Junge Schweden machen sich weit mehr Sorgen als noch vor 30 Jahren (Foto: Peter Johansson/Sveriges Radio)
Ali Lafafou (li.) und Anton Bergman (2.v.r.) machen sich Sorgen um ihre Zukunft (Foto: Peter Johansson/Sveriges Radio)

Junge fühlen sich mies – Alte blühen auf

"Man traut sich gar nicht, nach vorn zu denken"
3:29 min

Stress, Sorgen, Perspektivlosigkeit: In Schweden jung und glücklich zu sein, wird immer mehr zur Herausforderung. Wie Untersuchungen zeigen, hat sich das Stimmungsbild bei jungen Menschen und Senioren in den vergangenen 30 Jahren komplett gewandelt.

Niedergeschlagenheit am Rande zur Depression war bei Jugendlichen in den 1980er Jahren längst nicht so verbreitet wie heute. Dies belegen Zahlen des Statistischen Zentralamts, das verschiedene Untersuchungsergebnisse der Behörde für allgemeine Gesundheitsfragen zusammengestellt hat. Demnach hat sich das Wohlbefinden von Schwedens Jugendlichen innerhalb der vergangenen Jahrzehnte drastisch verschlechtert. 

Angst vor der Zukunft 

Auf die Frage des Schwedischen Rundfunks, warum es gerade den jungen Leuten so viel mieser geht als früher, antwortet der 17-jährige Anton Bergman aus dem Stockholmer Vorort Skärholmen: „Man traut sich gar nicht, nach vorne zu denken. Es geht immer nur um den nächsten Schritt, was passiert heute, was morgen, nicht darum, was in ein paar Jahren sein wird.“ 

Und der 16-jährige Ali Lafafou meint: „Jugendliche haben vielleicht Probleme in der Familie, dann denkt man darüber nach und bekommt auch noch Probleme in der Schule. Ohne gute Noten schafft man es nicht auf die Uni, da fängt man schon an über die Zukunft zu grübeln und dass man vielleicht keinen Job bekommt.“ 

Senioren haben weniger Anlass Sorge 

Unter den jungen Männern machte sich vor 30 Jahren gerade einmal einer vor 20 Sorgen. Heute ist es fast jeder siebte. Bei den Mädchen sind die Zahlen noch verheerender: Von 15 auf 40 Prozent schnellte die Zahl derjenigen in die Höhe, die von Sorgen umgetrieben werden. 

Bei Schwedens Senioren ergibt sich dagegen ein ganz anderes Bild: Waren sie in den 1980ern noch der besorgteste Teil der Bevölkerung, hat sich ihr Wohlfühl-Faktor heute erheblich verbessert. Sogar so weit, dass die Jugendlichen den Rentnern auf der Sorgenskala inzwischen den Rang ablaufen. 

„Die Lebensumstände der Älteren haben sich stark verbessert“, erklärt Sven Bremberg, Dozent der Sozialmedizin am Karolinska Institut. „Vor allem finanziell stehen heute viele besser da. Für die jungen Menschen ist die Zukunft viel unsicherer als noch 1980. Damals konnte man mit nur neun Jahren Schulausbildung ohne Probleme eine einigermaßen gut bezahlte Arbeit finden. Die Arbeitslosigkeit lag damals auch nur bei 2 bis 3 Prozent.“

Aktuell liegt sie bei gut sieben Prozent. Aber gerade Schwedens hohe Jugendarbeitslosigkeit um 23 Prozent dürfte es vielen Jugendlichen nicht leicht machen, eine positive Sicht auf das Leben, zumal das Berufsleben, zu entwickeln oder beizubehalten. 

Hohen Ansprüchen nicht gewachsen 

Ing-Britt Nilsson Bertilsson ist selbst 71 Jahre alt und engagiert sich ehrenamtlich in der Seniorenorganisation PRO in Malmö. Sie findet auch, dass es junge Menschen heute schwerer haben als früher: „Man bekommt nicht mehr so leicht einen Job. Der Druck auf die Jugendlichen ist aber auch enorm: Man soll studieren, schön sein, trainieren. Das sind zu viele Sachen, finde ich.“ 

Eine, die sich keinen Stress mehr macht, ist die 85-jährige Marianne, auch sie wohnt im Stockholmer Vorort Skärholmen. Die Jugendlichen von heute tun ihr leid. „Ich finde es toll, alt zu sein. Ich sorge mich um überhaupt nichts. Die jungen Leute haben so viel Stress mit ihren Handys und allen anderen Apparaten. Es ist einfach zu viel.“

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