Skylt på Migrationsverket i Malmö. Foto: Drago Prvulovic/TT
Wer spricht welche Sprache? (Foto: Drago Prvulovic/TT)
Hintergrund

Mangelhafte Sprachanalysen bei Einwanderungsbehörde

"Eine Gefahr für die Rechtssicherheit"
3:23 min

Die Einwanderungsbehörde verlässt sich häufig bei Asylverfahren auf mangelhafte Sprachanalysen. Recherchen des schwedischen Rundfunks haben ergeben, dass das von der Behörde beauftragte Unternehmen selten ausreichende Kompetenzen hat, um anhand der Sprache entscheiden zu können, aus welchem Land ein Asylbewerber kommt. Offenbar hat auch ein zentraler Mitarbeiter des Unternehmens seinen Lebenslauf geschönt und mit Sprachkenntnissen geworben, die er gar nicht besitzt.

Der letzte bekannt gewordene Fall von gravierenden Fehlern bei der Sprachanalyse ist nur einer von vielen: Omar Bakr hatte nur ein kurzes Telefongespräch lang Zeit, zu beweisen, dass er und seine Familie aus dem Norden des Irak kommen und zu den verfolgten Jesiden gehören. Der Experte von dem von der Einwanderungsbehörde beauftragten Unternehmen Sprakab kam jedoch zu dem Schluss, dass Bakr wahrscheinlich aus Armenien stamme und nicht aus dem Irak.

Ferhard Shakeley ist Linguist an der Universität von Uppsala. Er konnte sich das Analyse-Gespräch anhören. Um die tatsächliche Herkunft bestimmen zu können, reiche ein 20-Minuten-Telefonat nicht aus, so Shakeley:

„Dazu braucht man mindestens 10 Treffen und ein längeres Interview, um das entscheiden zu können“, erklärt der Linguistiker dem Schwedischen Fernsehen. Dennoch gründet Sprakab seine Analysen auf die schnelle Methode und berechnet der Einwanderungsbehörde dafür jeweils umgerechnet gut 250 Euro.

Anonyme Experten

Das Problem ist dabei auch, dass die Analysen von Sprakab anonym geschehen. Es ist nicht ermittelbar, welcher Experte welche Sprachanalyse erstellt hat. Für den Asylanwalt Byron Törnström ein Skandal: „Ein Analysebericht der entscheidet, ob ein Mensch zurückgeschickt wird, wo er möglicherweise gefoltert, verstümmelt oder was auch immer werden kann, muss als Jurist für mich nachprüfbar sein.  Ich nehme ja die Interessen meiner Klienten war.“

Recherchen des Schwedischen Fernsehens haben ans Licht gebracht, dass der Experte für Somalisch bei Sprakab 5.000 Analysen für die unterschiedlichsten somalischen Dialekte gemacht hat. Dies ist laut dem Professor für Linguistik, Abdalla Omar Mansur,  jedoch kaum möglich.

„Dann ist er ein Genie. Meines Wissens beherrscht niemand mehr als acht somalische Dialekte.“

Kriminelle Vergangenheit

Der vermeintliche Experte hat aber nicht nur über seine Sprachkenntnisse gelogen, er hat auch nicht die schwedische Staatsbürgerschaft, wie er in seinem Lebenslauf behauptet und ist darüber hinaus wegen Drogendelikten und Gewaltandrohung vorbestraft. Außerdem hinaus hat er Schulden beim Gerichtsvollzieher.

Die Chefin von Sprakab, Pia Luu, will von all diesen Anschuldigungen gegen ihren Mitarbeiter nichts gewusst haben. Der Rechtschef der Einwanderungsbehörde, Fredrik Beijer, spricht von einem ernstzunehmenden Problem. Es könne nicht sein, dass jemand aufgrund einer fehlerhaften Sprachanalyse in ein falsches Land abgeschoben werde. Die Behörde befinde sich wegen der offensichtlich falschen Kompetenzen von Sprakab in einer heiklen Situation:

„Es ist offensichtlich, dass es eine Gefahr für die Rechtssicherheit ist, wenn eine Person uns und Sprakab gegenüber falsche Angaben gemacht hat. Wir gehen ja davon aus, dass er die Kenntnisse besitzt, die er uns angegeben hat.“

Bejer verspricht dem Schwedischen Fernsehen, die Umstände ausführlich prüfen zu lassen. Was mit den jeweiligen Asylentscheiden geschieht, ist dagegen noch unklar.

Dieter Weiand

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