Nach Asylverfahren in der Zwickmühle

Was tun, wenn der Asylantrag in Schweden abgelehnt wurde, das eigene Land einen aber nicht mehr aufnehmen will? In dieser Situation befinden sich in Schweden Hunderte von Menschen, manche sogar mehrere Jahre. Jetzt haben diese Verhältnisse die Kritik auf sich gezogen.

Rong Chen kommt aus China. 1989 nahm er an den Studentendemonstrationen in seinem Land teil. Wegen regimekritischer Aktivitäten wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Der 33-jährige wurde damals schwer misshandelt, verbrachte sechs Monate im Krankenhaus. Als es die chinesische Familienpolitik ihm und seiner Frau unmöglich machte, mehr als ein Kind zu bekommen, war das Maß voll. Rong Chen floh, per Zufall landete er in Schweden. Doch sein Asylersuchen wurde in den letzten Jahren drei Mal abgelehnt.Zurückgeschickt werden konnte er nicht - er hatte keinen chinesischen Pass. Nach fünf Jahren des untätigen Wartens war er weichgekocht, wollte zurück in die Heimat, doch auf der chinesischen Botschaft war er ein Niemand, sein Name war aus den Registern ausradiert.

"Es liegt am Heimatland, nicht an Schweden"
So wie Rong Chen geht es Hunderten von Asylsuchenden in Schweden, und mehr als 30 von ihnen warten schon mehr als sechs Jahre auf eine Rückkehr. Maud Björnemalm ist überzeugt, dass Schweden daran nicht schuld hat. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Migrationwerkes, jener Behörde, die für die Annahme oder Ablehnung von Asylersuchen zuständig ist: "Das ist nicht der Fehler Schwedens. Es liegt am Heimatland, das seine Staatsbürger nicht zurücknimmt. Diese Länder muss man fragen, warum sie das nicht tun."

Nach Ansicht von Christian Diesen, Rechtswissenschaftler an der
Stockholmer Universität, gäbe es Möglichkeiten, den Wartenden zu
helfen. Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass auch humanitäre Gründe bei der Entscheidung über ein Asylverfahren in Betracht gezogen werden sollen. Der Professor, der den Weg vieler Entscheidungsprozesse auf diesem Gebiet beobachtet hat, glaubt jedoch, dass Wohl und Wehe auch von der Kompetenz des Betreuers und seiner Einstellung abhängen. Und die waren im Falle von Rong Chen nicht auf dessen Seite. Im vergangenen Jahr hat sich nun auch seine Frau von ihm abgewandt und die Scheidung eingereicht. Sie lebt seit einigen Jahren in den USA, ihr Asylantrag wurde positiv beschieden, und das, obwohl ihre Argumente für eine Aufenthaltsgenehmigung schwächer waren als bei mir, sagt der 33-jährige Chinese resigniert.

Agnes Bührig

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