Trauung von Homosexuellen bald in der Kirche?

Seit 1994 können in Schweden Homosexuelle eine registrierte Partnerschaft eingehen. Fast 2 000 Paare haben davon bislang Gebrauch gemacht. Aber die registrierte Partnerschaft ist der heterosexuellen Ehe nicht völlig gleichgestellt, u.a. darf die juristisch gültige Trauung nur von einem Richter ausgeführt werden. Das will der Justizminister nun ändern.

Ein Mann und eine Frau treten vor den Traualtar, geben sich das Ja-Wort. Wenn sie die Kirche verlassen, haben sie den Segen des Pfarrers empfangen und ihre Ehe hat Rechtsgültigkeit. Nicht so bei homosexuellen Trauungen. Der Akt, den der Pfarrer in der Kirche vollzieht, hat den Charakter einer Fürbitte. Wenn das Paar die Kirche verlässt, ist die Verbindung nicht rechtsgültig. Das Gesetz lässt zwar die registrierte Partnerschaft zu, aber keiner Glaubensgemeinschaft in Schweden ist es bisher erlaubt, die rechtsgültige Trauung zu vollziehen. Justizminister Thomas Bodström will das ändern: "Ich finde es falsch, dass der Staat die Glaubensgemeinschaften daran hindert, rechtsgültige Trauungen zu vollziehen. Andrerseits soll man die Glaubensgemeinschaften nicht dazu zwingen, sie sollen die Frage selbst entscheiden dürfen".

"Es ist Zeit für den nächsten Schritt"
Dafür, dass das Gesetz nicht von Anfang an Ehe und Partnerschaft gleichgestellt hat, hat der Justizminister eine plausible Erklärung: "Als das Gesetz eingeführt wurde, gab es einen großen Widerstand dagegen. Wir mussten die Änderungen Schritt für Schritt vollziehen. Aber jetzt sind ein paar Jahre vergangen, jetzt ist es an der Zeit, dass wir den nächsten Schritt tun und der besagt, dass die Trauung durch die Glaubensgemeinschaften rechtsgültig wird."

Aber noch nicht mal für die Segenssprechung wollen die Bischöfe homosexuellen Paaren die Kirchen überlassen. Offiziell darf die registrierte Partnerschaft nicht in der Kirche direkt eingegangen werden. Ein Beschluss, der demokratisch gesinnte Pfarrer dazu veranlasste, die Fürbitte draußen auf der Treppe und vor aller Öffentlichkeit zu halten.

Das theologische Komitee der Kirche soll zum Herbst eine Stellungnahme zu der umstrittenen Frage abgeben. Bis dahin werden die Wellen der Debatte in Kirchenkreisen hochschlagen. Des ungeachtet plant Minister Thomas Bodström den nächsten Schritt, damit in den Kirchen des Landes aus der homosexuellen Partnerschaft auch tatsächlich eine registrierte wird. Gleich nach seinem Urlaub will der Justizminister die technischen Details klären.

Gundula Adolfsson