Drogen Spice.
Von der Polizei im westschwedischen Uddevalla beschlagnahmtes Spice Uddevalla (Foto: Skoob Salihi/Sveriges Radio)

Kampf gegen tödliche Netz-Droge Spice

"Die Jugendlichen sind Versuchskaninchen"
3:42 min

Nachdem zwei junge Menschen an einer Überdosis der synthetischen Droge Spice gestorben und weitere auf der Intensivstation behandelt werden mussten, arbeiten die Behörden nun an einem Verbot. Ohne die Zustimmung der EU-Kommission wird aus den Plänen jedoch nichts.

Insgesamt 42 Substanzen stehen auf der Liste, die die Behörde für allgemeine Gesundheitsfragen nun dem Sozialministerium überreicht hat. Mehrere dieser Substanzen sind in der Droge Spice enthalten, die durch ein Verbot der Inhaltsstoffe illegalisiert werden könnte, erklärt Anders Persson von der Behörde im Schwedischen Rundfunk. 

„Wir hoffen, dass Jugendliche es sich zweimal überlegen, etwas gesetzlich Verbotenes im Internet zu bestellen oder weiterzuverkaufen, so wie das jetzt auf dem schwedischen Markt möglich ist.“ 

Gefährlich und „in“ 

Spice ist derzeit die Modedroge Nummer Eins in Schweden. Als synthetisch hergestelltes Marihuana kostet eine 5-Gramm-Dosis deutlich weniger als pflanzliches Cannabis – das ist Schweden verboten ist. Der Rausch ist dafür um ein vielfaches stärker. Dass man die Droge ganz legal und bequem im Netz nach Hause bestellen kann, macht Spice schon für Jugendliche attraktiv. 

In einem Jugendzentrum der Stadt Gävle, etwa zwei Autostunden nördlich von Stockholm, erzählt ein 18-Jähriger, wie seine monatelange Sucht begann. 

„Eigentlich wollte ich das gar nicht probieren, aber ich hatte getrunken und ein Freund meinte immer wieder: ‚hier, nimm das!‘ Dann hat es mir sehr gut gefallen und ich habe einfach immer weiter gemacht. Das Schlimmste mit Spice ist, dass man so schnell süchtig wird.“ 

Dass der Rausch auch viel unkontrollierbarer ist als bei herkömmlichem Cannabis, ist in den vergangenen Wochen zwei jungen Männern zum Verhängnis geworden: In der mittelschwedischen Stadt Fagersta starb ein 22-Jähriger an einer Überdosis Spice, im südschwedischen Alingsås überlebte ein 18-Jähriger den Rausch nicht. Vielerorts mussten in der jüngsten Vergangenheit Jugendliche akut ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie Spice geraucht hatten. 

Dealen an der Schule 

Beliebter Umschlagplatz ist wie bei anderen Drogen auch die Schule. Auf der Ostseeinsel Gotland etwa geht man davon aus, dass Spice in sämtlichen Oberstufenschulen verbreitet ist. Die Polizei fahndete dort, aber auch in anderen Regionen, als vorbeugende Maßnahme mit Drogenhunden in Schulen, aber auch in Busse und Wohnungen, und beschlagnahmte Spice. 

Bei der Giftinformationszentrale hat man bis Ende September schon so viele Anrufe zu Spice entgegengenommen wie im gesamten vergangenen Jahr. Unter den Anrufern sind viele Jugendliche, die ihre ersten Drogenerfahrungen überhaupt mit dem Synthetik-Rausch machen, weiß Mark Personne, Chef der Zentrale. Das Hauptproblem ist ihm zufolge, dass die Droge in ständig neuen Versionen auf den Markt kommt – und die Behörden kaum mit dem Verbot von Inhaltsstoffen hinterherkommen. 

„Viele der Substanzen sind in keinerlei Weise getestet“, warnt der Experte. „Die Jugendlichen sind also so etwas wie Versuchskaninchen, weil keiner weiß, welche Auswirkungen der Cocktail haben kann. Alle Möglichkeiten, diese Droge zu stoppen, müssen also genutzt werden.“ 

Kommission soll sich beeilen 

An einem Drogenstopp haben sich schon andere Länder erfolglos abgemüht – gerade weil die Inhaltsstoffe bei Spice ständig geändert und so die jeweiligen Betäubungsmittelgesetze umgangen werden können. Nachdem in Schweden zuletzt im August gut 20 Substanzen als Drogen klassifiziert und damit verboten wurden, hat die zuständige Behörde am Montag nun den nächsten Schritt gemacht.

Über die neue Liste gefährlicher Inhaltsstoffe in Drogen, die aus dem offiziellen Verkehr gezogen werden sollten, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahmen aus dem Sozialministerium, man werde bei der EU-Kommission Eile anmahnen. Dies bedeutet, dass die Kommission schon innerhalb von zehn Tagen zu dieser Frage Stellung beziehen muss. Erst dann kann die Regierung über ein mögliches Verbot der Substanzen entscheiden.

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