Rücktritt bei Globalisierungsgegnern Attac

Während beim G8-Treffen im italienischen Genua die Steine flogen, legte im heimischen Schweden einer der führenden Köpfe der Anti-Globalisierungsbewegung Attac seine Arbeit nieder. Bror Perjus ging es bei seinem Rücktritt vor allem um die Frage, welche Einstellung die schwedische Gruppierung von Attac zur politischen Gewalt hat.

Der schwedische Ableger von Attac hat sich verrannt, seine Sicht auf die Demokratie ist undurchsichtig, die Einschätzung der politischen Lage in Schweden und im Ausland falsch. Das teilt Bror Perjus, einer der führenden Mitglieder von Attac in Schweden, am Wochenende in der einem großen Zeitungsartikel der schwedischen Öffentlichkeit mit.

Haltung gegen Gewalt muss deutlicher werden
Der Publizist vermisst vor allem eine deutliche Stellungnahme seiner Organisation gegen die Gewalt der Extremisten auf der Anti-Globalisierungsdemonstration in Göteborg. So hätten Attac-Vertreter schon frühzeitig die Polizei beschuldigt, das Ausarten der Demonstration provoziert zu haben. Die Ansicht, die hierbei hervorkomme, bei Steinewerfern und Polizei handele es sich um gleichberechtigte Gruppen, so Perjus, sei grundweg falsch. Schließlich habe letztere einen Staatsauftrag.

Überhaupt müsse erst einmal geklärt werden, was unter einer „systemkritischen Organisation“ überhaupt zu verstehen sei. Zielt man auf den Kapitalismus ab oder die Demokratie. Seines Erachtens sollte die Anti-Globalisierungsorganisation als breite Bürgerbewegung für die Globalisierung der Demokratie wirken. Und dafür sei das Mitgehen der Gewerkschaften sowie der Bürgerlichen unabdingbar.

Gegen die EU, aber die Wirtschaft wird globaler
Kritikpunkt Nummer zwei betrifft das Engagement der Organisation gegen die EU, zum Beispiel auf der großen Demonstration in Göteborg. Dies entspreche nicht der Übereinkunft, die man bei Attac getroffen habe. Und es zeige, dass diejenigen, die sie brechen nicht verstanden haben, dass die nationalen Wirtschaften am Ende ihres Weges angekommen sind, weil Wirtschaft zunehmend global stattfindet.

Doch Bror Perjus wendet sich nicht nur zurück. Er hat auch Visionen für eine breite Bürgerbewegung wie Attac. Und die zielen vor allem darauf ab, bekannt zu machen, was Globalisierung eigentlich bedeutet: Dass nämlich die internationale Freizügigkeit des Kapitals es für nationale Demokratien immer schwerer macht, Produktion effektiv zu besteuern, und diese Steuern für das Wohlfahrtssystem einzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen ist es wichtig, dass Attac in Schweden eine positive Haltung gegenüber der EU einnimmt. Denn er hält die Europäische Union für eines der besten Werkzeuge für Demokratie und Wohlfahrt, nicht nur in Europa.

Agnes Bührig

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