen zeigte sich, dass der Milchgenuss Knochenbrüche weder verhindert noch Einfluss auf die Heilung hat.

Seit Generationen empfohlenes Grundnahrungsmittel

Bisher wurde Milchtrinken seit Generationen von Behörden, Lebensmittelexperten, Ärzten und nicht zuletzt von Molkereibetrieben und der Milchindustrie als selbstverständlicher und  täglicher Bestandteil schwedischer Ernährung gehandelt.

Åsa Brugård Konde vom Zentralamt für Lebensmittelwesen betont  dabei die Ausgewogenheit: „Es gibt kein Lebensmittel, das so gut ist, dass man sich alleine davon ernähren kann. Der wichtigste Rat für eine gesunde Ernährung ist die Variation – dass man verschiedene Dinge zu sich nimmt und sich nicht einseitig ernährt.“

In Maßen - weiterhin gut...

Auch ihre Kollegin Hanna Eneroth hält Milch nicht für gefährlich. Im Interview mit dem schwedischen Rundfunk sagt sie: „Milch in Maßen genossen ist ein sehr gutes Lebensmittel“.

Und der Unterschied zur Hafer-Milch: „Milch aus Hafer basiert ja auf Getreide, nur dass man da noch Vitamine zusetzt“.

In Maßen genossen – so die Botschaft, kann man also auch mit Kuhmilch alt werden. Oder mit Hafermilch. Oder mit beidem – am Besten abwechselnd!

Michael Harmann / Martina Pierrou

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".