Gesetz gegen Prostitution wird unterlaufen

Vor zwei Jahren wurde ein neues Gesetz eingeführt, das die Prostitution in Schweden eindämmen sollte. Doch bisher wurden nur wenige Männer für das Kaufen von Sexdiensten auch tatsächlich verurteilt. Statt dessen suchen sie sich auf anderem Weg ihre Befriedigung: im Ausland. Die Polizei im nordschwedischen Norrbotten beobachtet nun, dass russische Prostituierte auftauchen.

Als Schweden im März dem Schengener Abkommen beitrat, änderten sich auch einige Regeln für die Grenzkontrolle. Wer heute aus Russland kommt, braucht nur noch ein Touristenvisum für die Einreise nach Finnland, von dort geht es dann ohne größere Schwierigkeiten weiter nach Schweden. Für russische Prostituierte ist der Weg nach Schweden offen, hat Polizeikommissar Ivan Wikström aus Luleå beobachtet: „Sie bekommen Hilfe von schwedischen Männern, die dafür sorgen, dass sie auch auf der schwedischen Seite Geld verdienen.“

Schwedische Männer fahren ins Ausland
Seit Oktober vergangenen Jahres hat die schwedische Polizei Prostituierte beobachtet, die aus Russland kommen. Dass schwedische Männer nach Finnland fahren, um sich Sexdienste zu kaufen, ist seit längerem bekannt. Schließlich gehen sie im Nachbarland dabei straffrei aus. Neuerdings kommen jedoch auch mehr und mehr Prostituierte aus Russland über die Grenze nach Schweden. Dafür sprechen die Meldungen, die die Polizei von Hotels und Campingplätzen in Norrbotten erhält. Und es sind keine Einzelfälle, meint Wikström: „Das ist organisiert, das sieht man. Weil es immer ein bestimmter Tag in der Woche ist, an dem eine gewisse Anzahl Kleinbusse, etwa 8 - 10, über die Grenze kommt. Das sind Prostituierte aus dem Murmansk-Gebiet, die dort als Prostituierte registriert sind.“

Aids-Gefahr steigt
Die schwedischen Behörden befürchten nun ein Ansteigen der Aids-Infizierten auch in Norrbotten. Denn im Gebiet von Murmansk im nordwestlichen Russland ist die Zahl HIV-Positiver in den vergangenen Monaten angestiegen. Grund seien die Drogenabhängigen, die in der letzten Zeit zugenommen haben. Und viele von ihnen finanzieren ihre Sucht durch den Verkauf ihres Körpers. Die Aids-Zentrale der Region Murmansk berichtet von 414 Infizierten, doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr. Mit dem Sextourismus Richtung Westen steigen damit auch für schwedische Männer die Chancen, sich mit dem Virus zu infizieren.

Agnes Bührig

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