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Östtyska gränssoldater tittar genom Berlinmuren. Foto: Lionel Cironneau/AP/TT Nyhetsbyrå.
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Der Fall der Berliner Mauer bewegte die ganze Welt (Foto: Lionel Cironneau/AP/TT Nyhetsbyrå)
Gundula Adolfsson und Hansjörg Kissel (Foto: Michael Harmann / Radio Schweden)
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Die Journalistin Gundula Adolfsson im Radio Schweden Interview (Foto: Michael Harmann / Radio Schweden)
25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer

Schweden und der Mauerfall

"Das Interesse heute ist gedämpft"
7:34 min

Die Nachricht von der Grenzöffnung der DDR vor genau 25 Jahren bewegte die Politik und die Menschen in der ganzen Welt. Wie die Sensationsnachrichten in Schweden aufgenommen wurden, darüber sprach Radio Schweden mit der Journalistin Gundula Adolfsson, die damals im Funkhaus in Stockholm Dienst hatte.

Radio Schweden: Gundula Adolfsson, Sie sind 1974 von der DDR nach Schweden übergesiedelt. Als Journalistin nahmen Sie etwa 1980 Ihre Arbeit beim Schwedischen Rundfunk auf. Heute sind Sie Programmchefin bei Radio Sweden. Als vor 25 Jahren die ersten Meldungen zur Grenzöffnung aus der DDR kamen, da arbeiteten Sie hier in Stockholm im Funkhaus. Wie waren die ersten Reaktionen in der schwedischen Presse?

Gundula Adolfsson: Die Reaktionen hier waren genauso eine Überraschung, wie es auch der berühmten Pressekonferenz damals in Berlin war. Schabowski kramte seinen berühmten Zettel hervor und gab bekannt, dass die Bürger der DDR ausreisen dürfen. Das haben damals nicht alle sofort verstanden, und in Schweden kam die Reaktion auch mit einer gewissen Verzögerung an. In den Fernsehnachrichten am Abend verlas man eine Meldung, sachlich und korrekt, die sagte, dass die Bürger der DDR nun ins Ausland reisen dürfen.  Und das war es dann auch schon. Es wurde nicht weiter kommentiert, und die meisten haben es dann auch nicht verstanden. Es hat noch eine Nacht gedauert – es gab ja kein Internet damals. Erst am nächsten Morgen hatte die schwedischen Presse die richtige Schlagzeile: „Die Mauer ist gefallen“.

Schweden und die DDR haben auf lange Zeit sehr enge Beziehungen miteinander gepflegt. Wie wurde denn die Nachricht vom Mauerfall hierzulande aufgenommen?

Da kommt es darauf an, wen man meint. In der Bevölkerung wurde es im Großen und Ganzen nur positiv aufgenommen. Es bedeutete, dass die Menschen nun reisen konnten, und das war ja für die Schweden auch wichtig, denn die DDR war der südliche Nachbar an der Ostsee. Auch im offiziellen Schweden gab es eine Art Goodwill, etwa im Bildungssektor und im akademischen Bereich. Forschungsdelegationen waren lange Zeit hin und her gefahren, man hatte gute Kontakte. Man darf auch nicht vergessen, dass Schweden zu den ersten Ländern gehörte, die die DDR diplomatisch anerkannt hatten. Wenn man sich nun aber ansieht, wie die Sicherheitsexperten und die Politiker reagiert haben, da sah die Sache wieder etwas anders aus. Die Reaktionen waren verhalten, man warnte vor zu großem Enthusiasmus und Optimismus. Der damalige Regierungschef Ingvar Carlsson sagte, man müsse erstmal abwarten.

Ängste vor einem erstarkten, wiedervereinten Deutschland, die in Reaktionen aus anderen Ländern wie etwa Frankreich zum Ausdruck kamen, gab es die auch in Schweden?

Schon, wenngleich man es nicht mit Frankreich vergleichen kann. Man kam zur Beurteilung, dass Deutschland ein Problem werden könnte. Die eigentlichen Probleme nach dem Mauerfall lagen aber ganz woanders, nämlich auf dem Balkan einige Jahre später. Die Beurteilung, erstmal abzuwarten und zu sehen, was sich politisch tut, war schon richtig. Dass Schweden vorsichtiger war, aber nicht direkt negativ, ist auch erklärlich. Die Sowjetunion, und heute eben Russland, lag direkt auf der anderen Seite der Ostsee, war und ist also ein schwedischer Nachbar. Schweden war immer der neutrale Staat zwischen den beiden Blöcken. Den Schweden war daran gelegen, ihre neutrale Politik zu behalten.

Gab es keine politische Trauer? Schweden hatte sich doch als sozialdemokratisch und sozialistisch geprägtes Land lange Jahre an der DDR zumindest teilweise politisch orientiert.

Ich denke, das wird mitunter ein bisschen übertrieben. Die schwedische Sozialdemokratie ist schon lange vorher, also seit den 1930er und 40er Jahren,  sehr stark gewesen. Einen Vergleich zwischen der DDR und Schweden, das würde ich nicht so unterschreiben. Die schwedische Sozialdemokratie hat unter der deutschen Wiedervereinigung nicht gelitten.

Wenn Sie die schwedische Sicht auf Deutschland damals mit der heutigen vergleichen, sind da große Unterschiede spürbar?

Das Interesse, das noch zu Anfang herrschte, hat sich inzwischen wieder gelegt. Es hatte aber einen langen Nachklang. Nehmen Sie die Berichte über schwedische Zusammenarbeiten mit der Stasi. Die kamen noch länger in der Presse vor, heute ist das nicht mehr so. Das Interesse ist weitgehend gedämpft, wenngleich die DDR neben dem Zweiten Weltkrieg noch immer ein großes Thema ist, sei in den Medien, im Bereich des Dramas und so weiter. Nicht umsonst kauft man neuerdings in Schweden viel mehr aus Deutschland ein. Die Serie „Weissensee“ ist beispielsweise hier gelaufen. Etwas ist schon noch da, aber eben nicht mehr jeden Tag und jede Woche.

Sie selber sind in der DDR geboren und aufgewachsen. Mitte der 1970er Jahre kamen Sie nach Schweden. Wie haben die Meldungen vom Mauerfall auf Sie persönlich gewirkt?

Auch mit so einer Verzögerung, wenngleich einer persönlichen. Als Journalistin war es natürlich ein Highlight. Das Interesse war riesengroß. Ich fuhr nach Deutschland für ein Nachrichtenmagazine des Schwedischen Rundfunks. Als Journalistin verarbeitete ich das ganz professionell. Emotional dauerte es noch ein bisschen. Mein letzter Wohnsitz war in Berlin, Unter den Linden. Damals hatte ich Freunde aus Schweden zu Besuch, die dann anschließend auch West-Berlin besuchten. Ich konnte damals nicht ausreisen, stand dann am Fenster und habe ihnen nachgewinkt. 16 Jahre später hatte ich den Auftrag, für den Schwedischen Rundfunk eine Reportage zu machen. Ich ging auf der Straße Unter den Linden durchs Brandenburger Tor an meinem ehemaligen Haus vorbei. Es ein bisschen wie eine Filmszene, denn ich habe mich selbst am Fenster winken sehen. Emotional war das ein starkes Erlebnis, und ich brauchte dann meine ganze Konzentration, um noch ein Interview sachlich durchführen zu können. Dieser Moment war so stark, und erst als ich ein Stück von der Mauer in meiner Hand hielt, da habe ich richtig emotional verstanden, was passiert war.

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