Ausstellung zeigt Schweden 1628

1628 - so heisst die Ausstellung, die seit Ende 2000 im Wasa-Museum in Stockholm zu sehen ist. Sie beschreibt eine spannende Zeit in der schwedischen Geschichte auf besondere Art: Nicht die grossen Kriegsherren stehen im Mittelpunkt, sondern jene, auf deren Rücken die Kriege zumeist ausgetragen wurden – die ganz normalen, so genannten kleinen Leute.

Sie strahlt Macht aus und Stolz. Die Wasa, einst prunkvollstes Kriegsschiff in der Grossmacht-Flotte von Gustav II. Adolf, gesunken am 10. August 1628 auf der Jungfernfahrt und mehr als 300 Jahre später geborgen, lässt Betrachter noch immer in Bewunderung verstummen.

Die Wasa – Symbol für eine Zeit, die vom schwedischen Eroberungs- und Grossmachtstreben geprägt war. Eine Umbruchzeit in Schwedens Geschichte; die Kriegslust der Herrscher bestimmte viele Lebensbereiche neu. Die Ausstellung 1628 ist auf den ersten Blick unscheinbar, angesiedelt im Schatten des mächtigen Schiffsrumpfs. Sie zeigt keine stolzen Kanonen, kein Schlachtgetümmel.

Grossmachtstreben neben einfachem Landleben
Wie lebte, arbeitete, bekriegte und vergnügte man sich im Schweden des frühen 17. Jahrhunderts? Wie sah der Alltag für die alltäglichen Menschen aus? Dieser Frage wird hier nachgegangen. Auf kleiner Fläche erwartet den Besucher eine bunte Vielzahl von Schicksalen, von Dokumenten, von Haushaltsgegenständen und Arbeitsgeräten aus dieser Zeit.

Krieg ist teuer - damals wie heute. Die Krone besteuerte das Volk hart, nahm grosse Geldanleihen bei ausländischen Kaufleuten auf und vervielfachte den Export von Eisen und Kupfer. Für den Eigengebrauch wurden daheim Werkzeuge, Kanonenkugeln, Waffen hergestellt. Die Ausstellung zeigt einige dieser Stücke.

Die Bauern Lasse Bengsttson aus Björke und Jan Olsson aus Sörby, auf einem Gemälde verewigt, gehörten zu den Bauern, die die Waffenherstellung als Nebenjob machten. Das brachte ihnen nicht nur Steuererleichterungen, sondern auch die Aussicht, vom Militärdienst befreit zu werden. Die sogenannte Ausschreibung von Soldaten folgten strengen Regeln, aufgestellt jeweils vom Reichstag, in dem Adelige, Kirchenleute, Bürger und Bauern vertreten waren.

Der Krieg schluckte die Männer. 2000 Mann verliessen das Land als Soldaten 1625, nur 668 von ihnen kehrten zurück.

Erste Einwohnermeldung zu sehen und Müllzoll-Verordnungen
Schwedens Herrscher des 17. Jahrunderts schufen die Grundlagen dafür, dass ihre Nachfahren heute über die Allmacht der Bürokratie stöhnen. Die Kopie eines der allerersten Dokumente einer Einwohnermeldung ist in der Ausstellung zu sehen. Das Dokument stammt aus dem Jahre 1628; Bischof Johannes Rudbeckius, so kann man dort lesen, musste gemeinsam mit dem örtlichen Pfarrer eine Aufstellung der Eigentümer der Kirche, der Getauften und der Begrabenen vornehmen. Bei der Geburt des schwedischen Amtsschimmels leistete der Krieg grosse Hilfe.

Statthalter sorgten in den verschiedenen Provinzen dafür, dass dem Willen Gustavs II. Adolfs entsprochen wurde. Verordnungen aus dieser Zeit belegen, dass die Staatsmacht ihre Bürger fest im bürokratischen Griff hatte: zu sehen ist unter anderem die Verordnung über die Abgabe von Butter, die Verordnung über den Müllzoll, die Verordnung für erlaubte Stoffe beim Backen. Die Verordnung über den Verkauf von Lebensmitteln über die Grenze, die Verordnung über...

Neben Dokumenten und Originalgegenständen haben sich die Ausstellungsgestalter auch noch anderes einfallen lassen, um Schicksale aus der damaligen Zeit lebendig zu machen. In acht kleinen modellierten Szenen treffen wir Personen, die einst Menschen aus Fleisch unnd Blut waren. Zum Beispiel Melker, der auf dem Markt untauglichen Hering verkaufte oder Måns, der es wagte, ohne Erlaubnis zu jagen.

Starke Rolle der Kirche
Zu Wasas Zeiten war der Katholizismus verboten. Im 16. Jahrhundert waren die Schweden schrittweise vom Katholischen zum Lutherischen Glauben übergegangen. Die Kirche war ein Teil des Staates geworden. Man hatte die Klöster geschlossen und die Pfarrer vom Zwang befreit, unverheiratet zu bleiben. Schwedisch hatte das Lateinische als Sprache in der Kirche ersetzt. Erlösung konnte nun nicht mehr durch gute Taten erlangt werden, sondern nur durch Unterwerfung und Demut. So gab es in den Kirchen einen Schampfahl für jene, die gegen das Verbot von ausserehelichem Sex verstossen hatten. Für die Menschen war die Religion ein wichtiger Teil des Alltags.

Das 17. Jahrhundert war auch in der Wissenschaft eine Zeit des Aufbruchs. In einem Turm mit glänzender Kuppel werden Ausblicke auf die gelehrte Welt draussen in Europa vermittelt. In einem Bildspiel begegnet der Ausstellungsbesucher Kopernikus, Galilei und Kepler, jenen drei Wissenschaftlern, die ihre Zeitgenossen mit der Behauptung schockierten, die Erde sei nicht Mittelpunkt des Universums.

Alles sollte erforscht werden, und 1628 wurde auch die erste annähernd realistische Landkarte von Skandinavien erstellt. Doch den Grossteil des schwedischen Volkes erreichten all diese Neuigkeiten erst mit jahrelanger Verzögerung. Manche der ketzerischen Nachrichten sprach sich in den Städten herum; doch dort wohnten nur wenige Menschen.

Wer auf unterhaltsame Weise mehr erfahren will vom Leben in Schwedens zu Zeiten der Wasa, dem sei der Besuch der Ausstellung im Wasa-Museum wärmstens empfohlen.

Anne Rentzsch

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