Neues Programm der Zentrums-Partei

Die Führungs-Spitze der Zentrums-Partei hat im Oktober 2000 den Vorschlag für ihr neues Partei-Programm vorgelegt. Dezentralisierung und Selbsbestimmung sind die Schlüsselwörter, mit denen die Partei versucht, neue Wählerstimmen zu gewinnen.

Auf dem Parteitag im Juni 2001 soll darüber abgestimmt werden. Doch innerhalb der Partei hagelte es bereits Kritik zu dem Vorschlag. Der Nachwuchs ist sauer. Die Jugend-Organisation der Zentrums-Partei hält den Vorschlag für das neue Partei-Programm für altmodisch. Es gehe an der Wirklichkeit vorbei.

Kritik: Programm antiquiert und diskriminierend
Vor allem an einer Formulierung stört man sich: das Menschenbild der Zentrums-Partei gehe von einem christlichen Standpunkt aus. Diese Formulierung hält die Vorsitzende der Nachwuchs-Organisation der Partei, Malin Svensson, für verblüffend. Schliesslich sei Schweden heute eine Gesellschaft mit vielen Kulturen und Religionen. Durch eine solche Vorbedingung würden Menschen von vorneherein ausgegrenzt statt von der Partei angezogen. Ausserdem gebe es eine Trennung von Politik und Religion – und deshalb, so verlangt Svensson, solle die Formulierung aus dem Programm gestrichen werden.

Doch das ist nur ein Kritikpunkt des Partei-Nachwuchses von insgesamt vier. Weiter wird eine deutliche Positionen in Sachen Gleichberechtigung der Frau gefordert, bei den stärker werdenden Konflikten zwischen den Generationen und in Bezug auf Solidarität mit anderen Ländern.

Wählerstimmen dringend nötig
Würde der Vorschlag für das neue Partei-Programm in diesen Punkten abgeändert, so hofft Malin Svensson, dann hätte die Partei Chancen, Boden gut zu machen. Das hat die Zentrums-Partei bitter nötig. Denn Meinungs-Umfragen sehen sie zur Zeit bei gut vier Prozent – also der Hürde für Parlamentswahlen. Traditionell hatte die 1910 gegründete Zentrums-Partei in Schweden viele Wähler auf dem Land. Doch mit der schwindenden Bedeutung von ländlichem Raum und Landwirtschaft nahm auch die Bedeutung der Partei rapide ab.

Auch eine Neu-Orientierung Richtung Umwelt erbrachte nicht den erhofften Erfolg, seit Anfang der achtziger Jahre die Grünen gegründet wurden. Mit dem neuen Partei-Programm versucht man offenbar, Wähler der Christdemokraten und der Liberalen zum Zentrum zu ziehen.

Markus Wetterauer

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