Christdemokraten rüsten zur Wahl in einem Jahr

Sie war einer der großen Gewinner der letzten Wahlen: Die Christlich-Demokratische Partei Schwedens. Das ist vor allem dem dienstältesten Parteichef des Landes, Alf Svensson zu verdanken. Nach bald 30 Jahren an der Spitze der Nischenpartei hat Svensson jetzt seinen Abgang angedeutet.

Doch richtig brenzlig wird es auf dem Parteitag in Piteå noch aus ganz anderem Grund: Die Frauen fordern von ihren männlichen Parteifreunden ein Bekenntnis zum Feminismus.

Es sind die soziale Fragen - Gesundheit, Schulen und Kinderbetreuung - mit denen die schwedischen Christdemokraten Erfolg haben. Durch ihr Programm schimmert die Sehnsucht nach der heilen Welt. Und ihr Ruf nach einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft könnte auch von den wesentlich jüngeren Grünen kommen. Sprunghafte Wechselwähler verhalfen den Christdemokraten beim letzten Urnengang 1998 zu überraschenden 11 Prozent. Eine Verdreifachung des Stimmenanteils in nur vier Jahren.

Die neuen Christdemokraten: aufgeklärt wertkonservativ
Dahinter stecken vor allem die Fähigkeiten des dienstältesten Parteivorsitzenden Schwedens - Alf Svensson, der seit 1973 die Marschrichtung vorgibt. Ihm gelang es auch, das durch eine ablehnende Haltung zum Schwangerschaftsabbruch geprägte Image der Partei abzuschütteln und die Christdemokraten im Übrigen als aufgeklärte Wertkonservative zu präsentieren. Da ist es kein Wunder, dass sich viele Delegierte auf dem Parteitag in Piteå fragen, ob es ein Leben ohne Svensson gibt. Und während sich der alte Hase auf dem politischen Parkett noch unentschlossen gibt, wann der rechte Zeitpunkt für seinen Abgang gekommen ist, droht weiteres Ungemach. Die christdemokratischen Frauen fordern ein Bekenntnis zum Feminismus. Und das soll bitte schön auch im Parteiprogramm stehen. So wie bei vielen anderen Parteien in Schweden. Ulla Brit-Hagström vom christdemokratischen Frauenbund: "Wir denken, dass es sehr wichtig ist, formell die Bedeutung und den Inhalt des Feminismus in seinem ethischen Zusammenhang zu diskutieren bis hin zur Frage, wie ein christdemokratischer Feminismus sein sollte."

Feminismus? "Nej"!
Ein Feminismus übrigens, mit dem sich durchaus vereinbaren lasse, dass sich Frauen lieber ums Kind kümmern, als der Karriere nachzugehen. Die überwiegend männliche Parteiführung hat gleich einmal "nej!" gesagt. Die Christdemokraten, eine feministische Partei? Undenkbar sagt Johann Höglund vom Parteivorstand: "Das ist doch bloß ein Etikett. In der Politik sind aber nur Inhalte wichtig. Wir sagen aber auch, dass es Anlass gibt, dass wir Christdemokraten mit dem Feminismus weiter arbeiten und die Gleichberechtigung kräftig vorantreiben."

Ein laues Bekenntnis, dass die Herren sich da abgerungen haben. Ärger ist also vorprogrammiert auf dem Parteitag in Piteå. Und am Ende steht vielleicht nicht gleich der Untergang der Partei aber ein wenig Sympathie von Schwedens Frauen.

Alexander Budde

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