Arbeitskräfte-Mangel in der Forstindustrie

Der Arbeitsmarkt in Schweden ist für die Arbeitgeber zu einem schwierigen Pflaster geworden. Mit einer Arbeitslosenquote von unter vier Prozent herrscht bereits bei Berufsgruppen ein offensichtlicher Arbeitskräftemangel. Eine Branche, die darunter leidet ist die Forstindustrie.

Egal ob riesige Zellstofffabriken oder die zahlreichen Sägewerke – die Forstwirtschaft ist eines der wichtigesten wirtschaftlichen Standbeine Schwedens. Seit einigen Jahren haben jedoch die Unternehmen der Informationstechnologie der Forstindustrie den Rang abgelaufen. Das hat Kosequenzen für die Konzerne der Fortsindustrie. Ihnen fällt es immer schwerer, gut ausgebildetes Personal zu bekommen. Christer Ågren vom schwedisch-finnischen Forst- und Papierriesen Stora-Enso zu dem Problem:

"Unser größtes Problem ist der allgemeine Mangel an Wissen. Viele können sich überhaupt nicht vorstellen bei einem unserer Unternehmen zu arbeiten."

Ågrén ist gleichzeitig Vorsitzender des Kompetenzversorgungs-Komitees im Verband der schwedischen Forstindustrie. Das Komitee soll dafür sorgen, dass den angeschlossenen Unternehmen nicht die Fachkräfte ausgehen. Angesichts der starken Nachfrage an Ingenieuren und Akademikern von Seiten der IT-Unternehmen, ist dies kein leichtes Unterfangen.

Falsche Vorstellungen schrecken qualifizierte Leute ab
Die schwedische Forstindustrie tut sich nämlich schwer, das Interesse von gut ausgebildeten Fachkräften zu gewinnen. Viele verknüpfen mit diesem Beruf den Aufenthalt in einer stinkenden Zellulosefabrik irgendwo in der schwedischen Provinz. Die Unternehmen im Bereich Informationstechnologie und Arzneimittelforschung locken weitaus mehr. Zu Unrecht, meint Christer Ågren:

"Wir stoßen auf viele Vorurteile, etwa dass unsere Unternehmen nichts mit hochentwickelter Technologie zu tun haben. Wenn man sich unsere Produkte anschaut, stellen eben die meisten fest, dass Papier und Karton nicht sehr technologisch sind. Ein Mobiltelefon ist da ja viel avancierter. Was man dabei jedoch nicht sieht, ist die Technologie, die erforderlich ist, um Papier herzustellen. Da wird vergessen, dass ein normales Schreibpapier von einer Maschine in acht Metern Breite mit über 100 Kilometern Länge innerhalb einer Stunde hergestellt wird."

Die Forstindustrie droht im Kampf um kompetente Kräfte ins Hintertreffen zu geraten. Dabei ist gerade bei der Papierherstellung der Faktor Arbeitskraft ein ganz entscheidender, wie Ågren erklärt: "Die meisten Unternehmen verfügen doch über die gleichen oder vergleichbare Maschinen und Technik. Der entscheidende Konkurrenzvorteil entsteht in unserer kapitalintensiven Industrie darin, diese Maschinen so gut wie möglich auszunutzen. Nur mit gutem Personal bin ich in der Lage, eine Maschine vielleicht um ein Prozent besser zu nutzen als der Konkurrent."

Früh um Nachwuchs werben
Die geringe Attraktivität der Arbeitsplätze wird daher zu einem Problem, das auch nicht mit Outsourcing – das ist die Ausgliederung bestimmter Arbeiten an andere Unternehmen – gelöst werden kann. Die Anwerbung von Fachkräften im Ausland kann bisher nur mit dem berühmten Tropfen auf den heissen Stein verglichen werden.

"Unsere Erfahrungen zeigen, dass man früh damit beginnen muss, wenn man das Interesse eines Ingenieurs in Deutschland fangen will. Etwa mit dem Angebot für einen Ferienjob während des Studiums. Da gibt es auch einige in Deutschland, die solche Angebote schätzen. Ganz allgemein ist ja die Forstindustrie nicht gerade die erste Branche, in der sich Fachkräfte aus Deutschland umtun. Da hilft auch nicht unser Steuerssystem, dass einen solchen Beruf wirtschaflich wenig interessant erscheinen lässt. Womit wir konkurrieren können, ist, dass wir im ruhigen Norden eine ganz andere Lebensqualität bieten können als in einer deutschen Grossstadt. Und es gibt einige, denen es hier gut gefällt und die bleiben."

Nur wenige Ingenieure aus Deutschland treten also tatsächlich den Weg in die schwedischen Wälder an. Bei den Unternehmen der Forstwirtschaft ist deshalb mittlerweile die Einsicht gewachsen, dass man sich schon früh im eigenen Land um neue Kräfte kümmern muss. So werden junge Akademiker in die Schulen geschickt, um dort über die High-Tech-Branche Forstindustrie zu berichten. 10.000 Schüler waren im vergangenen Jahr bei einer als „Zukunftsreise" bezeichneten Veranstaltung mit dabei. An den meisten Schulen gibt es auch einen „Tag des Waldes", wo über den nachwachsenden Rohstoff Holz und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten informiert wird.

Zu Hilfe gekommen sind der Forstindustrie die sich häufenden Konkurse von Internet-Unternehmen. Die erste Euphorie über die Branche ist verebbt. Die in alter Tradition gewachsene Forstindustrie erscheint als sicherer Arbeitgeber.

Verglichen mit dem Telekommunikationsriesen Ericsson, der mehrere tausend Ingenieure pro Jahr einstellt, ist etwa der Bedarf von Stora-Enso deutlich niedriger. Ågren geht für sein Unternehmen von rund 300 neuangestellten Ingenieuren in den kommenden drei Jahren aus. Er ist sich jedoch bewusst, dass die Forstindustrie jetzt handeln muss, um nicht in einigen Jahren in Nöte zu kommen.

Die beste Wirkung erhofft sich Ågren deshalb durch die Arbeit der einzelnen Unternehmen auf lokaler Ebene und dabei besonders von den zahlreichen Ferienjobs, die jeden Sommer angeboten werden: "Wenn die jungen Leute sich ein genaues Bild von unseren Unternehmen gemacht haben, wächst auch das Interesse, bei uns zu arbeiten. Das ist das Positive. Schlimmer wäre es doch, wenn alle wüssten, was es bedeutet in der Forstindustrie zu arbeiten und keiner wäre daran interessiert."

Dieter Weiand

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