Einwanderer haben es im Berufsleben schwer

Schweden hat einige ehrgeizige, jedoch ziemlich erfolglose Versuche unternommen, die Diskriminierung im Arbeitsleben zu bekämpfen. Viele Einwanderer lassen ihren Namen ändern, damit er schwedischer klingt. Aber selbst gut ausgebildete Fachkräfte haben es schwer, auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Arbeitsamt legte jetzt neue Zahlen vor. Und die sind alarmierend.

Selbst mit exzellenten Sprachkenntnissen haben es gut ausgebildete Einwanderer schwer, auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das belegt die erste umfassende Untersuchung, die das Arbeitsamt jetzt vorgelegt hat. Demnach haben gerade einmal 39 Prozent der im Ausland geborenen Akademiker eine Position inne, die ihrer Qualifikation angemessen ist. Und nur eine Minderheit unter den Zugewanderten arbeitet im erlernten Beruf. Zum Vergleich: 85 Prozent der im Land geborenen Hochschulabgänger haben eine ihrer Ausbildung entsprechende Anstellung. Anders Johansson, Generaldirektor des schwedischen Arbeitsamtes:

"Das beruht nicht auf der Sprachkompetenz und das liegt auch nicht an fehlender Ausbildung oder daran, dass die jeweilige Qualifikation in Schweden nicht gefragt ist. Man muss einfach feststellen, dass es hier um Kultur und Einstellungen geht und dass man hier oft über Netzwerke und persönliche Kontakte in den Beruf kommt, was es für Ausländer außerordentlich schwer macht, Fuß zu fassen."

Restriktive Haltung Schwedens
Hinsichtlich der Einwanderung von Arbeitskräften hat sich Schweden in den letzten Jahren sehr restriktiv verhalten. Da half auch nicht, dass Unternehmer und Verbände fast geschlossen für einen Abbau bürokratischer Hemmnisse warben. Gerade in Zukunftsbranchen wie der Biotechnologie und Telekommunikation ist das Land auf ausländische Spezialisten angewiesen. Doch der Ruf nach weiteren Spitzenkräften aus dem Ausland wird unglaubwürdig, wenn die Unternehmer nicht auch Verantwortung für die Integration der Zuwanderer übernehmen, meint Johansson. Zwischen 1991 und 1997 kamen rund 17 000 Akademiker aus Nicht-EU-Ländern nach Schweden. Im Schnitt sind die Zugewanderten heute zwischen 26 und 45 Jahre alt. Rund 10 000 dieser Einwanderer, so die Schätzungen des Arbeitsamtes, sind für ihre Arbeit überqualifiziert, arbeitslos oder befinden sich in Weiterbildung. Einige von ihnen absolvierten noch einmal ein schwedisches Studium, wie der Unternehmensberater Slatko Salcic, der aus Bosnien stammt:

"Ich habe fast 15 Jahre als Anwalt in Bosnien gearbeitet. Doch als ich herkam, stellte man fest, dass mein Diplom in Schweden nichts gilt. Da habe ich mich entschlossen, noch einmal Jura zu studieren. Ich habe das ganze Juristenstudium noch einmal an der Stockholmer Universität absolviert. Deshalb bekam ich hier Arbeit. Mein bosnisches Diplom ist in Schweden nichts wert."

Slatko Salcic arbeitet heute als Unternehmensberater in Stockholm. Was der gestandene Jurist bei seiner Einreise nach Schweden erlebte, ist kein Einzelfall. Aber selbst, wer wie Salcic ein schwedisches Studium absolviert, hat es auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt leichter. Nach dem Bericht des Arbeitsamtes haben nur 65 Prozent der Ausländer mit schwedischem Hochschuldiplom eine qualifizierte Anstellung gefunden. Auf ihrer Parteikonferenz auf der Insel Gotland haben sich die regierenden Sozialdemokraten unterdessen für eine verstärkte Zuwanderung ausgesprochen. Schweden sei insbesondere auf Fachkräfte im Gesundheitswesen, bei den Pflegediensten und im Bereich der Zukunftstechnologien angewiesen, hieß es.

Alexander Budde

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