Sportler des Jahrhunderts

Es ist ein schwieriges Unterfangen, auf das 20. Jahrhudert zurückzublicken und zu sagen, dieses oder jenes Ereignis war das wichtigste, dieser oder jener Schauspieler war am besten oder dieser oder jener Sportler war der Grösste. Dennoch wurden ungezählte Versuche unternommen. Über die Entscheidungen darf dann gerne gestritten werden.

Am 17. Januar 2000 war im schwedischen Fernsehen die grosse Sportlergala angesagt und damit verbunden die Wahl zum Sportler des Jahrhunderts. Zwar hatten Sportjournalisten auf der Grundlage von Umfragen bereits Ende des vergangenen Jahres die Ski-Legende Ingemar Stenmark als solchen ermittelt, doch war die Gala eben noch einmal ein geeigneter Anlass.

Und auch hier kam es zum Kopf-an-Kopf-Rennen von Stenmark mit dem Tennis-Ass Björn Borg. Und diesmal hatte der Triumphator von Wimbledon die Nase vorn und Stenmark musste sich – um Hundertstel geschlagen – mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

Borg hat Nase vorn, beliebter ist aber Enquist
Doch egal ob Borg oder Stenmark – keiner der beiden ist für seine Sprachgewandtheit bekannt und insgeheim war Stenmark vielleicht froh, dass er nicht vor die Fernsehnation treten und eine Dankesrede halten musste. Diese Ehre ward Borg zuteil. Borg wusste, was er seinem Publikum schuldig war, und erklärte, dass er immer stolz darauf war, für Schweden spielen zu dürfen.

Die Show wurde Borg jedoch von einer Sportlerin gestohlen, die gar keine Urschwedin ist, doch bei ihren Triumphen sich gerne die blaugelben nationalen Symbole umhängt. Die Rede ist von der Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Hürdenlauf, Ludmila Enquist. Die Wahlschwedin wurde gleich mit vier Preisen ausgezeichnet: als Sportlerin des Jahres, als Sportlerpersönlichkeit des Jahres, für die sportliche Leistung des Jahres und mit dem nach dem hierzulande berühmten Sportjournalisten benannten Jerring-Preis.

Der Gang zur Bühne und die Dankesrede wurde an jenem Abend für Ludmila Enquist zu einer wiederholten Übung. Und auch Ludmilla Enquist weiss, was sich gehört. Als sie für den Jerring-Preis zum vierten Mal auf die Bühne und vor die Kameras musste, da wusste sie – dieser Preis ist das Feinste, was man bekommen kann.

Dieter Weiand

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