Geburtsstationen überlastet

Wer den Sommer über in Schweden bleibt, sieht sich vor kaum lösbare Probleme gestellt. Die meisten Fachgeschäfte, Apotheken und Arztpraxen sind geschlossen und in vielen Landstrichen mangelt es an Polizisten. Im Notfall müssen einige Streifenwagen bis zu 300 Kilometer zum Einsatzort fahren. Richtig gefährlich wird es aber für werdende Mütter, bei denen sich Komplikationen abzeichnen. Weil die schwedischen Entbindungsstationen überlastet sind, werden Frauen in Hunderte Kilometer entfernte Kliniken gefahren. Und immer öfter müssen Schwedinnen ihre Kinder im Ausland zur Welt bringen.

Die Schweden sind eine kinderfreundliche Gesellschaft. Diesen Ruf hat sich das Land mit vorbildlichen Regelungen zum Erziehungsurlaub und zum Kindergeld erworben. Doch wenn es um werdende Mütter geht, wird Schweden diesem Ruf derzeit kaum gerecht. Schuld ist der Personalmangel im schwedischen Gesundheitswesen, insbesondere in den Sommermonaten. Auf den Entbindungsstationen sieht es besonders schlimm aus.

Zur Geburt ins 150 Kilometer entfernte Örebrö
Frauen aus Stockholm etwa, für die es in der Hauptstadt keine Betten mehr gibt, werden bis ins 150 Kilometer entfernte Örebro gefahren. Und Ende vergangener Woche wies die Frauenklinik im Stockholmer Stadtteil Danderyd das Personal an, die Mütter spätestens sechs Stunden nach der Entbindung nach Hause zu schicken.

Die Verkürzung des Klinikaufenthalts für Mutter und Kind sei nicht ungewöhnlich, meint Margareta Nyman, Oberärztin der Frauenklinik. Bedenklich sei jedoch der Umgang mit Frauen, deren Schwangerschaft problematisch verläuft und bei denen Komplikationen bei der Geburt zu befürchten sind. Sie selbst hat solche Patientinnen, die sich ohnehin Sorgen um ihr Kind machten, bis ins dänische Kopenhagen oder gar ins finnische Helsinki verlegen müssen. Schuld seien vor allem der Personalengpass auf den Entbindungsstationen, aber auch fehlende Beatmungsgeräte und Brutkästen.

Lösung: Finanzspritzen für Geburtsstationen
Der gesundheitspolitische Sprecher der Christdemokratischen Partei, Stig Nyman, kündigt für Stockholm eine erste Hilfe an. Rund 20 Millionen Mark zusätzlich will die Hauptstadt in den nächsten zwei Jahren in die Geburtsstationen investieren, um den größten Mangel zu lindern. Ein schier unlösbares Problem sei es aber, so Nyman, geeignetes Fachpersonal im Gesundheitswesen anzuwerben. Einstweilen und um ganz sicherzugehen, dass sie in guten Händen seien, müsse er Schwedens Müttern schweren Herzens eine Reise nach Helsinki empfehlen.

Alexander Budde

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