Mit „Oden" zur Nordpolexpedition

Die vier Dieselmaschinen an Bord des Eisbrechers Oden leisten 24.500 PS, sie sind also ungefähr 300 Mal so stark wie ein Kleinwagen. Damit kann die Oden eine bis zu 2 Meter dicke Eisschicht brechen, und gerade deswegen eignet sie sich besonders für die Aufgabe, die jetzt vor ihr liegt: Sie bringt ein Forscherteam direkt zum zugefrorenen Nordpol.

Der Arm des gewaltigen hydraulischen Krans auf dem Heck des Eisbrechers Oden hebt sich langsam, an seinem Ende schwebt jetzt der Steg, der gerade noch vom Kai an Deck führte. Für die rund 50-köpfigen Besatzung gibt es nun kein Zurück mehr, gleich läuft der Eisbrecher Oden aus zu seiner zweimonatigen Fahrt an den Nordpol. An Bord ist auch Caroline Lek: „Ich habe jetzt natürlich gemischte Gefühle. Familie und Freunde zu verlassen ist schwierig, und auch den schwedischen Sommer hinter mir zu lassen, ist schwer. Aber wir begeben uns auf ein großartiges Abenteuer, wissenschaftlich gesehen ist das ein tolle Möglichkeit, wir haben ein gutes und nettes Team zusammengestellt.“

Forschungsobjekt Wolken
Caroline Lek ist Forschungsleiterin des größten Forschungsprojekts an Bord, sie untersucht den Zusammenhangs zwischen Sonneneinstrahlung und Klima. Ihr Hauptgegenstand scheint dabei den ganzen Aufwand gar nicht zu lohnen: Wolken. Als ob es davon in Schweden nicht genug gebe. Doch Caroline Lek winkt ab: Die Arktis – das ist ein viel besseres Forschungsgebiet. Zum einen, weil man eben noch nicht viel darüber weiß, und zum anderen, weil die klimatischen Verhältnisse dort extrem sind und von drei klar trennbaren Faktoren bestimmt werden: Dem Ozean, dem Eis und eben – Wolken. Was sich hier beobachten lässt, hat nach Meinung der Forscher Bedeutung über die eisigen Regionen des Nordpols hinaus. „Das ist wichtig, weil die Wolken die einfallende Sonnenstrahlung filtern, das spürt man an einem wolkigen Tag: Am Boden wird es kälter. Heute reden wir über den Treibhauseffekt und die dafür verantwortlichen Gase, wodurch sich die Erde erwärmt, und das könnte ein entgegengesetzter Regulierungsmechanismus sein. Wenn wir unterschiedliche Wolken schaffen, dann reflektieren die die Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum, und das kann vielleicht zu einer Kühlung der Erdoberfläche beitragen. Und genau dieses delikate Gleichgewicht wollen wir erforschen, wie die Kräfte hier aufeinander wirken“, sagt Lek

"Die Kälte ist das Schlimmste"
Noch murmeln die gewaltigen Schiffsdiesel tief im Inneren des Rumpfs leise vor sich hin, Matrosen verstauen letzte Ausrüstungsgegenstände hochseegerecht, die Dixielandmusik aus den Bordlautsprechern geht in all dem unter. Dann steigt eine lange schwarze Rauchfahne aus dem steilaufragenden Schornstein der Oden, die letzten Leinen werden losgemacht und die Schiffsschrauben treiben das Wasser in einer großen Welle unter dem Heck hervor.

Langsam setzt sich der Eisbrecher in Bewegung und gleitet durch das stille Wasser des Stockholmer Hafens. Am Nordpol angekommen wird er ein schwimmendes Labor sein, die Arbeit dort wird Besatzung und Wissenschaftler stark beanspruchen. „Ich bin schon einmal dagewesen, es ist kalt, man muss sich gut anziehen, aber vielleicht ist das Wasser das schlimmste, weil es dort - 1,8 Grad kalt ist, das liegt am hohen Salzgehalt. Wir nehmen Luftproben, wir nehmen Wasserproben, und wenn man die Flaschen leert, berührt man das Wasser, und das ist richtig kalt“, meint Caroline Lek und lacht.

Mitreisen via Internet
Zwei Monate lang müssen sich Caroline Lek und ihre Kollegen mit der arktischen Kälte abfinden, danach tritt die Oden die Rückreise an. Das werden die Forscher aber gar nicht mehr erleben: Sie machen sich auf den Heimweg, sobald sie ihre Untersuchungen abgeschlossen haben, nicht mit dem Eisbrecher, sondern einem Flugzeug – damit sie wenigstens noch ein bisschen vom schwedischen Sommer genießen können.

Persönlich können Sie zwar nicht an Bord der Oden sein, aber trotzdem lässt sich die Reise mitverfolgen: Im Internet wird jede Etappe und ein Teil der wissenschaftlichen Ergebnisse dokumentiert. Unter der Adresse www.polar.se können Sie sich also täglich auf den neuesten Stand der Forschungsreise bringen.

Hans-Peter Fischer

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