Polizistenmörder gesteht nach zwei Jahren

Der Ortsname Malexander ist im Juli 2001 erneut ins Bewusstsein der Schweden gerückt. 1999 waren in der Ortschaft ungefähr 180m Kilometer südwestlich von Stockholm zwei Polizisten ermordet worden. Der Fall hat in Schweden aus zwei Gründen besonderes Aufsehen erregt. Zum einen war es die Brutalität der Polizistenmörder, die viele schockierte, zum anderen die Zugehörigkeit der Täter zur Neonazi-Szene. Zwei Jahre später gestand einer von ihnen die Tat.

Am 28. Mai 1999 verübten drei einschlägig vorbestrafte Kriminelle, Tony Olsson, Jacki Arklöv und Andreas Axelsson einen Bankraub im Städtchen Kisa und erschossen später beim Durchbrechen einer Straßensperre in Malexander zwei Polizisten.

Vor Gericht bestritten alle drei die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Arklöv behauptete sogar, dass er zur Tatzeit überhaupt nicht in der Gegend gewesen sei. Das Amtsgericht Linköping befand dennoch alle drei im Januar 2000 für schuldig: keine der Darstellungen, die Angeklagten über das Geschehen in gemacht hätten, könne wahr sein, hieß es in der Urteilsbegründung. Wer die Polizisten erschoss, sei nicht festzustellen. Aber das hatte nach Ansicht des Gerichts auch keine juristisch entscheidende Bedeutung. Die Täter hätten gemeinsam die Gefahren eines Feuergefechts mit dem Tod der beiden Polizisten als Folge begriffen.

Auch die Einstellung der drei zur demokratischen Gesellschaft war ausschlaggebend gewesen. Alle haben ihren Hintergrund in der Neo-Nazi-Szene. Die Angeklagten hätten sich einer gewaltverherrlichenden Ideologie bedient. Die brutalen Morde seien ein klarer Angriff auf zentrale Funktionen einer demokratischen Gesellschaft, stellt das Gericht in seiner Urteilsbegründung fest.

Urteil sorgte für Aufsehen
Das Urteil war eine Sensation. Sonst waren nämlich Angeklagte, die einander die Schuld an Kriminaltaten gegenseitig in die Schuhe schoben regelmäßig frei gesprochen worden. Das Oberlandesgericht bestätigte das Urteil im Sommer 2000. Seitdem haben die Verurteilten vergeblich versucht, eine Wiederaufnahme ihrer Verfahren zu bewirken.

Im Mai 2001 zeigte das Schwedische Fernsehen einen Dokumentarfilm über das Geschehen in Malexander. Darin gesteht Jacki Arklöv erstmals die Teilnahme am Bankraub in Kisa. Beschuldigt aber seinen Komplizen Tony Olsson indirekt der tödlichen Schüsse auf die beiden Polizisten in Malexander. Es folgten erneute Polizeiverhöre und nun hat Arklöv die Morde gestanden: „Nachdem ich dem verwundeten Axelsson ins Auto geholfen hatte, schoss ich mit den Dienstwaffen der Polizisten“ sagt Arklöv gegenüber dem Schwedischen Fernsehen. „Weder Andreas Axelsson noch Tony Olsson haben die letzten Schüsse abgegeben. Das war ich.“

Spätes Geständnis
Jacki Arklöv war beim Prozess vor dem Amtsgericht einer rechtspsychiatrischen Untersuchung unterzogen wurde. Die ihm volle Schuldfähigkeit bescheinigte. Keine Verwirrung zur Tatzeit also. Heute nennt Arklöv seine Vergangenheit als Fremdenlegionär in Bosnien als Grund für sein Handeln: „Man hat dort ja sehr starke Erlebnisse gehabt, das hat mich sehr beeinflusst. Und in einer ähnlichen Situation reagiert man dann ohne zu denken, so wie es einem beigebracht worden ist. Ich habe bisher ja bestritten, dass Bosnien mich beeinflusst hat, aber jetzt sehe ich ein, dass ich dadurch Schaden erlitten habe“, gibt Jacki Arklöv zu Protokoll.

Warum er sich nun doch entschlossen die kaltblütigen Morde zu gestehen? Darüber schweigt Arklöv beredt.

Sybille Neveling

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