Skandalprojekt Hallandtunnel soll weitergebaut werden

Der Schienenverkehr ist umweltfreundlicher als der Strassenverkehr. Also mehr Güter weg von der Strasse auf die Schiene, dachte sich die schwedische Regierung in den 80er Jahren und beschloss, die Eisenbahnstrecke an der Westküste auszubauen. Dazu gehörte der Bau eines Eisenbahntunnels durch die Halland-Hügelkette im Südwesten Schwedens. Doch aus dem Umweltprojekt wurde ein Skandalprojekt.

1988 beschließt die Regierung den Bau eines Eisenbahntunnels durch den Halland-Bergrücken, der die Region Skåne von der Region Halland trennt. Die bestehende Strecke führte um den Bergrücken herum und war einspurig, nun sollte sie zweispurig werden und mitten hindurchgehen durch den Hallandsåsen. 1993 beginnt man mit den Bauarbeiten. Doch 1997 bekommt die Baufirma Skanska große Probleme mit in den Tunnel eindringendem Wasser. Das angewendete Dichtungsmittel Rhoca Gil führt zum Umweltskandal: der in ihm enthaltene Giftstoff Akrylamid gelangt in die umgebenden Gewässer, später auch ins Grundwasser, Tunnelarbeiter erkranken. Umweltschützer und Bauern protestieren, der Bau des Tunnels wird bis auf Weiteres gestoppt. Eine Regierungskommission beginnt, den Fall zu untersuchen.

Regierung: "Projekt geht weiter"
Jetzt hat die Regierung entschieden, dass das umstrittene Projekt weitergeführt werden soll. Wirtschaftsminister Björn Rosengren:"Wir rechnen damit, dass das etwa 2 -3 Milliarden Kronen mehr kosten wird. Ein Drittel des Tunnels ist ja fertig und da ist es vernünftig, dass man den Bau zu Ende führt, unter akzeptablen Umweltschutzforderungen."

Der Bau des Tunnels hat bislang rund 2 Milliarden Kronen gekostet, doppelt soviel wie für die Gesamtkosten ursprünglich geplant war. Grund sind die aufwendigen Umweltsanierungen und die neue Dichtungsmethode, bei der der Tunnel mit einem bis zu einem Meter dicken Betonmantel abgedichtet wird. Die Methode ist zwar umweltfreundlich, doch Umweltschützer warnen vor einem weiteren Sinken des Grundwasserspiegels, wenn der Tunnel weiter gebaut wird. Die Grünen in Schweden sind daher auch gegen das Projekt. Eva Hallström aus der Parteiführung: "Es gibt kein Geld für den Weiterbau des Tunnels, wir werden auch keines genehmigen. Wir meinen, dass das Ganze stillgelegt werden muss. Wenn wir im Herbst im Parlament über Infrastruktur-Fragen diskutieren, wird es auch darum gehen. Die Milliarden, die für das Tunnelprojekt gebraucht werden, würden für andere Projekte verloren gehen. Außerdem ist der Tunnel auch aus Umweltschutzgründen völlig zu verwerfen."

An dieser Frage könnte also im Herbst die Zusammenarbeit zwischen Grünen und Sozialdemokraten scheitern. Aber vielleicht verhindert ja zuvor schon das Umweltgericht oder die betroffene Kommune den Weiterbau des Skandalprojektes.

Axel Hammerl

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