Ministerin Sahlin auf der Liste der Steuer-Schuldner

Die schwedische Vize-Wirtschaftsministerin Mona Sahlin zahlt nach eigener Aussage ihre Steuern mit Freude. In der Praxis vergisst sie allerdings manchmal, der freudigen Tätigkeit nachzukommen. Jetzt ist sie auf der landesweiten schwarzen Schuldner-Liste gelandet.

Mehr als ein Vierteljahr musste Vater Staat auf die jüngste Steuernachzahlung von Mona Sahlin warten. Zahhlreiche Mahnungen brachten die Ministerin nicht aus der Ruhe. Inzwischen ist die Schuld zwar beglichen, die Anmerkung im Register für Zahlungssäumige bleibt aber drei Jahre lang bestehen.

"Von meiner Seite aus war das ganze ein idiotischer Fehler, ein Missverständnis", so Sahlin, "jetzt ist die Sache bereinigt - was soll ich noch sagen?"

Im Dezember vergangenen Jahres war der Ministerin die Rechnung über umgerechnet rund 9000 DM Steuernachzahlung ins Haus geflattert. Bis Ende Februar sollte die Schuld beglichen werden. Doch Sahlin tat nicht desgleichen, trotz erster Mahnungen. Ende März bequemte sie sich immerhin zur Zahlung eines Viertels des Betrages. Erst zwei Monate und mehrere Kuckucks-Drohungen später wurde schliesslich der gesamte Betrag überweiesen.

Steuerzahlen ist cool - diesen viel beachteten Ausspruch prägte Mona Sahlin bereits vor einigen Jahren, zum Unveständnis vieler Landsleute. Ihre jüngste Säumigkeit könnte den Schluss zulassen, dass sich die Ministerin inzwischen eher der schwedischen Mehrheit angenähert hat. Doch nein:

"Ich finde immer noch, hohe Steuern sind gut", stellt Mona Sahlin klar. "Und nach wie vor zahle ich meine Steuern mit Freude. Man freut sich natürlich, wenn man Steuern zurückbekommt, aber Nachzahlungen soll man auch ohne Murren begleichen. Ich hab das auch getan, aber wegen ein paar dummer Missverständnisse eben mit Verspätung."

Reporterfragen, ob und inwieweit sie ein treffliches Vorbild für die übrige Steuerzahler-Gemeinschaft abgebe, mochte Sahlin heute nicht beantworten. Immerhin scheint an ihre Adresse der Rat angebracht, in die eigenen finanziellen Verhältnisse ein wenig Ordnung zu bringen. Schliesslich stolpert Sahlin nicht zum ersten Mal über Schlampigkeit in Gelddingen: vor wenigen Jahren kostete sie der Missbrauch dienstlicher Kreditkarten den greifbar nahen Posten als Regierungschefin.

Doch vielleicht ist inzwischen ja alles anders, ist die Abweichung vom strengen Reglement schlichtweg Kariere-Voraussetzung? Schliesslich bekam Wirtschaftsminister Rosengren seinen Posten trotz des Skandals um Pornoklub-Besuche auf Kosten der Steuerzahler. Da sei der Vizeministerin auch eine kleine Regelwidrigkeit gegönnt.

Anne Rentzsch

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