Dosenpfand in Schweden nichts Neues

Die generelle Einführung eines Dosenpfandes ist in Deutschland im Bundesrat gescheitert. In Schweden gibt es dagegen schon seit 1982 ein Zwangspfand auf Aluminiumdosen und seit 1993 auch auf Plastikflaschen.

Den Schweden ist die Routine schon längst in Fleisch und Blut übergegangen. Wer einkaufen geht, nimmt mit, was an leeren Dosen und Plastikflaschen unter der Spüle lagert, und füttert damit die mannshohen Automaten, die in der hinteren Ecke der meisten schwedischen Supermärkte stehen. "Wann immer ich Zeit habe, ich spare alles in einer Plastiktüte, und wenn es übervoll ist, muss ich nach hier gehen", erzählt ein Kunde. Eine Frau ergänzt: "Ich selbst bin sehr ordentlich. Ich bringe alle Flaschen und Dosen zurück. Ich glaube, das tun wohl die meisten. Das System funktioniert ziemlich gut. Wir sind so diszipliniert in Schweden. Nun bin ich alleinstehend, da sind es nicht ganz so viele Sachen. Aber im Sommer hat man ja meist diese großen Mineralwasser-Flaschen, also ich bringe meist Flaschen zurück."

Der Dosenpfand - in Schweden ein alter Hut
Schon 1982 beschloss das schwedische Parlament ein Gesetz, nach dem 90 Prozent der Aluminiumdosen recycelt werden müssen. Seit 1993 sind auch nicht-wiederbefüllbare Plastikflaschen, die sogenannten PET-Flaschen, eingeschlossen. Wie das Gesetz umgesetzt wurde, überließen die Politiker den Brauereien, Abfüllern und dem Handel. Und die einigten sich auf eine Kooperation. So entstand die Svenska Returpack, eine Non-Profit-Organisation, die für die Verwaltung des Pfandsystems zuständig ist. Jährlich überweist sie zwei Millionen schwedische Kronen, also etwa 430 000 Mark, an die Stiftung "Haltet Schweden sauber".

Für den Kunden ist die Sache einfach: Er bezahlt 50 Öre, also etwa 11 Pfennig, pro Dose und 1 bis 2 Kronen, also bis zu 40 Pfennig pro Flasche, mehr. Und die bekommt er dann im Supermarkt gutgeschrieben. Über die Dosen, die trotzdem im Freien liegen bleiben, freuen sich meist Kinder, die mit dem Pfand ihr Taschengeld aufbessern.

System ärgert Supermarktleiter und Ausländer
Lars Agö ist Leiter einer Supermarktfiliale in Stockholm. 10 000 Dosen und Flaschen, so schätzt er, werden in seinem Supermarkt pro Woche zurückgegeben. Auch er glaubt, dass das System gut funktioniert, aber: „Es gibt immer wieder Probleme mit den Maschinen. Das weiss ich von den Filialen, in denen ich gearbeitet habe. Es gibt ständig neue Modelle, und die sind dann nicht richtig programmiert oder eingestellt. Dann fallen Flaschen und Dosen um, und der ganze Apparat wird nass und klebrig.“

Nicht nur Supermarktbetreiber ärgern sich. Ausländische Hersteller haben auf dem schwedischen Markt kaum eine Chance, weil das Pfandsystem nur Verpackungen erkennt, die mit einem speziellen Strichcode gekennzeichnet sind. Und auch bei den Bürgern geht die Akzeptanz zurück. Obwohl immer noch mehr als 90 Prozent der Dosen zurückgegeben werden, sinkt ihre Zahl seit einigen Jahren doch stetig, von fast 97 Prozent 1996 auf knapp 92 Prozent im vergangenen Jahr.

Wiebke Pankauke

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