Aktienkunde an der Schule

Das Sparen in Aktien ist in Schweden in den letzten Jahren fast zum Volkssport geworden. Kaum einer, der nicht ein paar zurückgelegte Kronen und Ören in irgendeinem Fond angelegt hat, statt sie auf einem Konto auf der Bank versauern zu lassen. Der Traum vom schnellen Geld wird dabei oft schon in der Schule geweckt. Denn immer mehr Schulen halten entsprechende Kurse im Rahmen des Unterrichtsplanes ab.

Das Interesse ist nicht gerade riesig, bei unserem Besuch im Stockholmer Vorortgymnasium Tibble. Gerade mal 30 Schüler verlieren sich in der weitläufigen Aula des Gymnasiums, um dem Vortrag von Håkan Lyander zu lauschen. Lyander kommt vom Verband der jungen Aktiensparer und weiß, dass Aktien – trotz des geringen Zuspruches an jenem Tag – dass Aktien ganz einfach angesagt sind. „Wir sind ein eigenständiger Jugendverband und davon einer der größten Schwedens. Wir haben gut 24.000 Mitlieder. Das macht uns größer als alle politischen Jugenorganisationen.“

Schweden sind die Nummer Eins im Aktiensparen
Knapp sechs Millionen Schweden legen Teile ihres Ersparten in Aktien an, das sind 63 Prozent und macht die Schweden zu den Weltmeistern auf diesem Gebiet. Über die Hälfte aller Kinder besitzen ebenfalls ein Guthaben auf einem Aktiendepot- meist von den treusorgenden Eltern angelegt.

Damit die junge Generation auch gleich mit den entsprechenden Kenntnissen versorgt wird, um die Investitionen auch verfolgen zu können, haben die Jungen Aktiensparer ein Patenprojekt ins Leben gerufen. 30 an der Stockholmer Börse notierte Unternehmen übernahmen die Partnerschaft für je einen Ausbildungskurs an einer Schule. Ähnliche Projekte werden etwa auch von der Stockholmer Börsengesellschaft OM betrieben. Håkan Lyander erklärt, worin das Interesse der Unternehmen liegt: „Das ist unterschiedlich. Einige Unternehmen sehen dies als reines Sponsoring. Andere Unternehmen benutzen diesen Kontakt mit den Schülern auch, um zu erfahren, wie diese Schüler über sie denken, oder welche Ideen und Vorstellungen sie haben. Andere Unternehmen befragen die Schüler auch darüber, was an ihrer Homepage im Internet besser gemacht werden kann. Die Schüler geben Feedback.“

Jugendliche werden spielerisch zum Thema geführt
Bei unserem Besuch, war Lyander bereits zum vierten Mal im Tibble-Gymnasium gewesen. Beim ersten Mal war es um Grundsätzliches gegangen. Die Schüler durften dann ein fiktives Akienportefeuilles anlegen und seine Entwicklung verfolgen. Der 17-jährige Micke Arnweden erklärt, was ihm dieser Unterricht gebracht hat: „Ich habe vielleicht etwas mehr Verständnis für den Aktienmarkt gewonnen, als ich vorher hatte. Ich weiß jetzt mehr, was das eigentlich ist und wie es funktioniert. Wir haben jauch gelernt, etwas zu analysieren. Das ist interessant. Vor allem wenn man sieht, inwieweit die Psychologie hier mitspielt.“

Ob Shareholder-Value oder die Entwicklung eines Branchen-Index im letzten Quartal – die Schüler der Oberstufe des Tibble-Gymnasiums sind auf den Stand der Dinge gebracht. Dennoch, über die Hintergründe des Geschehens an der Börse Bescheid zu wissen ist eine Sache – Geld zu verdienen eine andere. Håkan Lyander erklärt, was die Schüler am meisten interessiert: „Die Frage die alle stellen ist: Welche Aktien muss ich kaufen, um am meisten innerhalb kürzester Zeit zu verdienen. Aber wir geben ja keine Kaufempfehlungen. Darüber hinaus ist auch „Daytrading“ also das kurzfristige Handeln mit Aktien, nicht unsere Sache. Es gelingt nur den wenigsten, damit Geld zu verdienen. Wir stehen eher für langfristige Anlagen, in großen Portefeuilles mit mehreren Branchen. Das ergibt auf längere Sicht gute Gewinne."

Wo bleiben Moral und Ethik?
Über ethische Verhaltenregeln wird während der Kurse weniger geredet. Personen, die selbst Aktien von kleineren Unternehmen kaufen und dann im Internet gute Nachrichten über diese Unternehmen verbreiten, damit deren Kurse steigen, werden nur am Rand erwähnt. Auch der Schüler Micke Arnweden macht sich über Ethik im Aktiengeschäft keine Illusionen: „Die hat, glaube ich, nur ganz wenig Bedeutung. Ich selbst würde mich wenig nach ethischen Regeln verhalten, wenn ich mit Aktien handeln würde.“

Auch Lyander räumt ein, dass Moral und Ethik, in seinem Kurs nur wenig Platz einnehmen. Kaum ein Schüler mache sich Gedanken, ob es etwa Gründe geben könnte, nicht in eine Mineralölgesellschaft zu investieren.

Der Traum vom großen schnellen Geld spukt wohl immer in den Hinterköpfen der Schüler. Der Kurs hat Ihnen jedoch auch klar gemacht, dass es auch an der Börse keine wundersame Geldvermehrung gibt. Die fiktiven Akienportefeuilles des Tibble-Gymnasiums standen zum Jahresende alle im Minus.

Dieter Weiand

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